Tausende Pioniere zog es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Wilden Westen, um dort nach Gold, Silber und Kupfer zu graben. Schnell schossen Städte in die Höhe – mit Saloons, Kirchen, Banken und Brauereien. Doch nachdem der Goldrausch verflogen war, wurde es still in den Orten. Viele sind heute Lost Places, mitten in der trockenen Wüste Arizonas. 

Touristen können sich aber auf die Spuren der Goldgräber begeben und die ehemals florierenden Städte entdecken. Wir stellen dir einige von Arizonas zahlreichen Ghost Towns vor, die zum Teil für Touristen wieder zum Leben erweckt wurden.

Goldfield/Pinal County

Drei Saloons, eine Pension, ein Gemischtwarenladen, eine Post, eine Schmiede, eine Brauerei, ein Fleischer und ein Schulhaus: Über all das verfügte der 1893 gegründete Goldgräberort Goldfield bereits binnen kürzester Zeit. Die Mammoth-Mine bescherte der Stadt, die 40 Meilen östlich von Phoenix nahe den Superstition Mountains liegt, damals etwa 5000 Einwohner.

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Doch dann versiegte die Golderzader. Die Bergleute verließen Goldfield, die Stadt begann fünf Jahre nach ihrer Gründung „einen langsamen, schmerzhaften Tod“ zu sterben, wie es heißt.

In Goldfield wurden viele der historischen Gebäude restauriert. Eine Tour lohnt sich.

Ab 1910 erwachte die Stadt – jetzt Youngberg genannt – noch einmal zum Leben, als im Umkreis neue Minen entstanden. Nach der Schließung der letzten Minen 1926 wurde der Ort zu einem Ghost Town. Ab den Sechzigerjahren wurden einige historische Gebäude restauriert, später weitere im Stil der Zeit errichtet. Touristen können die einstige Goldstadt bei einer 20-minütigen Schmalspurbahntour umrunden, die historische Mine und ein Museum besuchen, Gold waschen und bei einer nächtlichen Ghost Town’s Walking Tour die Legenden, Geister und Flüche kennenlernen, die sich um Goldfield ranken.

Tombstone/Cochise County

Im Süden von Arizona finden Reisende 110 Kilometer von Tucson entfernt die Wüstenstadt Tombstone. Ähnlich wie Jerome galt sie einst als eine sogenannte Boomtown – sie wurde 1879 gegründet, als vor Ort Silbervorkommen abgebaut wurden, und hatte in ihrer Blütezeit ebenfalls um die 15.000 Bewohner – heute nur noch ein Zehntel davon.

In Tombstone herrschte seinerzeit ein rauer Umgangston: 1881 kam es hier zu einem Feuergefecht, das heute als die Schießerei am O.K. Corral bekannt ist – binnen 30 Sekunden sollen unzählige Schüsse gefallen und drei Menschen gestorben sein.

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Tombstone im Süden von Arizona ist eines der bekanntesten Ghost Towns der USA.

Heute ist der Old Tombstone Western Theme Park eine Touristenattraktion, in der historische und nach historischem Vorbild errichtete Holzgebäude nebeneinanderstehen und Wildwestatmosphäre verbreiten. Einwohner von Tombstone spielen für ihre Besucher regelmäßig die berühmte Schießszene nach.

Auch rund um Tombstone gibt es zahlreiche Geister- und Mördergeschichten. Wer will, kann sich bei einer geführten „Ghost and Murder Tour“ die 13 wichtigsten „haunted places“ in Tombstone zeigen lassen.

Jerome/Yavapai County

Etwa 120 Kilometer nordwestlich von Phoenix liegt im Yavapai County der Ort Jerome. Die einstige Bergbaustadt – hier wurde im 19. Jahrhundert in großem Stil Kupfer abgebaut – hat heute um die 450 Einwohner. Das war aber nicht immer so: Denn die Stadt, die um 1929 herum 15.000 Einwohner hatte und dank des florierenden Glücksspiels, der Prostitution und etlicher Morde als „böseste Stadt im Westen“ galt, drohte in den Fünfzigerjahren auszusterben, als mit der Phelps Dodge Mine die letzte Kupfermine schloss. Nur etwa 50 Menschen sollen in Jerome geblieben sein.

Bis heute zeugen historische Gebäude von diesen Zeiten. Schnell machten sich Gerüchte breit, dass der eine oder andere, der einst in Jerome sein Leben ließ, dort nun spuke. In den Sechzigern und Siebzigern entdeckten Hippies, Biker und Künstler den Ort, siedelten sich an und belebten den Geistermythos für Touristen neu.

Die verlassene Stadt Jerome kannst du bei verschiedenen Touren erkunden.

Heute können Reisende neben historischen Führungen auch eine Haunted Tour buchen und sich auf die Suche nach den Geistern von einstigen Einwohnern wie Jennie Bauters, Ann Hopkins und Sammie Dean machen.

Ruby/Santa Cruz County

Wer eine echte Geisterstadt besuchen will, findet mit Ruby eine der besterhaltenen in Arizona. Schon die Fahrt dorthin wird als kleines Abenteuer beschrieben: Der Weg führt über die teilweise unbefestigte Ruby Road durch das abgelegene Buenos Aires National Wildlife Refuge, ein Wildschutzgebiet. Sechs Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt stehen in einer von schroffen Bergen, halbtrockenen Wüsten, Gräsern, Mesquite- und Eichenbäumen geprägten Landschaft die Reste von Ruby.

Ruby nahe Tucson ist nicht besonders touristisch – ein Abstecher in die verlassene Stadt und zu den zahlreichen Hinterlassenschaften der einstigen Bewohner lohnt sich aber trotzdem.

Auch Ruby war einst ein Mining Camp. Die Region verfügte über Goldvorkommen, die ab den 1870er-Jahren abgebaut wurden. Um die Jahrhundertwende galt Ruby bereits als größtes Bergbaulager der „Oro Blanco region“ – so viel wie die Weißgold-Region – und verfügte ab 1910 sogar über ein Postamt. Als die Montana-Mine 1940 ihren Betrieb einstellte, hinterließen die Bewohner ihre Häuser, ein kleines Schulgebäude, einen Einkaufsladen, Arbeitsgeräte und Gefährte, die bis heute gut erhalten sind. Touristische Führungen gibt es in Ruby nicht, Proviant sollte mitgebracht werden.