Schnee, wohin das Auge reicht – so sieht es derzeit in großen Teilen Deutschlands aus. Da bei Außentemperaturen von minus 16 Grad Celsius und noch darunter auch die Seen zufrieren, zieht es die Menschen in der Nähe ihres Wohnortes nicht nur zum Rodeln, sondern auch zum Schlittschuhlaufen nach draußen. Aber in den meisten Orten ist die Eisdecke der Gewässer noch nicht dick genug.

Schlittschuhlaufen: Eisdecke der Seen in Deutschland oft nicht dick genug

Beim Betreten besteht Gefahr einzuberechen – und das kann lebensgefährlich sein, warnen Behörden, Feuerwehren und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Erst ab einer Eisschicht von 15 Zentimetern könne man das Eis betreten. Bei fließenden Gewässern müssen es 20 Zentimeter sein. Die meisten Flüsse und Seen würden diese Dicke aber erst bei 14 Tagen Dauerfrost erreichen, so lange dauert die Kälteperiode allerdings noch nicht an.

Daher ist es ratsam, nur Seen zu betreten, die von der Stadt oder der Gemeinde freigegeben sind. Die Tragfähigkeit wurde dann zuvor geprüft. In vielen Bundesländern ist diese Praktik aber bereits seit Jahren nicht mehr gang und gäbe – dort geschieht das Betreten der Eisflächen auf eigene Gefahr. 

Außerdem schränken die derzeit geltenden Corona-Regeln den Winterspaß ein. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, haben einige Orte die Eisflächen gesperrt. Dort, wo das Schlittschuhlaufen aber möglich ich, solltest du unbedingt Abstand zu anderen Ausflüglern halten und gegebenenfalls eine Maske tragen. Wir verraten dir, wo du in Deutschland jetzt eislaufen kannst und worauf du beim Betreten der Eisfläche achten solltest.

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Das solltest du beim Betreten einer Eisfläche beachten

Neben warmen Klamotten ist auch die Schutzkleidung beim Schlittschuhlaufen wichtig. Experten empfehlen, flexible Schoner für die Knie, wie sie Sportler unter anderem beim Volleyball oder Handball tragen, unter der Kleidung zu tragen. Für die Hände sollten es dicke Skihandschuhe sein – die dämpfen beim Stürzen den Aufprall.

Auf Handgelenk- und Knieschoner mit Plastikschalen wie beim Inlineskating solltest du aber verzichten. Durch das Plastik rutschen die Schoner beim Hinfallen weg, sodass man unter Umständen mit dem Gesicht aufprallt. Den Kopf schützt außerdem eine dicke Wollmütze sehr gut. Auch ein Helm ist geeignet, aber mit diesem könntest du bei einem Zusammenstoß andere Eisläufer im Gesicht verletzen.

Wer sein Geleichgewicht verliert, sollte sich möglichst nach vorne fallen lassen. Da das Eis rutschig ist, sei die Gefahr für die Handgelenke nicht so groß wie die einer Verletzung am Steißbein beim Nach-hinten-Fallen. Anfänger können für die nötige Standfestigkeit einen Schlitten vor sich her schieben, um ein Gefühl für das Eis zu bekommen.

Viele Seen werden nicht mehr freigegeben. Das Betreten geschieht dort auf eigene Gefahr.

Das solltest du beachten, wenn das Eis bricht

Wenn das Eis aber knistert und knackt, solltest du es sofort verlassen. Bei akuter Gefahr einzubrechen, leg dich flach auf das Eis und kriech dann vorsichtig ans Ufer. Solltest du tatsächlich einbrechen, dann versuch, die Arme schnell auszubreiten, rät die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Bricht dann das Eis in der Richtung, aus der du gekommen bist, so lange ab, bis es wieder dicker wird. Dann versuch dich auf die Eisoberfläche zu rollen und langsam an Land zu gelangen. Wer den Einbruch einer anderen Person beobachtet, ruft unter der 112 die Feuerwehr. Um dieses Szenario zu vermeiden, ist es wichtig, nur freigegebene Eisflächen zu betreten. Hier ein Überblick: 

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Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein locken zwar viele zugefrorene Seen Schlittschuhläufer an, doch Polizei, Feuerwehr und DLRG warnen: Kein See ist sicher!  Am sichersten scheinen für Eisläufer tatsächlich überflutete Wiesen zu sein, berichten die „Lübecker Nachrichten“. Bei Rothenhusen in der Wakenitz-Niederung gebe es mehrere solcher großen „Pfützen“. Ein richtiger Top-Tipp sei aber das Duvenseer Moor.

Bei einem Ausflug sollten aber die coronabedingten Abstandsregeln beachtet werden. Es gab es bereits mehrere Einsätze der Polizei, die aus Gründen der Gefahrenabwehr beispielsweise am Klempauer Hofsee die Schlittschuhläufer vom Eis holte. 

Bremen

In Bremen hat die Umweltbehörde einen automatischen Ansagedienst eingerichtet, um darüber Auskunft zu geben, welche Seen und Gewässer freigegeben sind: Rufnummer (0421) 361-5500. Doch bisher sind dort alle Eisflächen zu dünn, es besteht beim Betreten Lebensgefahr.

