Die Entdeckung einer neuen Coronavirus-Mutation in Großbritannien und Südafrika sorgt für immense Auswirkungen in der Reisewelt. Die Variante soll etwa 70 Prozent ansteckender sein als die bisher bekannte. In London gilt deshalb wieder ein Shutdown, um die Verbreitung der neuen Variante einzudämmen.

Die sogenannte Shutdown-Stufe Tier 4 sieht vor, dass die Menschen in den betroffenen Gebieten nur noch für die Arbeit reisen dürfen. Premierminister Boris Johnson fordert die Menschen in ganz Großbritannien aber auf, aktuell auf internationale Reisen zu verzichten.

Corona-Mutation: Die Auswirkungen aufs Reisen

Andere Länder wollen nun außerdem die Ausbreitung der Mutation außerhalb des Vereinigten Königreichs verhindern. So haben die Niederlande als erstes Land ein Verbot für Flüge aus Großbritannien ausgesprochen. Und weitere Länder in Europa folgten.

Was du über die Reise-Auswirkungen der Mutation wissen musst, erfährst du in diesem Überblick.

Deutschland: Landeverbot für Flüge aus Großbritannien und Südafrika

Deutschland schränkt den Flugverkehr von und nach Großbritannien sowie Südafrika ein. „Als Vorsichtsmaßnahme ist die Beförderung von Passagieren im Flug-, Schiffs- und Bahnverkehr aus dem Vereinigten Königreich und aus Südafrika nach Deutschland ab Mitternacht untersagt“, twitterte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montagabend. Die Maßnahme soll vorerst bis zum 6. Januar gelten.

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An etlichen Flughäfen in Deutschland wurden bereits am Sonntagabend und in der Nacht ankommende Reisende aus Großbritannien gestoppt. Sie mussten einen Corona-Test machen lassen und durften den Flughafen erst mit einem negativen Testergebnis verlassen.

NRW hat derweil die Quarantäne-Verordnung für Reisende aus Großbritannien und Südafrika wieder in Kraft gesetzt. Das teilte Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntagabend in der „Aktuellen Stunde“ im „WDR“ mit.

Keine Fähren und Züge ab Großbritannien

Wer statt mit dem Flugzeug nun per Fähre oder Bahn aus Großbritannien ausreisen will, wird nicht weit kommen: Der Fährterminal in Dover ist bereits geschlossen, der Eurotunnel gesperrt. Dadurch können auch keine Autos mehr zwischen Großbritannien und dem Kontinent verkehren. Wie der französische „Le Figaro“ berichtet, habe am Sonntagabend der letzte Eurostar nach London die Stadt Paris verlassen.

Wann wieder Fähren in Dover an- und ablegen, ist noch unklar. Der Fährterminal sei „bis auf Weiteres gesperrt“, teilte der Port of Dover via Twitter mit. In den Niederlanden dürfen keine Passagiere von Fähren aus Großbritannien mehr von Bord gehen.

Effektiv wurde die Verbindung zu Großbritannien also von etlichen Ländern in Europa gekappt. Wie lange der Reisestopp andauern wird, ist noch völlig unklar. Während einige Länder für vorerst 24 beziehungsweise 48 Stunden die Flugverbindungen pausieren, gilt der Flugstopp in Deutschland und in den Niederlanden bis Jahresende, in Bulgarien sogar bis Ende Januar.

Bei der Dauer der Reisebeschränkungen wird wohl vor allem eine Rolle spielen, wie schnell neue Erkenntnisse über die Variante gewonnen werden können und ob die aktuell rapide Ausbreitung in London und Südostengland schnell unter Kontrolle gebracht wird.

Das müssen Reiserückkehrer aus Großbritannien und Südafrika beachten

Wer es schafft, trotz der Flugausfälle und Reisebeschränkungen aus Großbritannien und Südafrika einzureisen, oder sich in den vergangenen zehn Tagen vor Einreise im Vereinigten Königreich und Nordirland oder in Südafrika aufgehalten hat, muss seit heute Einiges beachten:

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  • Bei Einreise muss ein Nachweis eines negativen Corona-Testergebnisses in digitaler oder Papierform vorgezeigt werden. Der Test darf maximal 48 Stunden vor Einreise durchgeführt worden sein. Alternativ ist ein Coronatest bei der Einreise in Deutschland möglich.
  • Außerdem gilt nach wie vor die Quarantäne-Regel des jeweiligen Bundeslandes.

Die Rückreise für gestrandete Deutsche in Großbritannien und Südafrika dürfte sich allerdings als ziemlich schwierig gestalten. Bis zum 6. Januar gilt ein Beförderungsverbot für Reisende aus Großbritannien, Nordirland und Südafrika im Bahn-, Bus-, Schiffs- und Flugverkehr. So steht es in der entsprechenden Verordnung vom 21. Dezember.

Ab frühestens 1. Januar 2021 dürfen die Transportunternehmen wieder Menschen mit Aufenthaltsrecht und Wohnsitz in Deutschland befördern, wenn die Verbindung vorher genehmigt wird.

Reisebeschränkungen und Flugverbote in anderen EU-Ländern

Belgien hat ebenfalls angekündigt, die Flugverbindungen von und nach Großbritannien vorerst zu kappen. Das gilt auch für den Zugverkehr zwischen der Insel und Belgien. Das Verbot trat am Montag um 0 Uhr in Kraft und galt für vorerst 24 Stunden.

