Reisen nach Deutschland sollen drastisch eingeschränkt werden – das fordert Kanzlerin Angela Merkel. Im Kampf gegen die Ausbreitung von Coronavirus-Mutationen prüft die Bundesregierung auch eine Reduzierung des Flugverkehrs nahezu auf null. Das sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer der „Bild“.

Die Kanzlerin habe sich am Wochenende in einer internen Videokonferenz mit Fraktionschefs auch die Auslandsreisen vieler Deutscher kritisiert. „Weihnachten sind 50.000 auf die Kanaren und die Malediven geflogen“, soll sie gesagt haben. Und: „Warum können wir diese Reisen nicht verbieten?“ 

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Flugverkehr soll eingeschränkt werden – aber kein Reiseverbot

Doch in der heutigen Unionsfraktions-Sitzung soll Merkel beschwichtigt haben. Nach Informationen von „n-tv“ habe sie gesagt: „Niemand will einen Reisestillstand – oder was ich da schon wieder lese –, sondern wir wollen lediglich, dass durch Reisetätigkeit nicht zu viele Mutationen zu uns kommen.“ Insgesamt sei Deutschland auf einem guten Weg.

Seehofer sagte gegenüber der „Bild“, die Gefährdung durch die Virus-Varianten verlange nach „drastischen Maßnahmen“. Dazu gehörten „deutlich schärfere Grenzkontrollen, besonders an den Grenzen zu Hochrisikogebieten, aber auch die Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland auf nahezu null, so wie Israel das derzeit auch macht“.

Sorge bereiten der Bundesregierung auch, dass immer wieder Menschen und Unternehmen gegen Corona-Regeln verstoßen. Die Bundespolizei registriere immer wieder Verstöße gegen die Quarantäne-Pflicht, und an einem einzigen Tag hätten 16 Airlines 250-mal gegen die Einreisebestimmungen verstoßen, also beispielsweise gegen die Testpflicht für Einreisen aus Risikogebieten.

Reiseverband warnt vor weiteren Einschränkungen

Ter Deutsche Reiseverband DRV warnte vor weiteren Einschränkungen gewarnt. „Reisen finden de facto kaum noch statt. Dies sollte auch die Bundesregierung zur Kenntnis nehmen“, teilte der Verband am Dienstag mit. Schon jetzt seien touristische Trips durch staatliche Entscheidungen fast vollständig zum Erliegen gekommen, auch der Geschäftsreisesektor liege völlig am Boden. „Wir brauchen daher keine weitere Stigmatisierung des Reisens, sondern eine sachliche Debatte“, mahnte der DRV.

Die Bundesregierung sollte ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Impfstrategie ausrichten, die im internationalen Vergleich dramatische Defizite aufweise.