Unabhängig davon soll die Semkenfahrt kein Corona-Hotspot werden, daher bleibt sie in diesem Jahr geschlossen. Alternativ gibt es eine kleine Eisfläche, auf der das Schlittschuhlaufen mit Abstand gestattet ist. Dabei handelt es sich um eine geflutete Wiese hinter dem Roland-Center im Park Links der Weser.

Bayern

In Bayern sind mehrere Seen schon länger zugefroren und locken daher immer wieder zahlreiche Tagestouristen zum Schlittschuhfahren an. Ein äußerst beliebter Ort ist der Schwansee im Ostallgäu südöstlich von Füssen. Die Besucherparkplätze sind laut der Polizei meist schon früh überfüllt. Daher finden dort regelmäßig Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Maßnahmen statt. Auch die Gegend um den Schliersee ist ein beliebtes Ausflugsziel der Münchner, ebenso der Spitzingsee, wo Eisläufer ihre Kreise ziehen. 

Auch im Naturschutzgebiet Saalewiesen zwischen Bad Neustadt und Salz im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld nutzen viele Ausflügler die Saalewiesen, um sich auf dem Eis auszutoben. Denn die über die Ufer getretene Saale hat große Wiesenflächen in eine Eislaufbahn verwandelt. Laut dem Landratamt spricht nichts gegen den Winterspaß, allerdings gilt in dem Naturschutzgebiet ein Parkverbot, das die Besucher einhalten sollten, berichtet die „Main Post“.

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg kann ebenfalls seit Januar mit zugefrorenen Seen punkten. Bereits seit Mitte Januar trägt beispielsweise der Schlosssee Salem eine Eisschicht. In der Gegend wird das Eis aber seit Jahren nicht mehr von den Städten oder Gemeinden freigegeben. Das Betreten geschieht also auf eigene Gefahr.

In Baden-Württemberg sind viele Seen bereits länger zugefroren. Dort ist das Eislaufen unter Corona-Bedingungen möglich. (Symbolbild)

Keine sicheren Eisflächen in vielen Bundesländern

Auch zahlreiche andere Bundesländer haben bereits zugefrorene Seen. Doch ob nun in Berlin, Nordrhein-Westfalen oder Thüringen – da die Eisflächen immer noch nicht sicher sind, warnen dort die zuständigen Behörden vor dem Betreten.

Keine freigegebenen Eisflächen in Niedersachsen

Das Steinhuder Meer ist zwar teilweise zugefroren, aber nicht offiziell freigegeben. Vor dem Betreten der Eisfläche wird ausdrücklich gewarnt. Beim Zwischenahner Meer wird die Eisdicke nicht offiziell gemessen. Dementsprechend gibt auch keine offizielle Stelle das Betreten und Eislaufen frei.

Auch der Maschsee in Hannover trägt bereits eine dünne Eisschicht, aber selbst wenn diese dick genug werden würde, will die Stadt den See in diesem Jahr nicht freigeben. Im Rathaus befürchtet man, dass ein Eisvergnügen auf dem Maschsee zu viele Menschen anziehen würde, wodurch die Corona-Abstände nicht einzuhalten wären. Das berichtet die „Hannoversche Allgemeine“.

In Oldenburg habe die städtische Feuerwehr die Stärken des Kerneises von mehreren Gewässern gemessen – unter anderem im Dobbenteich und dem Swarte-Moor-See. Die ermittelten Eisstärken betrugen maximal zwei Zentimeter, daher warnt die Stadt dringend davor, zugefrorene Gewässer zu betreten.

Gleiches gilt für das Kerneis auf dem Schillerteich und im Allersee in Wolfsburg. Die Stadt warnt vor dem Betreten der Teiche, es herrsche akute Einbruchgefahr, berichtet die „Wolfsburger Allgemeine“. In Gifhorn rät die Wasserwacht, nur von den Behörden freigegebene Flächen zu betreten.

Auch in Hessen warnt die Feuerwahr vor dem Betreten

In Hessen sei weder auf den durch das Hochwasser überfluteten Auen die Eisdecke stabil noch auf den stehenden Gewässern. Das gilt unter anderem für den Perfstausee bei Breidenbach, für die Aartalsperre, die Ahneparkseen in Vellmar, den Frankfurter Ostparkweiher, Weiher und Seen in der Kasseler Karlsaue und den Leeheimer Riedsee sowie den Badesee in Gernsheim in Südhessen.

Mecklenburg-Vorpommern: Die Eisschichten sind nicht dick genug

Ebenso seien in Mecklenburg-Vorpommern die Eisschichten zum Schlittschuhlaufen noch nicht dick genug. „Der Wind sorgt dafür, dass das Eis nicht gleichmäßig dick wird“, sagte Robert Stahlberg von der Landeswasserschutzpolizei MV gegenüber der „Ostsee-Zeitung“. Dort, wo das Wasser bereits gefriert, sei die Eisschicht derzeit maximal drei Zentimeter dick. Auch Strömungsverhältnisse unter dem Eis seien eine Gefahr. 

Erst ab einer Dicke von 15 Zentimetern sei Eis tragfähig, so die Stadtverwaltung Stralsund. Allerdings gebe die Stadtverwaltung grundsätzlich keine Eisflächen frei – aus Haftungsgründen, so der Rostocker Stadtsprecher Ulrich Kunze.