Bulgarien hat bislang den längsten Flugstopp eingeführt: Bis Ende Januar soll es keine Flüge mehr von und nach Großbritannien geben, berichtet der „Spiegel“.

Ab dem 21. Dezember um 10 Uhr dürfen in Dänemark keine Passagierflugzeuge aus Großbritannien landen – am 25. Dezember werde es aufgehoben. Das twitterte der Bürgerservice des dänischen Außenministeriums am späten Mittwochabend.

Bis mindestens Ende des Jahres ist der Flugverkehr zwischen Großbritannien und Estland ausgesetzt.

Finnland schränkt Reisen aus England bis zum 4. Januar ein.

In Frankreich gilt seit dem 21. Dezember für ebenfalls vorerst 48 Stunden ein Einreiseverbot für Reisende aus Großbritannien.

In Griechenland müssen Reiserückkehrer aus Großbritannien seit Montag für sieben Tage in Quarantäne.

Der italienische Außenminister Luigi Di Maio verkündete am Sonntag auf Facebook, dass auch Italien Flüge aus Großbritannien streicht. Es sei die Priorität der Regierung, Italien und seine Bewohner zu schützen.

Seit dem 20. Dezember um 23 Uhr ist der Flugverkehr von Großbritannien nach Kroatien eingeschränkt. Zunächst galt das für 48 Stunden, die Chance ist allerdings hoch, dass die Regelung verlängert wird, berichtet die „Sun“.

Lettland hat bis mindestens 1. Januar alle Reisen von und nach Großbritannien eingestellt.

Auch Litauen will alle Flüge aus Großbritannien canceln.

In Luxemburggalt am Montag für vorerst 24 Stunden ein Flugverbot. Es gibt noch kein Update darüber, ob das verlängert werden soll.

Am Montag und Dienstag dürfen keine Flüge aus der UK in Irland landen, so „CNN“.

Die Niederlande haben am frühen Sonntag als Erste ein Flugverbot für Verbindungen von und nach Großbritannien ausgesprochen. Es gilt bereits seit 6 Uhr und noch bis mindestens 1. Januar.

In Norwegen müssen Reisende aus Großbritannien bis voraussichtlich 10. Januar zwei Corona-Tests machen: Einen direkt nach der Einreise und einen frühestens am siebten Tag nach Einreise. Weiterhin gilt eine Quarantänepflicht. Seit Montagmorgen sind außerdem alle Direktflüge aus Großbritannien ausgesetzt. Das gilt für vorerst 48 Stunden, kann aber verlängert werden.

Österreich kündigte am Sonntag ebenfalls ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien an. Es soll ab Dienstag bis einschließlich 1. Januar gelten, berichtet der „Standard“.

Zwischen Großbritannien und Polen wurde der Flugverkehr ausgesetzt, bis wann steht aktuell noch nicht fest.

Nach Portugal dürfen von Großbritannien nur noch portugiesische Staatsangehörige mit einem negativen Coronatest fliegen.

In Rumänien gilt seit 19 Uhr am 21. Dezember ein Flugverbot für Verbindungen von und nach Großbritannien für mindestens 14 Tage.

Auch in Schweden dürfen seit Mitternacht keine Flüge aus Großbritannien mehr landen, das Flugverbot gilt für vorerst einen Monat. Zudem hat das Land die Grenze zu Dänemark geschlossen. Seit Dienstag und für voraussichtlich bis zum 21. Januar 2021 dürfen von dort keine Menschen mehr nach Schweden einreisen. Ausgenommen sind etwa Dänen, die in Schweden wohnen oder arbeiten, sowie schwedische Staatsangehörige.

Die Schweiz hat seit Mitternacht alle Flugverbindungen nach Großbritannien und Südafrika eingestellt. Die Regelung gilt dort „bis auf Weiteres“.

Ab heute gilt ein Einreiseverbot für Reisende aus Großbritannien in Spanien. Ausgenommen sind spanische Staatsangehörige und Menschen mit Wohnsitz in Spanien. Außerdem sollen die Grenzkontrollen in Gibraltar verstärkt werden.

Auch in Tschechien gibt es ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien, das bis auf Weiteres gilt.

Israel und Saudi-Arabien riegeln sich ab

Gleich den kompletten internationalen Flugverkehr verbannen Israel und Saudi-Arabien. Auch die Einreise über Land- und Seewege wird gestoppt. In Saudi-Arabien gilt das vorerst für eine Woche, in Israel zunächst für zehn Tage. Israelis müssen nach der Einreise in Quarantäne.

Weitere Länder mit Einreisebeschränkungen für Reisende aus Großbritannien

Folgende Länder außerhab Europas haben ebenfalls Einreisebeschränkungen oder Flugverbote für Passagiere aus Großbritannien eingeführt:

  • Argentinien
  • Chile
  • Ecuador
  • El Salvador
  • Hongkong
  • Indien
  • Iran
  • Jordanien
  • Kanada
  • Kolumbien
  • Kuwait
  • Marokko
  • Oman
  • Pakistan
  • Peru
  • Russland
  • Tunesien
  • Türkei