Weihnachten, das ist das Fest der Liebe und der Familie: Alljährlich kommen Großfamilien zusammen, um gemeinsam bei Geschenken, Plätzchen und Weihnachtsliedern Zeit zu verbringen. Doch wie ist das eigentlich bei Weltreisenden? Feiern sie Weihnachten – und dann eher auf die traditionelle deutsche Art oder angepasst an das Land, in dem sie gerade sind?

Der reisereporter hat bei einigen Weltenbummlern nachgefragt und erfahren, wie Langzeitreisende in Thailand, Namibia, Guatemala und in den USA feiern.

Josi, Olaf und Lola Bernstein: Heiligabend am Lagerfeuer in Thailand

Josi und Olaf Bernstein (31) leben mit ihrer Tochter Lola seit einiger Zeit in Pai im Norden von Thailand. So richtig Weihnachtsstimmung kommt nicht auf – zum einen wären da Temperaturen um 30 Grad, zum anderen ist Thailand buddhistisch geprägt.

„Das christliche Fest hat hier kaum Bedeutung, das sieht man schon daran, dass bunte Weihnachtsdeko das ganze Jahr über in den Schaufenstern gelassen wird – weil die Leute es einfach schön finden und nichts damit verbinden“, erzählt Josi Bernstein dem reisereporter. Skurril jedoch sei es, wenn der Weihnachtsmann mit dickem roten Mantel und  weißem Bart auf einem Fahrrad durch die Stadt fahre und Geschenke verteile, „dazu trägt er eine Sonnenbrille, es ist ja heiß“, so die 32-Jährige.

In Pai in Thailand kommt der Weihnachtsmann mit dem Fahrrad, um Geschenke zu bringen.

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Weihnachten steht vor allem bei den Langzeitreisenden und Ausgewanderten hoch im Kurs, so gab es an Lolas Schule einen Weihnachtsmarkt, und an Heiligabend ist eine Weihnachtsfeier am Lagerfeuer geplant. „Das ist schon etwas ungewohnt für uns Deutsche, aber besinnlich und schön ist es jedes Jahr“, sagt Josi. Und da Thailand aufgrund des strengen Vorgehens gegen die Corona-Pandemie derzeit nicht von Covid-19 betroffen ist, kann auch ausgelassener gefeiert werden.

Nachdem am 24. Dezember im großen Rahmen gefeiert wird, genießt die kleine Familie am ersten Weihnachtstag gemeinsame Zeit mit einem Weihnachtsbaum aus Bambusstäben und Plätzchen. „Wir feiern also deutsch und international – nur das Wetter ist thailändisch“, scherzt Josi.

Anders als in den vergangenen Jahren wird Weihnachten für Familie Bernstein nicht. Da sie alle schon einige Jahre in Thailand leben, sind sie über die Festtage ohnehin oft von ihren Familien in Deutschland getrennt. „Dieses Jahr würden wir sowieso nicht zusammen feiern, aus Sicherheitsgründen“, sagt Josi Bernstein. Aber wie jedes Jahr stehe ein Skype-Telefonat auf dem Programm.

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Sonja und Didi Schneider: Weihnachten bei einer Maya-Familie in Guatemala

Eigentlich sollte es im März losgehen, Jobs und Wohnungen waren gekündigt – doch dann kam Corona. Sonja und Didi Schneider starteten Ende Juni wegen der Pandemie verspätet und statt in Amerika in Europa, doch inzwischen haben sie es nach Nordamerika geschafft. „Nach vier genialen Monaten in Südosteuropa und einem kurzen Zwischenstopp in der Heimat sind wir am 28. Oktober nach Mexiko geflogen“, erzählt Sonja Schneider. 

Nach sechs Wochen in Mexiko ging es nun weiter nach Guatemala – dort werden die beiden auch Weihnachten verbringen. Und das auf die einheimische Art, denn sie sind für die Zeit bei einer Gastfamilie untergebracht. „Wir werden Weihnachten hier am Atitlansee verbringen, wir haben uns für zwei Wochen bei einer Sprachschule angemeldet und feiern in einer Maya-Familie mit drei Töchtern“, so die 37-Jährige.

Sonja Schneider feiert in diesem Jahr mit einer Maya-Familie in Guatemala Weihnachten.

Dabei kommt trotz hoher Temperaturen schon richtig Weihnachtsstimmung auf. „Das Dorf San Pedro und das Haus unserer Gastfamilie sind schon weihnachtlich geschmückt, und wir fiebern auf das Fest hin“, berichtet Sonja dem reisereporter. „Wir werden sehr traditionell mit guatemaltekischem Essen, Brauchtum und der ganzen Großfamilie feiern.“ An Heiligabend stehe zudem ein großes Feuerwerk an. 

Eine Verbindung nach Deutschland gibt es auch bei Familie Schneider nur via Telefon („klar vermissen wir unsere Familien und Freunde, aber die heutige Technik macht ja vieles möglich“) – weitere deutsche Traditionen haben die beiden nämlich nicht mit nach Guatemala gebracht. „Guatemala ist sehr katholisch, sodass vieles ähnlich ist“, sagt Sonja Schneider. Ein geschmückter Christbaum, Krippen und Weihnachtslieder gehören zum Alltag.

Zudem hätten sie sich bewusst dafür entschieden, das Fest möglichst authentisch zu erleben, „wir lernen sehr viel – nicht nur, richtig gut Spanisch zu sprechen, sondern auch über die Kultur und das Brauchtum in Guatemala und speziell über die Maya-Kultur.“

Familie Billensteiner Ott: Plätzchen backen in den USA

Seit Februar sind Mama Stephanie, Papa Pascal und die Kinder Theresa und Charlotte Billensteiner Ott gemeinsam auf Weltreise. London, Abu Dhabi, Singapur, Malaysia – wo der Corona-Lockdown sie hart traf – und schließlich die USA waren ihre Stationen bisher. Und in den Vereinigten Staaten ist die Familie immer noch, auch Weihnachten möchte sie dort verbringen. 

