Behutsam schüttet ein Mönch bernsteinfarbenen Tee in kleine Schalen, die auf schwarzen Untersetzern stehen. „Der Tee ist gut gegen Bronchitis“, sagt Charlie. Es handele sich um traditionelle koreanische Medizin, an die hier immer noch genauso viele Menschen glauben wie an die neueren chemischen Produkte.

Charlie heißt eigentlich Byeong-Cheol Gang. Wie viele Einwohner des Landes, die mit Besuchern in Kontakt treten, hat sich der Reiseleiter einen international klingenden Namen ausgesucht. Sein Deutsch ist hervorragend. Das mag am Studium in Regensburg liegen, das er nach der Flucht vor der koreanischen Militärdiktatur in den 80er-Jahren absolvierte. Anschließend kehrte er zurück in ein geteiltes, im Süden aber oberflächlich befriedetes Land. Nun ist er an einigen Tagen eben Touristenführer, sonst arbeitet er in der Lebensmittelzertifizierung.

Touristenführer Byeong-Cheol Gang, kurz Charlie, berichtet auch im Freiluftmuseum in Seoul von der Geschichte des Landes.

Südkorea will sich keine Fehler erlauben

Lange galt der Boom Südkoreas als fragwürdig – binnen weniger Jahre stampfte die Regierung Millionenstädte aus dem Boden, viele hinterfragten Sicherheitsstandards. Die Befürchtung damals: Korea wüchse schneller, als das Land es verkraftet. Zu viel Neues im Alten? Heutzutage wird versucht, alles bestmöglich zu kontrollieren. Man will sich keine Fehler erlauben.

Charlie hat die Gruppe aus der Hauptstadt Seoul herausgeführt in den Norden der Provinz Chungcheongbuk-do, etwa eineinhalb Busfahrstunden entfernt. Im Nationalpark Songnisan steht hier der Tempel Beopjusa. Dort lebt der Mönch, der den Tee ausschenkt – Il-O ist sein Name.

Der Tempel Beopjusa steht an den Hängen des Berges Songnisan im Songnisan-Nationalpark nördlich von Seoul.

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Touristen dürfen in Tempeln übernachten

Jeder, der möchte, kann inzwischen in einem der buddhistischen Tempel Südkoreas übernachten, zumindest in jenen, die an dem offiziellen Temple-Stay-Programm teilnehmen. Wer sich dazu entschließt, bekommt für einen überschaubaren Betrag, hier rund 50 Euro, ein Zimmer in einem der Gästehäuser. Sie sind minimalistisch eingerichtet: eine Schlafmatte, sonst nichts. Besinnung aufs Ursprüngliche.

Frühstück um 6 Uhr morgens, abends geht das Licht um 21 Uhr aus – spätestens. Man wird Teil der Gemeinschaft, muss auch deren Regeln befolgen: Ruhe beim Essen, vor den Buddhafiguren im Tempel wird sich angemessen verbeugt, die Schuhe müssen draußen bleiben. Der Mönch, der den Tee ausschenkt, ist 50 Jahre alt, sieht aber deutlich jünger aus, „weil ich zufrieden bin“, wie er vermutet. Mit Mitte 30 verließ er sein altes Leben. Wenn er heute Freunde von damals trifft, merkt er, „wir haben nicht mehr viel gemeinsam.“

Der Mönch Il-O lebt im Tempel Beopjusa nördlich von Seoul.

Der Buddhismus versteht sich als Philosophie, nicht als Religion. In der heutigen Zeit suchten mehr Menschen nach Antworten, aber weniger würden verzichten wollen, meint der 50-Jährige. Er selbst hatte damals nach etwas Neuem gesucht für sich. Und das eben hier gefunden, im Verzicht.

Millionenmetropole Seoul schläft nie

Der ist in Seoul schwerer zu bewerkstelligen. Die Zehn-Millionen-Stadt ist andauernd in Betrieb und schläft nie. In 24-Stunden-Saunas treffen sich Jugendgruppen und Geschäftsleute, die Badehäuser gehören zum Alltag wie der durch Shops und die Gassen des Studentenviertels Hongdae dröhnende K-Pop.

