Spieglein, Spieglein, an der Wand, … welches ist das schönste Dorf im Land? Diese Frage in Spanien zu beantworten ist schier unmöglich. Daher hat die Vereinigung „Los Pueblos más Bonitos de España“ (deutsch: Die schönsten Dörfer Spaniens) auch ganz einfach eine lange Liste erstellt, auf der nun schon 104 der schönsten Dörfer stehen. Fest steht damit: Wer auf seiner Reise durch das Land nur Städte wie Barcelona, Madrid oder Bilbao besucht, hat einiges verpasst.

Neu hinzugekommen sind Anfang 2021 elf Örtchen. Was diese auszeichnet? Wir verraten es dir: 

Karte: Die schönsten Dörfer und Städte Spaniens

1. Beget, Girona

Beget ist nicht klein, Beget ist winzig. Gerade einmal 20 registrierte Einwohner hat das Dorf in Girona in der Nähe der Grenze zu Andorra. Das Örtchen ist schwer zugänglich und bietet Besuchern eine Reise in die Vergangenheit. Sie können dort beispielsweise eine mittelalterliche Brücke überqueren, die über den Fluss Llierca führt. Außerdem ist der Ort ein toller Ausgangspunkt für Wander- oder Radtouren.

Die Römische Kirche von Beget, einem der schönsten Dörfer Spaniens.

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2. Molinaseca, León

Wer den Jakobsweg gelaufen ist, kennt Molinaseco, denn Pilgerer kommen an dem Ort in der Provinz Léon vorbei. Er strahlt mittelalterliches Flair aus. Zu besichtigen sind hier wappengeschmückte Herrenhäuser entland der Calle Real, eine Barockkapelle, die neoklassizistische Pfarrkirche San Nicolás sowie die Römische Brücke über den Río Meruelo. Diese weist darauf hin, dass Molinaseco bereits in frühen Zeiten geschichtliche Bedeutung als Durchgangsort hatte.

Molinaseca ist ein kleiner Ort am Jakobsweg in Léon.

3. Agulo, La Gomera

Das ursprüngliche Dorf Agulo ist die kleinste der sechs Gemeinden der Kanareninsel La Gomera. Von Einheimischen wird der Ort auch als „grüner Balkon“ bezeichnet. Er besteht aus zwei Teilen: Agulo Casco befindet sich in der tiefer gelegenen Region, von einem natürlichen Amphitheater umgeben. Oberhalb, auf einer Höhe von etwa 250 Metern, befindet sich der Ortskern Agulo. Die geschlossene Siedlungsform Agulos ist einzigartig. Geheimtipp-Liebhaber werden hier fündig: Der Tourismus beschränkt sich auf Tagesausflügler und wenige Gästezimmer.

Agulo ist ein Dorf auf der kanarischen Insel La Gomera.

4. Baños de la Encina, Jaén

Auf nach Südspanien, genauer nach Andalusien: Denn dort befindet sich das schöne Dorf Baños de la Encina mit gut 2500 Einwohnern. Der Ortskern wurde vom Kulturministerium als „Conjunto histórico-artístico“, als geschichtlich beziehungsweise künstlerisch bedeutendes Ensemble an Bauwerken, ausgezeichnet. 

Der Ort befindet sich im Nordwesten der schier endlosen Olivenbaumplantagen der Provinz Jaén. In Baños de la Encina selbst können Touristen zum Beispiel das Castillo de Burgalimar besichtigen – es gilt als eine er ältesten, zumindest in Teilen noch erhaltenen Burgen Europas.

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Blick auf Baños de la Encina, ein Dorf in der Provinz Jaén.

5. Genalguacil, Málaga

Nur noch 410 Einwohner hat Genalduacil in der Provinz Málaga. Charakteristisch sind die weiß getünchten Gebäude der Stadt, die an einem Hang in den bewaldeten Bergen der Serranía de Ronda gebaut wurden.

Das Dorf Genalguacil befindet sich in den Bergen Málagas.

6. Nuevo Baztán, Madrid

Nuevo Baztán befindet sich im iberischen Hochland auf etwa 830 Metern Höhe. Der Ort wurde als Modellstadt von König Karl II. als Handwerks- und Manufakturstadt geplant, die Arbeiten begannen 1709. Hauptattraktion sind der Palacio de Goyeneche und die Kirche San Francisco Javier im Ortskern. 

