Beim Flug in den Urlaub die flauschigen Wolken bestaunen und bei der Landung das Urlaubsland von oben anschauen – diesen Ausblick kann nur ein Fensterplatz im Flugzeug bieten? Wenn es nach einigen Experten ginge, dann sollen in der Zukunft Bildschirme statt Fenster dieses Erlebnis in allen Flugzeugen möglich machen.

Das Unternehmen Rosen Aviation ist sich sicher: OLED-Displays haben das Potenzial, Flugzeugkabinen schon bis Ende 2021 zu revolutionieren. In Flugzeugen könnten sie nicht nur Informationen anzeigen, sondern die Fenster komplett ersetzen, berichtet „Simple Flying“. Denn sie bieten eine sehr hohe Bildqualität, reduzieren aber das Gewicht, den Platz und den Stromverbrauch in Flugzeugen erheblich. 

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Virtuelle Aussicht bereits bei Emirates in der First Class

Über externe Kameras würde virtuell die Ansicht außerhalb des Flugzeugs dargestellt werden. Mit dem Projekt „Maverick“ will Rosen Aviation außerdem für jeden Gast eine personalisierte Umgebung schaffen, indem per Augmented Reality die Sitzfunktionen gesteuert werden können und Informationen beispielsweise zu Sehenswürdigkeiten dargestellt werden. Die holografische Bedienung würde es dann Passagieren ersparen, Flächen zu berühren. Mit dem Konzept ist das Unternehmen derzeit für den Yacht & Aviation Award 2021 nominiert.

In der First Class Suite der Airline Emirates kommen OLED-Displays bereits zur Anwendung. In den mittleren Suiten zeigen „digitale Fenster“ die reale Außenansicht per Livebild. Wie echte Fenster haben sie einen Fensterrahmen und Gardinen, um der Normalität so nahe wie möglich zu sein. 

Auch TU-Braunschweig-Professor sieht eine Zukunft für Flugzeuge ohne Fenster

Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat bereits erste Tests mit Bildschirmen statt Fenstern gemacht. Die Daten hätten ergeben, dass die virtuelle Darstellung unbedingt synchron mit den echten Flugbewegungen sein muss. „Sonst wird den Reisenden schlecht“, so Jens Friedrichs, Professor an der TU Braunschweig im Institut für Flugantriebe und Strömungsmaschine, gegenüber dem reisereporter. Er könne sich ebenfalls vorstellen, dass in rund 30 Jahren nur noch Projektionen an den Wänden der Flugzeuge die Außenwelt abbilden. Ohnehin sei der Flugzeugrumpf ohne Fenster stabiler und leichter. Außerdem würde der Treibstoffverbrauch reduziert. 

Bisher würden Fenster nur für die Passagiere verbaut, weil diese gern rausschauen. Das sei aber generationsabhängig. Jüngere Reisende würden mittlerweile nicht unbedingt am Fenster sitzen wollen, sondern ein Unterhaltungs-Programm auf einem Monitor bevorzugen. Von daher könnten sich die virtuellen Fenster womöglich tatsächlich durchsetzen.