Das ging schnell: Weil in Großbritannien und in Südafrika eine Mutation von Covid-19 aufgetaucht ist, die als bis zu 70 Prozent ansteckender gilt als die bisherige Variante, hat Deutschland Flügen aus den beiden Ländern das Landen untersagt. Zum Nachteil einiger Urlauber, die nun feststecken.

So geschehen mit Sina N. (Name von der Redaktion geändert). Sie war seit Ende November mit ihrem Mann im Urlaub in Südafrika. Sie waren auf Safari, besuchten die Pinguine bei Betty's Bay und schlemmten sich durch Kapstadt. Am 22. Dezember hätte es nach Hause gehen sollen – just an dem Tag, an dem das Landeverbot für Direktflüge begann. 

Rückreise aus Südafrika: Via Wien nach Frankfurt

Dennoch fuhren Sina N. und ihr Mann zum Flughafen – immerhin wurde ihr Flug sowohl in der App als auch bei FlightRadar noch angezeigt. Selbst am Flughafen war der Flug noch angeschrieben. „Wir haben es erst beim Check-In erfahren. Ein Mitarbeiter sagte, dass die Flüge gecancelt seien“, erzählt die Urlauberin, die in Südafrika auch soziale Projekte unterstützt, dem reisereporter.

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Also fuhr das Paar zurück in die letzte Unterkuft und stellte sich auf eine zweiwöchige Verlängerung des Urlaubs ein. Gar nicht so tragisch fände sie das, teilte sie am Abend noch in einer Südafrika-Gruppe auf Facebook mit. Pläne für Barbecue an Weihnachten wurden gemacht. Doch dann, nur kurze Zeit später, als die Koffer gerade wieder ausgepackt waren, habe sich die Lufthansa gemeldet. „Wir wurden um 17 Uhr informiert, dass wir um 23 Uhr über Wien zurückfliegen können.“

Südafrika-Urlauberin begibt sich in NRW freiwillig in Quarantäne

Sina N. sagt, dass sie mit sich gerungen hat – sollte sie zur jetzigen Zeit wirklich die Heimreise antreten? Immerhin ist es eigentlich nicht so ganz erlaubt, über Drittstaaten aus Großbritannien und Südafrika einzureisen. „Aber Lufthansa hat uns mitgeteilt, dass wir das Geld nicht zurückbekommen, wenn wir nicht fliegen“, sagt Sina N. Auf eine Anfrage des reisereporter am Mittwochabend reagierte die Lufthansa bisher nicht.

Am Dienstagabend seien die beiden von Kapstadt nach Wien, wo Flüge aus Südafrika noch landen dürfen, erzählt Sina N. Da für die Einreise nicht nachweisbar sein sollte, dass sie sich in Südafrika aufgehalten haben, hätten die beiden in Wien komplett aus- und neu wieder einchecken müssen.

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Die Flüge habe Lufthansa nicht auf ein Ticket gebucht, damit der Reiseweg nicht nachvollziehbar sei. Deshalb harrten die beiden auch fast den gesamten Mittwoch über in Wien am Flughafen aus, erst am Abend geht der Flieger gen Frankfurt. „Ich möchte nicht darüber nachdenken, ob das wirklich der richtige Weg ist...“, sagte sie dem reisereporter bei ihrem Zwischenstopp in Wien. 

Zuhause wartet nun immerhin der Sohn des Paares, und Nachbarn haben bereits eingekauft und den Kühlschrank gefüllt – obwohl Sina N. und ihr Mann nicht einmal in Quarantäne müssten, da sie in Nordrhein-Westfalen leben. „Wir gehen aber auf jeden Fall in Quarantäne, das war für uns direkt klar. Zusammen mit unserem Sohn, dann können wir wenigstens Weihnachten feiern“, sagt sie. Da man sich über Weihnachten und Silvester ja ohnehin nicht mit anderen Menschen treffen sollte, „ist das kein Problem“.

Deutscher Botschafter: Aufenthalt in Südafrika muss wohl verlängert werden

In verschiedenen Südafrika-Reise-Foren auf Facebook tauschen sich Betroffene nun aus. Während einige über Zwischenstopps in Europa, Namibia, Kenia oder Nahost gen Deutschland aufbrechen wollen, haben andere sich mit der unfreiwilligen, aber nicht ungeliebten Verlängerung des Urlaubs auseinander gesetzt. 

In einem Landsleutebrief schrieb der deutsche Botschafter Martin Schäfer an die Deutschen, die sich derzeit zum Urlaub, auf Geschäftsreise oder zum Verwandtschaftsbesuch in Südafrika aufhalten. „Sollten Sie einen Rückflug in der Zeit bis zum 6. Januar gebucht oder geplant haben, nehmen Sie bitte Kontakt mit Ihrer Fluggesellschaft auf. Möglicherweise wird Ihnen, so fürchte ich, nichts anderes übrigbleiben, als Ihren Aufenthalt in Südafrika etwas zu verlängern.“ Er stellte in Aussicht, dass trotz vorläufigem Verbot bereits an Silvester die ersten Flugzeuge aus Südafrika gen Deutschland abheben könnten. 

Homeschooling in Südafrika – zwischen Pool, Golf und Tennis

Urlauberin Melissa Blume, die mit ihrer Familie im vergangenen Jahr ein Ferienhaus bei Kapstadt gekauft hat, nimmt es sportlich – sie hat gar nichts dagegen, dass der Urlaub verlängert wird. Während ihr Mann und ihr Sohn Anfang Januar nach Deutschland zurück müssen, weil die Betriebsferien ihrer Firma mit 140 Mitarbeitern enden, bleibt sie mit ihrer Schwiegertochter und den Enkeln direkt bis Mitte Januar in Südafrika.

„Über ein anderes Land zu fliegen, war nie eine Option für uns. Kurze Wege bedeuten ein geringere Infektionsrisiken“, sagt sie dem reisereporter. Eigentlich wollte die Familie am 30. Dezember zurückfliegen, um mit negativem Test die Corona-Quarantäne zu verkürzen und am 5. Januar wieder ins Büro zu können. „Wir haben problemlos umbuchen können“, sagt Melissa Blume.

Während ihr Sohn und ihr Mann nun versuchen, am 2. Januar auszureisen und Sitzplätze reserviert haben, bleiben die beiden Frauen und die Enkel im Alter von zwei und sieben Jahren bis 11. Januar in Südafrika. „Homeschooling zwischen Pool, Tennis, Golf und bei wunderschönem Wetter ist gut für die Seele“, sagt sie.