Knapp ein Jahr lang hatten das Vereinigte Königreich und die Europäischen Union Zeit, sich nach dem Austritt von Großbritannien am 31. Januar 2020 an die neue Situation zu gewöhnen. Denn bis Ende 2020 galt eine Übergangsphase, in der sich für Reisende, die in Großbritannien und Nordirland Urlaub machen wollten, nichts verändert hat.

Nun ist der Brexit Realität: Im Verlauf des Jahres 2021 treten neue Regelungen in Kraft. Wir erklären alles, was Reisende ab dem 1. Januar wissen müssen.

Brauche ich für meinen England-Urlaub ein Visum?

Ab dem 1. Januar ist das Vereinigte Königreich zwar ein Drittstaat, aber ein Visum für einen Aufenthalt von bis zu drei Monaten werden EU-Bürger bis auf Weiteres nicht benötigen, darüber informiert das Europäische Verbraucherzentrum.

Aktuelle Deals

Einreise mit Personalausweis ab Oktober nicht mehr möglich

Allerdings ist die Einreise mit dem Personalausweis nur noch bis 30. September 2021 gestattet, ab dem 1. Oktober 2021 benötigst du einen gültigen Reisepass.  

Wer allerdings über einen „settled“- oder „pre-settled“-Status verfügt, Grenzgänger oder ein „S2-Healthcare-Visitor“ ist, kann seinen Personalausweis auch noch bis 31. Dezember 2025 zur Einreise nutzen.

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf meinen Flug?

Die EU und das Vereinigte Königreich schließen ein Luftverkehrsabkommen ab, das die bisherigen Normen der Flugsicherheit, Luftverkehrssicherheit und des Flugverkehrsmanagements einhält sowie die relevanten EU-Verbraucherschutzanforderungen und EU-Sozialstandards. Somit ändert sich für Flüge nichts. 

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Gelten die EU-Fluggastrechte auch nach dem Brexit?

Laut den EU-Fluggastrechten stehen Flug-Passagieren bei einer Verspätung oder einem Flugausfall unter bestimmten Voraussetzungen Verpflegung, ein Hotelzimmer oder eine finanzielle Entschädigung zu.

EU-Fluggastrechte gelten für Reisen, die innerhalb der Europäischen Union, Island, Norwegen oder der Schweiz starten, und für solche von EU-Airlines, die einen Flughafen innerhalb der EU zum Ziel haben.

Das heißt im Klartext: Wer von einem deutschen Flughafen aus nach Großbritannien fliegt (oder umgekehrt), hat auch nach dem 1. Januar 2021 Anspruch auf dieselben Fluggastrechte für Flüge, die …

  • … in Großbritannien starten und in der EU landen, wenn die Airline ihren Sitz in der EU hat.
  • ... in der EU starten und in Großbritannien landen, wenn die Airline ihren Sitz in der EU hat.

Welche Fahrgastrechte gelten nach dem Brexit bei Bahnreisen?

Auch die bisherigen Bahngastrechte bleiben weiterhin für grenzüberschreitende Fahrten und für Fahrten innerhalb des Vereinigten Königreiches erhalten – das gilt auch für Reisen mit dem Eurostar und dem grenzüberschreitenden Shuttleservice von Eurotunnel. Zugreisende können demnach unter bestimmten Voraussetzungen bei einer Verspätung ab 120 Minuten 50 Prozent des Ticketpreises zurückverlangen. Bei einer Verspätung zwischen 60 und 119 Minuten sind es 25 Prozent.

Außerdem ändert sich nichts an den Busgastrechten und den Fahrgastrechten für Fährpassagiere. Bei einer Busfahrt, die annulliert wurde, können Verbraucher unter bestimmten Voraussetzungen die Erstattung des Fahrpreises verlangen und sich gegebenenfalls zum Abfahrtsort zurückbringen lassen, so das Europäische Verbraucherzentrum.

Und Fährpassagiere haben weiterhin das Recht auf eine Entschädigung in Höhe von 25 Prozent des Ticketpreises, falls die Verspätung zwei Stunden, bei einer planmäßigen Fahrtzeit zwischen vier und acht Stunden, beträgt.

Sind Pauschalreisen nach dem Brexit gegen Insolvenz geschützt?

Unabhängig vom Brexit gilt für Urlauber, deren Reise in Deutschland gebucht wurde, der Insolvenzschutz nach deutschem Recht. Wurde die Reise nur in Großbritannien angeboten, gilt britisches Recht.

Der durch die europäische Pauschalreise-Richtlinie geregelte Insolvenzschutz wurde aber ins britische Recht umgesetzt. Wer also eine Pauschalreise bei einem Reiseunternehmen mit einer UK Air Travel Organizers License (ATOL) bucht, hat weiterhin Anspruch auf den Insolvenzschutz.

Laut der britischen Regierung sind aber die meisten Buchungen, die direkt bei Fluggesellschaften vorgenommen werden, nicht vom ATOL-Schutz abgedeckt. Insolvenzgeschützt sind nur Flüge, die auch in Deutschland gebucht wurden, da dann deutsches Recht greift.

Bleibt meine Europäische Krankenversicherungskarte gültig?

Die Europäische Krankenversicherungskarte, also der Rückseite der E-Card, behält zwar für kurzzeitige Aufenthalte ihre Gültigkeit, allerdings wird es nicht mehr den gleichen umfassenden grenzüberschreitenden Schutz im Krankheitsfall geben. Es sind nur Notfallbehandlungen und Unfälle abgedeckt und unter Umständen erstatten die Krankenkassen nicht den kompletten Betrag zurück.

Daher wird der Abschluss eines zusätzlichen Reiseschutzes dringend empfohlen. So können die Kosten für die medizinische Versorgung, die Urlauber bei einem Krankheitsfall zahlen müssen, von der Versicherung zurückgefordert werden.

Gibt es nach dem Brexit wieder Roaminggebühren?

Innerhalb der EU wurden im Jahr 2017 die Roaminggebühren abgeschafft – Anrufe, SMS, surfen oder eine Whatsapp-Nachricht nach Deutschland verursachen innerhalb der EU-Staaten keine Zusatzkosten. Durch den Brexit sind die geltenden EU-Roamingvorschriften ab 1. Januar aber nicht mehr auf Großbritannien anwendbar – die Garantie für kostenloses Roaming endet.

Touristen in Großbritannien könnten somit von erhöhten Roamingkosten betroffen sein. Viele Mobilfunkanbieter haben aber Roamingverträge mit britischen Netzbetreibern, daher solltest du dich am besten bei deinem Anbieter vor einer Reise informieren.