Die Superstars des koreanischen Pops, Gruppen wie BTS und Blackpink, sind hier omnipräsent – als Handyhüllen und Stilvorlagen. Teenager tanzen die Choreografien aus den Musikvideos in der Fußgängerzone nach. Im Caface-Café kann man sich das eigene Gesicht oder das des Lieblingsstars auf den Milchschaum des Kaffees drucken lassen. Im Hintergrund stehen die riesigen Hochhäuser, an denen nicht selten Namen der größten koreanischen Unternehmen stehen.

In den Straßen von Seoul ist immer etwas los – die Metropole in Südkorea scheint nie zu schlafen.

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Von kitschigen Kleidern bis zu köstlichem Kimchi

Auf wuseligen Märkten, wie etwa dem Gwangjang-Market, gibt es scharfes Hühnchen und billige Souvenirs, kitschige Kleider und köstlichen Kimchi – den eingelegten Kohl, der als sehr gesund gilt und zu quasi jeder Mahlzeit gehört. Neben Restaurants, Wohnhäusern, Touristenattraktionen: Überall sieht man die großen, schweren Krüge, in denen Kimchi überwintert. Kaum ein Haushalt ohne Kühlschrank nur für die pikante Beilage.

Überhaupt, das Essen: Klassische koreanische Gerichte wie das Bibimbap, eine heiße Steinschale befüllt mit allerlei Gemüse und oft etwas Fleisch, oder das Bulgogi also Feuerfleisch genannte, gezupfte Rind, werden immer auch mit vielen kleinen Extras gereicht: Lotus, eingelegtes Gemüse, Suppen.

So vielfältig die Speisen, so unübersichtlich kommt Seoul-Besuchern oft zuerst vor. Wer lieber etwas ruhiger beginnen will, macht sich auf zum Gyeongbokgung-Palace, dem Palast, und lässt sich dort von der Wachablösung unterhalten.

Der Gyeongbokgung-Palace in Seoul wurde ursprünglich 1395 gebaut. In seiner Geschichte wurde er aber mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Zuletzt wurde er 1990 rekonstruiert.

Viele der asiatischen Touristinnen tragen dazu die traditionelle koreanische Tracht, Hanbok genannt. War sie früher feierlichen Anlässen vorbehalten und aus feinsten Materialien produziert, gibt es heute billige Polyestervariationen in den umliegenden Geschäften günstig zu kaufen und zu mieten. Sie sind vor allem Accessoire für Instagram-Erinnerungen, ein bisschen Traditionskarneval.

Regierung fördert handwerkliche Traditionen

Unweit des Palasts befindet sich das Atelier Kum Bak Yeon, geführt in der fünften Generation von Gi-ho Kim und Partnerin Soo-young Park. Gelegen ist es im Stadtteil Bukchon, wo Seoul noch sehr ursprünglich ist: kleine Häuschen, aber auch hohe Zäune – das Norddorf, wie Bukchon übersetzt heißt, ist aufgrund seiner klassischen Schönheit ein Touristenmagnet, an jeder Ecke finden sich Warnungen. Bitte ruhig verhalten, nicht über Absperrungen fotografieren, abends nach Hause gehen. Hier leben eben Menschen.

Kim produziert hochwertige Stoffwaren, auf die er mit Holz Gold druckt. Die Technik wurde vom Land zum nationalen Kulturerbe erklärt. Noch heute zahlen reiche Familien teilweise Millionen Won, die Landeswährung, um zu besonderen Anlässen eine der edlen Roben zu tragen. Die alten Handwerkskünste werden in Südkorea noch immer geschätzt. Trotzdem leben viele Handwerker hauptsächlich von dem monatlichen Geld, das das Land denjenigen zahlt, deren Kunst als so bedeutsam gilt, dass sie bewahrt gehört.

Gi-ho Kim (vorn) mit Partnerin Soo-young Park in seinem Atelier. Der Südkoreaner produziert Stoffwaren mit Holzdruck.

Reislikör soll belebende Wirkung haben

Eine ganz andere Tradition bewahrt Kim Dan-A in Busan. Die Frau betreibt eine kleine Kochschule, wobei es hier nicht nur ums Essen, sondern vor allem ums Trinken geht. In der Hafenstadt produziert sie Makgeolli, einen Reislikör, der mit Hefe angesetzt wird und dem eine belebende Wirkung zugeschrieben wird. Eine Tradition, die wie vieles in Südkorea in die Moderne gehoben werden soll. Der alte Drink als neuer Genuss. Zudem sitzt sie im Vorstand des Start-up-Verbandes. „Neue Ideen müssen unterstützt werden, nur so verliert ein Land nicht den Anschluss“, sagt sie.

