Wenn Hotels, Hostels, Ferienwohnungen und andere gewerbliche Übernachtungsstätten geschlossen sind, haben Reisewillige in Deutschland kaum mehr eine Möglichkeit. Mit Zelt und Wohnwagen losziehen und privat irgendwo stehen ist die eine. Private Vermittlungen wie Couchsurfing, Urlaub gegen Hand, Housesitting und Co. die andere.

Auf diesen Plattformen geht es um Urlaub fürs kleine Budget, sie boomen schon länger. Beim Couchsurfing stellen Menschen anderen Reisenden ihr Sofa kostenfrei zur Verfügung, die App hat Angebote und Gesuche weltweit. Beim House- oder Tiersitting passen Fremde auf Hab und Gut auf, während man selbst unterwegs ist.

Urlaub gegen Hand ist vor allem in den letzten Jahren bekannt geworden. Es richtet sich an jene, die nicht nur Urlaub machen wollen, sondern für kostenlose Übernachtungen dafür beispielsweise im Haushalt oder auf dem Hof mithelfen. Für jene, die eine solche Arbeit im Urlaub ausschließen, gibt es schließlich Urlaub ohne Gegenleistung.

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Berlin-Sightseeing und Ostsee-Urlaub im Lockdown – vermittelt über Couchsurfing

Auf Facebook haben entsprechende Gruppen, mit Zehn- und Hunderttausenden Mitgliedern, trotz Corona-Pandemie Hochkonjunktur. Da werden Übernachtungsplätze in Berlin, Ostfriesland oder im Allgäu gesucht. „Ich möchte gerne Berlin kennenlernen, aber ich kenne niemanden dort“, schreibt ein Nutzer. Es reiche ihm, die Stadt per Spaziergang zu erkunden. Wieder andere wollen aus Berlin weg – „weil ich gerade den Stadtkoller habe. Ostsee wäre traumhaft, aber Brandenburg würde es auch tun“, schreibt eine Frau. 

Bei Fremden übernachten, um ans Meer zu kommen oder eine Stadtbesichtigung zu machen – ist das im Lockdown überhaupt erlaubt?

Private Unterkünfte: Nicht jedes Bundesland regelt das eindeutig

Das sei nicht so einfach zu beantworten, sagt Katharina Luca vom ADAC dem reisereporter. „Es gibt keine bundesweite Antwort, denn jedes Bundesland regelt das Beherbergungsverbot in der jeweiligen Corona-Verordnung selbst.“ Und das sei, so sagen Juristen, nicht in jeder Verordnung eindeutig geregelt.

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Die Juristen des ADAC haben sich die bayerische Infektionsschutz-Verordnung genauer angeschaut. „Wir würden es so verstehen, dass es verboten ist“, sagt Luca, denn dort ist geregelt: „Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken sind untersagt.“ Zwar heißt es in der Verordnung auch, dass „gewerbliche und entgeltliche Übernachtungsangebote“ verboten seien, doch die „touristischen Zwecke“ beziehen informelle Angebote mit ein. 

Ist ein Urlaub gegen Mithilfe eine Reise zum touristischen Zweck?

Ähnlich sieht das auch der Reiserechtler Paul Degott. „Nicht überall ist klar geregelt, ob die Beherbergung zu touristischen Zwecken auch die privaten Angebote erfasst“, sagt er. Die Sinnhaftigkeit der Corona-Maßnahmen werde allerdings durch solche Angebote konterkariert.

Eindeutig geregelt sind diese privaten Angebote nur in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. In beiden Fällen wird Homesharing als eine von vielen Plattformen sogar explizit genannt. Auch die reine Überlassung eines Schlafplatzes, so Sachsen-Anhalt, ist untersagt. 

Reiserechtler: Durchsetzung der Verordnung im Privaten schwierig

In Hamburg wird man ebenfalls deutlich: Wohnraum dürfe nicht für touristische Angebote überlassen werden. In Hessen und Nordrhein-Westfalen heißt es: „Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken sind nicht erlaubt.“ Im Saarland ist zu lesen: „Die zur Verfügungstellung jeglicher Unterkünfte zu privaten touristischen Zwecken“ ist untersagt. 

Der Nachweis, sagt Degott, sei aber ohnehin schwierig. „Die Durchsetzung dieser Verordnung ist bei Hotels deutlich einfacher als bei Privatpersonen ohne öffentliche Anschrift." 

In einigen Gruppen hat man allerdings schon reagiert. In mehreren Urlaub-gegen-Hand-Gruppen auf Facebook ist zu lesen, dass aktuell keine Angebote in Lockdown-Regionen geteilt werden dürfen. So finden sich zwar Angebote und Gesuche im Ausland, nicht aber in Deutschland – oder eben erst für die Zeit nach dem Lockdown.