7. Valverde de la Vera, Cáceres

Straßen mit Bewässerungsgräben, kleine Plätze mit Säulengängen und mit Balkonen ausgestattete Häuser aus Stein, Lehmstein und Holz: Valverde de la Vera ist etwas ganz Besonderes.

Der Grundriss dieser Kleinstadt ist kreuzförmig. Die Gebäude, fast alles zwei- bis dreistöckige Fachwerkhäuser, wurden entlang der Hauptstraße und an vier Kreuzungen beziehungsweise Plätzen errichtet, der Plaza de España, der Plaza de la Fuente de los Cuatro Caños, dem Kirchplatz und der Plaza del Rollo.

Durch alle Straßen verlaufen Acequias – das sind Kanäle, mit denen Regenwasser aufgefangen und auf die Felder geleitet wird. Der Ort wurde am 31. Dezember 1970 per königlichem Dekret unter Denkmalschutz gestellt, nun zählt er auch zu den schönsten Dörfern Spaniens. 

8. Roncal, Navarra

Roncal ist eine Gemeinde in den Pyrenäen von Navarra. Sie zeichnet sich durch ihre Y-förmigen Kopfsteinpflasterstraßen aus, die zu einem Spaziergang einladen. Das Dorf erstreckt sich auf beiden Seiten des Flusses Esca nahe der Grenze zu Huesca.

9. Bulnes, Asturien

In Bulnes wohnen nicht viele Menschen – bei der Zählung im Jahr 2014 waren es gerade einmal 42. Das Örtchen finden Touristen im Nationalpark Picos de Europa auf einer Höhe von 625 Metern. Ganz besonders: Der Ort in den Bergen verfügt über keine Straßenanbindung, seit dem Jahr 2001 verbindet eine 2227 Meter lange Standseilbahn in einem in den Fels gehauenen Tunnel die Siedlung mit einer Talstation am Río Cares.

Die Häuser sind fast alle aus Bruchsteinen errichtet, ebenso die kleine Pfarrkiche San Martín. Der Ort ist ein toller Ausgangspunkt für Wanderungen.

Das kleine Örtchen Bulnes befindet sich mitten im Nationalpark Picos de Europa.

10. Cudillero, Asturien

Weiße Häuser mit roten Dächern finden Touristen in Cudillero, einem Ort direkt am Kantabrischen Meer. Erste Besiedlungen gab es bereits in der Steinzeit. Wer vor Ort nur Bahnhof versteht, nicht wundern: In der Gemeinde wird ein völlig eigenständiger Dialekt, Pixueto, gesprochen. Der Ort ist eine Station samt Pilgerherberge am Jakobsweg Camino de la Costa.

Cudillero ist eines der schönsten Dörfer Spaniens, es befindet sich in der Provinz Asturien.

11. Garachico, Teneriffa

Wer auf Teneriffa ist, sollte einen Ausflug nach Garachico machen. Must-do, wenn du im Herbst oder Frühling vor Ort bist: ein Bad im natürlichen Meeresschwimmbecken, das vom stärkeren Wellengang geformt wird. Einen Besuch wert ist auch das Castillo, die Burg von Garachico, an der Küste.

Besuche während des Teneriffa-Urlaubs auch Garachico!

Der Ort musste nach einem Vulkanausbruch neu aufgebaut werden, denn Lavaströme des Montana Negra begruben die frühere Stadt, nur das ehemalige Stadttor blieb übrig.

So werden die schönsten Dörfer Spaniens ausgewählt

Um zum Club der „schönsten Dörfer“ zu gehören, muss ein Ort mehrere Kriterien erfüllen: Er muss eindrucksvoll in die Natur eingebettet sein, ein historisches oder architektonisches Erbe vorweisen können und dieses auch pflegen sowie (am Ende geht’s ja meist nie ohne Kohle) einen Beitrag von 600 Euro an eine Fachleute-Kommission zahlen.

Meist befinden sich die Örtchen abseits der normalen Touristenstrecken, sind also echte Geheimtipps für Reisende. Die Dörfer leiden häufig unter der Landflucht, schrumpfen also, damit steigt das Risiko für Verfall und Verwahrlosung. 

Spanien ist nicht das einzige Land mit so einem Programm. Die Idee stammt aus Frankreich, dort gibt es seit 1982 den Verein „Les Plus Beaux Villages de France“. Auch Italien und Belgien ahmten das Prinzip nach – und seit dem Jahr  2011 auch Spanien.