Wettrennen mit Kamelen, Gras mähen, Couscous zubereiten und saunieren – das sind nur einige der Dinge, die es in diesem Jahr zum Status „Immaterielles Kulturerbe der Menschheit“ geschafft haben. Denn die Unesco hat kürzlich die diesjährigen Neuzugänge bekannt gegeben.

Aber was ist das Immaterielle Kulturerbe überhaupt? Dazu zählen der Unesco zufolge „lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken“. Dass diese Kulturformen erhalten, geschützt und dokumentiert werden, unterstützt die Unesco seit 2003.

Klingt trocken und verstaubt? Ist es aber nicht! Wie abwechslungsreich das Immaterielle Kulturerbe sein kann, verraten wir dir hier. Und das beste: Wenn du in die entsprechenden Länder reist, kannst du diese Traditionen hautnah miterleben! Sieben spannende Neuzugänge stellen wir dir ausführlich vor, die weiteren sind ganz unten für dich aufgelistet.

Laternen-Festival Yeondeunghoe – Südkorea

Mit einem Festival voller bunter Lichter, Laternenumzüge, Spiele und Events wird immer am achten Tag des vierten Mondmonats der Geburtstag von Buddha gefeiert. Jetzt gehört das koreanische Festival mit dem Namen „Yeondeunghoe“ zum Immateriellen Weltkulturerbe. Die Tradition geht bis auf das Jahr 866 zurück und soll dem Wunsch nach Weisheit, Barmherzigkeit, Glück und Frieden Ausdruck verleihen. Und es sieht außerdem verdammt schön aus:

„Das Festival spielt eine Schlüsselfunktion darin, die Gesellschaft zusammen zu bringen, und ist eine Zeit der Freude, in der soziale Grenzen kurzzeitig überwunden werden“, schreibt die Unesco dazu. 2021 findet das Festival im Mai statt.

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Kamelrennen – Oman

Darf’s etwas mehr Action sein? Bei den Kamelrennen in den Vereinigten Arabischen Emiraten jagen die Tiere mit bis zu 64 Stundenkilometern durch den warmen Wüstensand. Die Unesco stuft die Kamelrennen sowohl als „soziale Praktik“ als auch als „festliches Erbe“ ein.

Bei den Rennen treten meist 15 bis 20 Kamele gegeneinander an, die Extra für die Wettkämpfe gezüchtet werden. Die besondere Bedeutung bei den Bedouinen gehe vor allem auf die wichtige Rolle von Kamelen für das Leben in der Wüste zurück, so die Unesco.

Tai Chi – China

Wesentlich entspannter geht’s beim Tai Chi – oder „Taijiquan“ – zu. Die Sportart ist vor allem für ruhige, fließende Bewegungen bekannt, und hat längst auch hierzulande Anhänger gefunden. Theoretisch musst du also nicht mal nach China reisen, um in den wohltuenden Genuss dieser meditativen Bewegungsform zu kommen. So richtig authentisch wird’s aber natürlich erst im Ursprungsland.

Tai Chi ist Mitte des 17. Jahrhunderts in der Provinz Henan im Herzen Chinas entstanden, und hat sich dann schnell im Rest des Landes verbreitet. Es vereint Einflüsse des Daoismus, Konfuzianismus und der traditionellen chinesischen Heilkunde, deshalb spielen nicht nur die Bewegungen, sondern auch die Verbindung zum Atem und ein rechtschaffender, neutraler Geist eine große Rolle.

Saunakultur – Finnland

Einfach mal ’ne Runde schwitzen – in Finnland zählt Saunieren fast schon zum Nationalsport. Ursprünglich galt die Sauna in Finnland als heiliger Ort, als „Kirche der Natur“, so die Unesco. Das Ritual reinige nicht nur den Körper, sondern auch den Geist, und schenke ein Gefühl von innerem Frieden. Dabei gebe es viele verschiedene Formen und Ansätze der Saunakultur, die von meist innerhalb der Familie weitergegeben würden.

Eine Kopfbedeckung gehört bei den meisten Finnen zur Grundausstattung beim Saunieren. (Symbolfoto)

Mit der Saunakultur ist Finnland neu auf der Liste des Immateriellen Weltkulturerbes vertreten. Auch Malta, Paraguay und Singapur sind 2020 neu hinzugekommen. Insgesamt umfasst die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit mittlerweile Elemente von insgesamt 131 Ländern.

Wettmähen von Kupres – Bosnien und Herzegowina

Das Mähen von Hand ist eine Jahrhunderte alte Tradition in der Region Kupres. Jedes Jahr im Juli greifen die Teilnehmer zu ihren handgefertigten Sensen, um zu schauen, wer am schnellsten Mähen kann. Das Event lockt jährlich Tausende Besucher – jetzt ist es Teil des Immateriellen Kulturerbes.

