Bis zum 6. Januar 2021 gilt ein Einreisestopp für Reisende aus Großbritannien und Südafrika, bis dahin dürfen Bahn-, Bus-, Schiffs- und Flugunternehmen praktisch keine Passagiere nach Deutschland befördern. Eine Ausnahme soll erst ab dem 1. Januar für Menschen mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in Deutschland gelten, wenn die Verbindung vorher genehmigt wird.

In der Konsequenz heißt das: Menschen aus Deutschland, die sich gerade in Großbritannien oder Südafrika befinden, stecken wohl erst mal fest. Während es für Reisende aus Südafrika noch mehr alternative Rückreisemöglichkeiten über andere Länder geben dürfte, ist das Vereinigte Königreich aktuell weitgehend vom Rest Europas abgeschottet.

Welche Rechte haben Reisende vor Ort? Und was bedeuten die Maßnahmen für Menschen, die bald eine Reise nach Großbritannien oder Südafrika antreten wollten? Hier kommt der Überblick:

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Wer kommt für die Unterbringung auf?

Wer nun aufgrund eines Flugausfalls – oder weil keine Züge und Fähren mehr fahren – in England festsitzt, muss vermutlich länger als geplant in einem Hotel unterkommen. Für Flüge aus Großbritannien gilt aktuell noch die EU-Fluggastrechteverordnung. Dasselbe gilt für Flüge aus Südafrika, sofern sie von EU-Airlines durchgeführt werden. Nach der Verordnung muss die jeweilige Fluggesellschaft Betreuungsleistungen erbringen, bis die betroffenen Passagiere einen Ersatzflug nehmen können. Das schließt neben der Unterbringung in einem Hotel zum Beispiel auch Verpflegung mit ein.

Wer aktuell in Südafrika festsitzt und eine Pauschalreise gebucht hat, aber nicht mit einer EU-Airline fliegt, kann mit einem Ersatzflug rechnen, der von dem Reiseveranstalter organisiert und gezahlt wird. Das Hotel muss allerdings nur bis zu drei Tage weiter gezahlt werden. Wenn auch dann noch kein Rückflug ansteht, müssen Reisende gegebenenfalls selbst in die Tasche greifen.

Bei einer Zugreise ist übrigens das Bahnunternehmen dazu verpflichtet, im Falle eines Zwangsaufenthaltes die notwendigen Kosten bis zur Ersatzbeförderung zu übernehmen.

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Gibt es eine Rückholaktion?

Bislang plant die Bundesregierung keine Rückholaktion für gestrandete Deutsche in Großbritannien und Südafrika. Das Auswärtige Amt rät den Menschen vor Ort, zunächst auszuharren und die Situation weiter zu verfolgen. Aktuell sieht es so aus, als könnten ab dem 1. Januar wieder Rückreisen durchgeführt werden. Diese müssen die Transportunternehmen aber vorher anmelden.

„Unsere Auslandsvertretungen im Vereinigten Königreich und in Südafrika stehen auch über die Feiertage bereit, um deutschen Staatsangehörigen in konkreten Notlagen konsularische Unterstützung zu leisten“, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Das gelte unabhängig von den verhängten Reisebeschränkungen.

„Art und Umfang der konsularischen Hilfe richten sich dabei wie üblich danach, was im Einzelfall möglich und erforderlich ist. Die Bandbreite kann von allgemeiner Beratung bis hin zu konkreter praktischer Unterstützung reichen, beispielsweise bei der Suche nach einer vorübergehenden Unterkunft. Betroffene sollten sich direkt mit der jeweils zuständigen Auslandsvertretung in Verbindung setzen.“

Erhalten Reisende Geld zurück?

Wenn Flüge oder Züge ausfallen, hat jeder ein Recht auf Rückerstattung, egal ob der Transport Teil einer Pauschalreise ist oder nicht. Das berichtet die „Süddeutsche“.

Falls der Ersatzflug übrigens teurer ist als der ursprüngliche, sind die meisten Reisenden ebenfalls abgedeckt: Bei Pauschalreisen muss dafür der Veranstalter aufkommen, nach EU-Fluggastrecht die Fluggesellschaft. Auf den Kosten sitzen bleiben könnten allerdings Individualreisende in Südafrika, die ihren Flug nicht bei einer EU-Airline gebucht haben.

Können Großbritannien- und Südafrika-Reisen jetzt gratis storniert werden?

Wie sieht es eigentlich aus für Menschen, die erst in den kommenden Tagen eine Reise nach Großbritannien oder Südafrika angetreten wären? Können die Reisen nun kostenlos storniert werden? Gerade Südafrika ist bei Deutschen ein beliebtes Reiseziel im Winter, um Sonne zu tanken.

Die gute Nachricht: Wenn für ein Reiseziel nach der Buchung eine Reisewarnung ausgesprochen wird, können Pauschalreise-Kunden in der Regel wegen außergewöhnlicher Umstände kostenfrei vom Vertrag zurücktreten. Dasselbe gilt bei Einreisesperren.

Individualreisende müssen dagegen im Zweifel auf die Kulanz des Hotels hoffen. Wenn zwar Flüge ausfallen, aber man beispielsweise noch mit dem Zug anreisen könnte, könnten Hoteliers damit argumentieren, dass Anreise und Unterkunft möglich seien. Gilt allerdings ein Einreisestopp, müssen Hotelkosten – zumindest nach deutschem Recht – erstattet werden.