Kim Dan-A zeigt in der Hafenstadt Busan, wie der Reislikör Makgeolli produziert wird.


Als Meisterin ihres Fachs zeigt sie sich selbstbewusst, ihre Variante sei die beste Busans, sie werde auch hohen Politikern gereicht, wenn die zu Besuch kommen. Kim ist der Ausdruck koreanischer Gastfreundlichkeit. Ihr Großvater war Vorsteher eines kleinen Dorfes, hatte entsprechend häufig Gäste. „Ich habe meiner Oma geholfen und viel gekocht.“

Fischmarkt von Busan ist landesweit bekannt

Dass es sie es mit dieser Leidenschaft nach Busan verschlug, das passt. Der Fischmarkt ist landesweit bekannt, an viele der Stände ist gleich ein kleines Restaurant angeschlossen. In der wuseligen, fußgängerfreundlichen Innenstadt nahe dem Bahnhof finden sich viele Streetfood-Stände.

Das Angebot auf dem Markt von Busan ist so vielfältig wie exotisch.


Fast vergisst man, dass man sich in einer 3,5-Millionen-Einwohner-Stadt befindet. Nur aus höheren Lagen sind immer wieder die riesigen Hochhäuser und die in allen Farben des Regenbogens illuminierte Gwangandaegyo-Brücke zu sehen, die auf einer Länge von 7,4 Kilometern die Stadtteile Namcheon-dong und U-don verbindet.

Nicht einmal zwei Stunden dauert die Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug zurück nach Seoul, einmal quer durchs Land. Die vielen, vielen Eindrücke verarbeitet man am besten wie Mönch Il-O. Mit einem Tee, in Ruhe. Und voller Genuss.

Tipps für deine Reise nach Südkorea

Aktuelle Situation: Das Auswärtige Amt rät wegen der fortbestehenden Einreisebeschränkungen aktuell von nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Südkorea ab. Die bisherige Regelung, dass Touristen für Aufenthalte von bis zu 90 Tagen visumfrei einreisen können, ist bis auf Weiteres ausgesetzt. Derzeit werden keine Visa für touristische Zwecke erteilt.

Beste Reisezeit: Im Sommer wird es heiß und auch schwül, im Winter friert es gelegentlich – im Großen und Ganzen ist das Klima aber vergleichbar mit Deutschland.

Unterkünfte: Zusätzlich zu den Übernachtungen in Tempeln gibt es viele weitere Möglichkeiten. In Busan ist das an einen Tempel erinnernde Hotel Commodore eine schöne, preisbewusste Wahl. Eine Übernachtung kostet meist unter 100 Euro. In Seoul bietet das Novotel Ambassador Seoul Dongdaemun Hotel nicht nur komfortable Zimmer, sondern auch ein großes koreanisch-internationales Frühstücksbüffet. Das hat seinen Preis: bis zu 200 Euro pro Nacht.

Veranstalter:Gebeco organisiert Reisen nach Süd-, aber auch Nordkorea. Rund zwei Wochen dauernde Erlebnis- und Studienreisen wie „Südkorea – das pure Leben“ mit Besuch von Märkten, einem Ginseng-Spa, Teilnahme an einem Kochkurs und Meditieren mit buddhistischen Mönchen sind mit Flug und Übernachtungen für rund 3.500 Euro buchbar.

Gut für einen Überblick: Vom 236,7 Meter hohen N Seoul Tower siehst du über ganz Seoul.

Aktivitäten: Das Korean Folk Village in der Metropolregion Seoul bietet einen Blick in die Geschichte des Landes. Schauspieler bringen Leben in die Vergangenheit. Angeschlossen ist ein Minivergnügungspark. Zur Orientierung empfiehlt es sich, den N Seoul Tower zu besuchen, der einen tollen Ausblick auf die riesige Stadt ermöglicht.

Die Reise wurde unterstützt von Gebeco und der Koreanischen Zentrale für Tourismus. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.