Traditionell handele es sich bei den Teilnehmern um Männer ab 18 Jahren, erklärt die Unesco. Die Väter bringen die Technik ihren Söhnen bei. Bei dem Wettbewerb werden sie nach der Schnelligkeit, Anstrengung und gemähter Menge beurteilt. „In dieser Höhe Grass zu schneiden erfordert Stärke und eine spezielle Technik“.

Couscous-Zubereitung – Algerien, Mauretanien, Marokko und Tunesien

Zwischendurch gibt’s was für den Magen: Beim Immateriellen Kulturerbe spielt auch traditionelles Essen eine Rolle. In diesem Jahr ist in dieser Kategorie unter anderem die Couscous-Zubereitung in Algerien, Mauretanien, Marokko und Tunesien hinzugekommen. Damit ist der Neuzugang auch ein Beispiel für den Erhalt von Kulturtechniken über Landesgrenzen hinweg.

„Die Zubereitung von Couscous ist ein zeremonieller Prozess, in den verschieden Arbeitsabläufe und bestimmte Werkzeuge involviert sind“, so die Unesco. Durch die Beigabe von verschiedenem Gemüse und Fleisch je nach Region, Jahreszeit und Anlass strotze das Gericht nur so vor Symbolik, Bedeutungen und sozialen sowie kulturellen Dimensionen. Und es ist vor allem: richtig lecker.

Handgemachter Christbaumschmuck aus Glasperlen – Tschechien

’Tis the season. Kurz vor Weihnachten muss natürlich auch dieses festliche Kulturerbe erwähnt werden: Die Herstellung traditionellen Christbaumschmucks aus Glas in Handarbeit in Tschechien. Traditionell mit dem Riesen- und Isergebirge verwurzelt, wird das Handwerk von Generation zu Generation und Familie zu Familie weitervererbt.

In Tschechien hat handgemachter und -bemalter Baumschmuck eine lange Tradition.

Schon in alten Volksmärchen über Krakonoš, den legendären Herrscher über die Berge, spielt die Herstellung des Christbaumschmucks eine Rolle. Ein schönes Mitbringsel, um Weihnachten zu Hause den eigenen Tannenbaum damit zu schmücken.

Weitere Neuzugänge des immateriellen Weltkulturerbes 2020

Dringend erhaltungsbedürftiges Immaterielles Weltkulturerbe:

  • Ägypten: Handweberei in Oberägypten
  • Kolumbien: Pasto Varnish – Traditionelles Wissen und Techniken rund um den Mopa-Mopa-Baum in Putumayo und Nariño
  • Namibia: Aixan – Überlieferte musikalische Klangkenntnisse und -fähigkeiten

Repräsentative List des Immateriellen Kulturerbe der Menschheit:

  • Argentinien: Chamamé-Tanzstil
  • Aserbaidschan: Nar Bayrami – Kultur und traditionelle Festlichkeiten um den Granatapfel
  • Aserbaidschan, Iran, Türkei, Usbekistan: Miniaturkunst
  • China, Malaysia: Ong Chun: Zeremonie, Rituale und Praktiken zur Aufrechterhaltung der nachhaltigen Verbindung zwischen Mensch und Ozean
  • Frankreich, Belgien, Luxemburg, Italien: Das Hornspiel in Verbindung mit Gesang, Atemkontrolle, Vibrato, Ortsresonanz und Geselligkeit
  • Indonesien, Malaysia: Pantun-Gedichtform
  • Iran, Armenien: Wallfahrt zum Apostelkloster St. Thaddäus
  • Italien, Frankreich: Glasperlen-Kunst
  • Japan: Traditionelle Holzarchitektur
  • Kasachstan, Kirgisistan, Türkei: Traditionelles Intelligenz- und Strategiespiel: Togyzqumalaq, Toguz Korgool, Mangala / Göçürme
  • Malawi, Simbabwe: Herstellung und Spiel der Mbira / Sansi
  • Malta: Sauerteigfladen
  • Paraguay: Ahnentrunk der Guaraní in Paraguay: Praktiken und Wissen um Terere in der Pohã-Ñana-Kultur
  • Polen, Belarus: Zeidlerei
  • Sambia: Budima-Tanz
  • Saudi-Arabien, Kuwait: Traditionelle Weberei von Al Sadu
  • Schweiz, Frankreich: Uhrmacherkunst und Kunstmechanik
  • Serbien: Handrad-Töpferei im Dorf Zlakusa
  • Singapur: Hawker-Kultur – Gemeinschaftliches Essen und kulinarische Praktiken in einem multikulturellen urbanen Kontext
  • Spanien: Los Caballos del Vino – Fest der Weinpferde
  • Tunesien: Charfia-Fischen auf den Kerkenna-Inseln
  • Vereinigte Arabische Emirate: Al Aflaj – Traditionelles Bewässerungssystem sowie mündliche Überlieferungen, Wissen und Fähigkeiten zum Bau, zur Wartung und zur gerechten Wasserverteilung