Familie Billensteiner Ott feiert Weihnachten in Guatemala, stilsicher mit Weihnachtspullis: Mama Stephanie mit Tochter Theresa (3). Papa Pascal mit Tochter Charlotte (6).

„Hier in Oklahoma ist es sehr weihnachtlich. Alles ist dekoriert und überall springt einem ein Weihnachtsmann entgegen. Wir freuen uns sehr auf die Feiertage“, sagt die Zweifach-Mama dem reisereporter. Und deshalb gibt es für die Familie auch keine Alternative: Weihnachten ist ein wichtiges Fest, vor allem für die drei und sechs Jahre alten Mädchen, und deshalb wird gefeiert. 

Wo und wie, das wussten die Billensteiner Otts eine Woche vor den Feiertagen noch nicht. „Wir gestalten unsere Route sehr individuell. Jetzt hat es hier auch sehr stark geschneit, und wir wollen mit dem Wohnmobil nicht auf schneebedeckten Straßen fahren“, sagte Stephanie Billensteiner Ott. Zudem könne es nachts trotz Heizung sehr kalt werden. Der Plan sieht deshalb so aus: „Wir wollen über die Weihnachtstage ein Apartment mieten, damit wir mehr Platz haben und Kekse backen und kochen können.“

Gewisse Weihnachts-Traditionen hat sich die Familie auch auf der Weltreise bewahrt. So haben Theresa und Charlotte jeweils einen Adventskalender, und ein Weihnachtswichtel und ein Adventskranz finden sich im Wohnmobil auch. Das Fest wollen die vier daher auch in einer Art Deutsch-Amerika-Mix feiern: An Heiligabend wollen sie gemütlich Filme schauen, am ersten Weihnachtstag kommt der Weihnachtsmann mit den Geschenken. „Das war für die Kinder auch gleich klar, weil er ja abends in Deutschland ist und wir weit weg von Deutschland sind – und der Weg ist ja weit“, sagt Stephanie Billensteiner Ott. 

Da sie die Familie in Deutschland zu Weihnachten wegen Corona ohnehin nicht treffen könnten, ist das Heimweh zwar da, aber nicht so schlimm. „Den Kindern fehlt die Familie schon, natürlich besonders jetzt. Aber wir telefonieren und skypen.“ Eigentlich war Weihnachten übrigens mit Familienanschluss geplant: Als die Familie im Februar aufbrach, hatte sie vor, Weihnachten in Neuseeland zu verbringen – mit einer der Omas der Kinder. „Immerhin müssen wir uns keine Gedanken machen, mit wem wir feiern können und dürfen und mit wem nicht“, scherzt Stephanie Billensteiner Ott.

Tanja und Armin Vogelsang: Barbecue an Heiligabend in Namibia

Tanja und Armin Vogelsang waren gerade auf Weltreise, als die Corona-Pandemie sie in Tansania traf. Doch nach nur wenigen Wochen in Deutschland merkten sie, dass ihr Traum noch nicht vorbei sein sollte, also flogen sie im Juli zurück nach Tansania, wo sie ihr Auto zurückgelassen hatten. Seither touren sie, fast wie geplant, mit dem Wagen durch Subsahara-Afrika mit dem Ziel Südafrika.

Aktuell ist das Paar in Namibia unterwegs. „Hier in den Städten ist überall Weihnachtsdekoration, da kommen schon ein paar weihnachtliche Gefühle auf“, erzählt die 44-Jährige, „momentan sind wir aber in der Wüste unterwegs, da vergisst man komplett, dass Weihnachten vor der Tür steht.“ 

In der Wüste von Namibia bei bis zu 40 Grad bringen sich Armin und Tanja Vogelsang in Weihnachtsstimmung.

Für das große Fest haben die beiden aber dennoch schon Pläne. In Windhuk haben sie sich mit Weihnachtsdeko und Dominosteinen eingedeckt, die Festtage wollen sie auf einer Farm in den Tirasbergen im Süden Namibias verbringen. Einen Campingplatz haben sie schon gebucht. An Heiligabend, wenn tagsüber um die 40 Grad erreicht werden, wollen sie grillen – Braai nennt man das im südafrikanischen Raum. 

Schon im vergangenen Jahr waren Tanja und Armin Vogelsang zur Weihnachtszeit auf Weltreise, damals hatten sie an Heiligabend eine Autopanne und verbrachten das Fest somit in einer Werkstatt in Äthiopien. Aber im Gegensatz zum Vorjahr ist das Heimweh dieses Mal geringer. „Normalerweise ist an Weihnachten immer Familientreffen angesagt, mit Raclette oder Fondue. Das wird es dieses Jahr ohnehin nicht geben, deshalb ist das Heimweh auch nicht so groß.“ Telefonieren wollen sie mit der Familie aber dennoch.

Eigentlich war der ursprüngliche Plan der Vogelsangs, Weihnachten 2020 in Brasilien zu verbringen. Zu diesem Zeitpunkt wollten sie es längst mit ihrem Camper nach Südafrika und von dort aus nach Südamerika geschafft haben. „Ich habe immer davon geträumt, Weihnachten in Brasilien zu verbringen, aber wir werden hier sicherlich schöne Weihnachtstage haben“, sagt die Weltenbummlerin.