Der internationale Flugverkehr steckt aufgrund der Corona-Pandemie in einer tiefen Krise. Wegen der Reisebeschränkungen ist die Zahl der Passagiere im Jahr 2020 weltweit um 60 Prozent zurückgegangen. Zuletzt waren 2013 so wenige Menschen geflogen, berichtet das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND).

Berechnungen der Welttourismusorganisation (UNWTO) zufolge könnte es noch zweieinhalb bis vier Jahre dauern, bis die Reisebranche wieder das Niveau von 2019 erreicht hat – für Hoffnung auf eine schnellere Besserung sorgen bei Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften und Urlaubern die Corona-Impfungen.

Tui rechnet beispielsweise mit einem Tourismusboom im Sommer. Die Lufthansa will in diesem Jahr bis zu 50 Prozent aller Flüge wieder anbieten, und andere Fluggesellschaften, wie Ryanair, Easyjet und Wizz Air sprechen sogar von 73 Prozent und mehr. Reisende müssen jedoch auch im Jahr 2021 einige Besonderheiten beachten. 

Darf ich nur noch mit Impfung ins Flugzeug?

Eine Impfpflicht soll es in Deutschland zwar nicht geben. Dagegen hat sich die Bundesregierung schon zu Beginn des Impfstarts ausgesprochen. Allerdings können Airlines, Reedereien und Hotels aufgrund der Vertragsfreiheit frei wählen, mit wem sie einen Vertrag schließen – und mit wem nicht. Dementsprechend wäre es ihnen auch möglich, ihre Dienstleistungen nur noch geimpften Personen anzubieten. So hat die Fluggesellschaft Qantas als erste Airline die Corona-Impfpflicht für Flugreisende angekündigt

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Die Lufthansa hingegen rechnet bei Interkontinentalflügen mit mehreren Phasen, wenn der Flugbetrieb wieder Fahrt aufnimmt. Der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr könnte sich vorstellen, dass Schnelltests den Start bilden. In der darauffolgenden Phase können die Fluggäste wählen, ob sie einen negativen Corona-Test oder einen Impfnachweis bereitstellen wollen, und sobald die Weltbevölkerung eine ausreichende Immunität aufweist, wird wohl zum Fliegen mit der Lufthansa kein Nachweis mehr nötig sein.

Eine App könnte als digitaler Reisepass das alles erleichtern: „Grundsätzlich wird der Internationale Luftverkehrsverband (IATA) auf einen digitalen Reisepass setzen, in dem Corona-Tests sowie ein Impfnachweis gespeichert werden können. Eine entsprechende App hierfür wird derzeit entwickelt. Das Ziel der Luftverkehrsbranche ist es, eine Quarantänepflicht überflüssig sein zu lassen. Ob dies durch negative Tests allein, oder nur durch eine Impfpflicht ermöglicht werden kann, wird sich zeigen“, sagt Tom van Bokhoven, Geschäftsführer des Fluggastrechte-Spezialisten Flug-verspaetet.de.

Unabhängig davon könnten andere Länder ab diesem Jahr einen Impfnachweis bei der Einreise verlangen. Für Weltenbummler ist das längst nichts Neues. Schon heute gibt es in einigen Ländern Pflichtimpfungen, etwa gegen Gelbfieber.

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Positiver Corona-Test oder keine Impfung: Was passiert mit dem Flug?

Ein Corona-Schnelltest liefert je nach Hersteller ein Ergebnis mit einer Zuverlässigkeit zwischen 88,24 Prozent und 100 Prozent. Was also, wenn der Test kurz vor dem Flug positiv ausfällt? Oder die Airline eine Impfpflicht einführt? In beiden Fällen haben Reisende kein Recht auf Rückerstattung für ihre Flüge. Daher gilt es, vor der Buchung die Buchungsbedingungen der Airline genau durchzulesen.

Die meisten Airlines bieten allerdings aufgrund der Corona-Pandemie flexible Buchungsbedingungen an. So können Passagiere, die nicht mehr verreisen wollen, unter anderem einen Gutschein für einen späteren Flug bei der Fluggesellschaft erhalten. Sollte ein Flug aber aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus, wie zum Beispiel infolge eingetretener Reisebeschränkungen, annulliert werden, haben Passagiere das Recht auf eine vollständige Rückerstattung ihrer Ticketkosten. 

Wo ist in diesem Jahr ein Urlaub möglich?

Fernreisen werden dieses Jahr wohl eine eher untergeordnete Rolle spielen. Wie bereits im vergangenen Jahr müssen Reisende mit plötzlich auftretenden oder wegfallenden Reisebeschränkungen rechnen. „Die fehlende Planbarkeit wird vermutlich zu einem Anstieg in kurzfristigen Buchungen führen“, sagt van Bokhoven. Somit sei davon auszugehen, dass es wohl vor allem für Kurz- und Mittelstrecken im europäischen Ausland ein gestiegenes Angebot geben wird – ähnlich wie 2020, als Spanien und Griechenland zu den am häufigsten besuchten Ländern gehörten. Und auch Urlaub im eigenen Land wird wohl weiterhin beliebt bleiben.

Reisen 2021: Werden Flüge dieses Jahr teurer?

Einige Anbieter rechnen damit, dass mit Impfungen die Reiselust schneller zurückkehren könnte, als Flugzeuge an Flughäfen stationiert werden könnten. Das könnte für einen Preisanstieg bei den Tickets sorgen. Doch Ryanair hat bereits für das Jahr 2021 bekannt gegeben, das Angebot der Fluggesellschaft dieses Jahr stark ausbauen zu wollen, um mit günstigen Tickets den Reiseverkehr wieder anzukurbeln. 

Dafür kontaktiert die Airline diverse Flughäfen und hofft auf gute Konditionen. Die Taktik scheint aufzugehen: Laut Flug-verspaetet.de reagieren die meisten europäischen Flughäfen derzeit erleichtert, wenn mehr Flugzeuge stationiert werden sollen. „Ryanair ist der Ansicht, dass eine Rückkehr zu einem Niveau des Luftverkehrs wie vor der Krise nur durch eine aggressive Preispolitik möglich ist. Durch den Ausbau ihres Angebots könnte die Fluglinie dadurch tatsächlich einen Preiskrieg auslösen und Passagiere können mit günstigeren Tickets rechnen“, so van Bokhoven. 

Schon jetzt wirbt die Airline mit zehn Prozent Rabatt auf mehr als 500.000 Sitze in Flugzeugen im Sommer. Zudem versuche Ryanair, Buchungszahlen durch flexible Buchungsbedingungen anzukurbeln.