Zwischen Trøndelag im Zentrum Norwegens und der Finnmark im Norden des Landes stoßen Urlauber immer wieder auf Spuren der Ureinwohner. Die Samen sind stolz auf ihr Erbe – und wenn auch keiner von ihnen heute ein völlig traditionelles Leben mehr führt, bieten sie viele Möglichkeiten, Einblick in ihre Kultur zu bekommen.

Samische Museen und Museumsdörfer

Die ursprüngliche Herkunft der Samen ist bis heute nicht genau geklärt. Mehrere Museen und Museumsdörfer widmen sich ihrer Geschichte. Wer Leben, Religion und Kunsthandwerk – Duodji genannt – der Sámi rund um den Varangerfjord kennenlernen will, kann in der nordöstlichen Provinz Troms og Finnmark das Várjjat Sámi Musea besuchen. Das Hauptgebäude erinnert an samische Hausbauweisen, die Ausstellung arbeitet außer mit Exponaten auch mit Ton- und Lichteffekten, um das Leben der Menschen von ihrer Ankunft in der Gegend bis heute anschaulich zu machen. Teil der Schau ist der Mortensnes-Kulturpark mit steinzeitlichen Siedlungsfunden.

Wer in der mittelnorwegischen Provinz Trøndelag unterwegs ist, findet in Snåsa das Südsamische Museum. Besucher können dort unter anderem in einer Gamma, also einer traditionellen Schlammhütte, Platz nehmen.

Im Südsamischen Museum in Snåsa kannst du zum Beispiel in einer typischen Schlammhütte wie dieser Platz nehmen.

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Eine samische Farm aus dem Jahr 1850 finden Interessierte im Nord-Troms-Museum im Ort Kåfjord. Die Bauernhäuser, Ställe und Scheunen der Holmenes Sea Sámi Farm illustrieren das Leben einer Sámi-Familie im Jahr 1930. Einmal jährlich organisiert das Museum im Juli einen Markttag mit traditionellen Handwerksvorführungen und typischen Gerichten.

Sami Culture Experiences

Das Rentier ist ein wichtiger Teil der samischen Kultur – zahlreiche Samen lebten von seiner Haltung. Rens dienten als Schlitten-Zugtiere, waren aber vor allem wichtiger Rohstofflieferant. Das Fleisch wurde verzehrt, Felle und Häute zu Kleidung und Schuhen verarbeitet. Aus den Geweihen entstanden Werkzeuge und Kunstwerke. Auch heute ist die Rentierzucht noch ein wichtiger Berufszweig der Samen – etwa 3000 Menschen, besonders in Nordnorwegen, verdienen damit ihren Lebensunterhalt.

Etliche Samen gewähren Touristen Einblicke in ihren Alltag: Bei Angeboten wie dem Sámi-Camp auf der Halbinsel Lyngen können Interessierte die Hirten und ihre Rentiere auf der Sommerweide unterhalb der Lyngenalpen besuchen, die Tiere füttern und das Lassowerfen üben. Bei einer Portion Rentiereintopf – dem Bidos – im Lavvu-Zelt berichten die Hirten aus ihrem Leben und tragen Joik-Jodelgesang vor.

In ihrem traditionellen Zelt, dem Lavvu, servieren samische Hirten dir bei einer Culture Experience gern eine Portion Rentiereintopf.

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Andere Anbieter, unter anderem in Tromsø, Kvalsauk und Alta, haben auch Rentier-Schlittenfahrten im Programm – wahlweise tagsüber durch die verschneite norwegische Landschaft oder auch als Abendtour mit der Hoffnung auf Nordlichter am Nachthimmel.

Samische Festivals

Noch im 20. Jahrhundert waren Teile der samischen Kultur, darunter die fünf eigenen Sprachen und Teile der traditionellen Musik, in Norwegen verboten; erst 1999 hat sich die Regierung dafür offiziell entschuldigt. Heute gibt es etliche Sámi-Festivals, zu denen Künstler und Besucher aus der ganzen Welt kommen.

Eines der bekanntesten ist das Riddu-Riđđu-Festival im nordnorwegischen Ort Kåfjord. Am Ufer des Lyngenfjords feiern im Juli bis zu 5000 Besucher fünf Tage die Samen und andere indigene Völker. Außer Konzerten gibt es Workshops, Theater, Kunst und Literatur, die Besucher können im Lavvu, dem traditionellen Hirtenzelt, am Feuer sitzen und typisch samische Gerichte kosten.

Beim Riddu Riđđu Festival im nordnorwegischen Ort Kåfjord feiern die Besucher fünf Tage lang die Samen und andere indigene Völker der Welt.

Rund um den Samen-Nationalfeiertag am 6. Februar feiert die 77.000-Einwohner-Stadt Tromsø eine samische Woche: Besucher können an Rentierrennen teilnehmen, das lange verpönte Joik – eine samische Art des Jodelns – lernen und die nationale Meisterschaft im Lassowurf verfolgen.

Ein Treffpunkt für samische Kultur ist auch das Osterfestival im südlicher gelegenen Kautokeino. Auf dem Programm stehen Konzerte und Ausstellungen, aber auch Schneemobil- und Rentierrennen.

Samisches Parlament

Das traditionelle Siedlungsgebiet der Samen wird auch Sápmi genannt. Die Kommune Karasjok in der Provinz Troms og Finnmark nahe der finnischen Grenze wird auch gern als das „Herz von Sápmi“ bezeichnet – mehr als 90 Prozent der 2900 Einwohner sprechen Samisch, die Rentierhaltung ist hier ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Etwa 60.000 Rentiere sind in der Umgebung von Karasjok beheimatet.

So verwundert es nicht, dass die kleine Stadt nicht nur der Sitz eines samischsprachigen Regionalsenders des norwegischen Rundfunks ist, sondern auch des autonomen Parlaments der Samen. Seit 1989 dürfen die norwegischen Samen eigene Vertreter wählen, die sich ausschließlich mit ihren Belangen beschäftigen.

Ein Teil des samischen Parlamentsgebäudes in Karasjok im norwegischen Lappland hat die Form eines traditionellen Lavvu-Zeltes.

Seit dem Jahr 2000 kommt das Parlament – Sámediggi oder auch Sametinget genannt – in einem markanten Parlamentsgebäude zusammen, das in seiner Erscheinung eine weitere Würdigung der Samenkultur ist: Ein Teil des halbrunden Gebäudekomplexes an der Avjovargeaidnu 50 in Karasjok hat die Form eines Lavvu-Zelts. Die traditionelle Unterkunft der samischen Hirten gilt als das Symbol der nordischen Nomadenkultur. Besucher können das Gebäude besichtigen. Von Montag bis Freitag gibt es Führungen auf Samisch, Norwegisch und Englisch.