Der harte Lockdown gilt bis mindestens zum 10. Januar. Viele Menschen, die nach früheren Beschlüssen ihr Silvester geplant hatten, fragen sich nun: Gibt es über SIlvester und Neujahr Ausnahmen und Lockerungen – so wie an Weihnachten? Werden sie mit Freunden feiern dürfen? Wie viele Menschen dürfen sie sehen? Und dürfen sie in andere Bundesländer fahren? Oder gar ins Ausland reisen?

Harter Lockdown: Was ist mit Reisen an Silvester?

All diese Fragen waren bereits Ende November von Bund und Ländern beantwortet worden – doch wegen der hohen Coronavirus-Neuinfektionen in Deutschland sind diese Regelungen größtenteils wieder gestrichen.

Du blickst nicht mehr durch? Wir bringen dich immer auf den Stand der aktuellen Planungen (Stand: 28. Dezember). Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Silvester im Überblick, klick dich direkt zu dem für dich wichtigen Thema:

Darf ich trotz Lockdown in Deutschland reisen?

Aktuell gilt: Reisen innerhalb Deutschlands sind grundsätzlich nicht verboten. Die Bundesregierung appelliert wegen der Pandemie jedoch an alle Menschen, auf nicht zwingend erforderliche Reisen zu verzichten, auch über die Feiertage. Das gelte insbesondere für touristische Reisen – unter anderem auch den Skiurlaub.

Wer trotzdem innerhalb Deutschlands reisen möchte, muss die Corona-Regeln des jeweiligen Bundeslandes beachten.

Darf ich in ein anderes Bundesland reisen?

Grundsätzlich dürfen Menschen in ein anderes Bundesland reisen, aber sie müssen die dort jeweils geltenden Corona-Regeln beachten. Denn wer beispielsweise in einen Corona-Hotspot reist, muss dort gegebenenfalls mit Ausgangsbeschränkungen und anderen härteren Regeln rechnen.

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Strenge Einreise-Regeln in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise gelten wegen der Pandemie strenge Einreise-Regeln, sie ist nur in Ausnahmefällen möglich. Wer dort arbeitet, einen Erst- oder Zweitwohnsitz hat, darf einreisen, nicht aber zu touristischen Zwecken. 

In dem Bundesland ist zudem nur der Besuch der Kernfamilie erlaubt, das berichtet die „Ostsee Zeitung“. Als Kernfamilie gelten Ehemann sowie Ehefrau, eingetragene Lebenspartner, Lebensgefährten, Kinder, Eltern, Geschwister, Enkel, Urenkel, Großeltern und Urgroßeltern. Bürger und Bürgerinnen können zusammen mit Ihren im selben Haushalt lebenden Ehegatten, eingetragenen Lebenspartner, Lebensgefährten und Stiefkindern einreisen.

Die folgende Karte bietet einen Überblick über die Sieben-Tage-Inzidenz in den Regionen in Deutschland.

Darf ich mit Familie oder Freunden Silvester feiern?

Grundsätzlich gilt: Die Menschen sollen möglichst zu Hause bleiben, jeden nicht notwendigen Kontakt vermeiden, im Homeoffice arbeiten sowie Reisen und Ausflüge unterlassen. Die seit dem 1. Dezember aktuell geltenden Corona-Regeln erlauben nur Treffen von Angehörigen aus zwei Haushalten – maximal aber fünf Personen. Diese Regelung gilt je nach Bundesland auch für Familien und Verwandte. Feiern in Wohnungen werden angesichts der ernsten Lage als „inakzeptabel“ bezeichnet. 

Wie viele Menschen dürfen sich an Silvester treffen?

An den Weihnachtsfeiertagen gab es Lockerungen, diese Ausnahmen gelten aber nicht für Silvester und Neujahr. An diesen Tagen sind lediglich Treffen von fünf Personen aus maximal zwei Haushalten (zuzüglich Kinder unter 14 Jahren) erlaubt.

Wie sicher ist die Reise mit der Bahn an Silvester?

Für viele Deutsche geht es an über Weihnachten, Silvester und Neujahr per Zug zur Familie. Grundsätzlich gilt das Reisen im Zug und auch im Flugzeug in der Pandemie als relativ sicher. Aber: Jeder, der das schon einmal gemacht hat, weiß, dass die Züge der Deutschen Bahn zu den Feiertagen für gewöhnlich sehr voll sind. Wie sicher wird die Anreise zu Weihnachten im Jahr 2020 sein?

Die Deutsche Bahn hält trotz des härteren Lockdowns an ihrem Fahrplan fest und will nicht weiter herunterfahren: „Die DB wird ihrer Verantwortung gerecht und will möglichst viele Sitzplätze anbieten, um die Abstände zwischen Reisenden in den Zügen groß zu halten. Deswegen fahren wir trotz des angekündigten Lockdowns unverändert das volle Programm“, heißt es auf reisereporter-Anfrage.

Die Bahn hat dafür zehn Corona-Maßnahmen vorgestellt. Unter anderem sollen auf den Hauptachsen des Reiseverkehrs – Hamburg–Berlin, NRW–Berlin und München–Zürich – zwischen dem 18. und dem 27. Dezember rund 100 Sonderzüge eingesetzt werden, dafür werden auch 15 neue Züge auf die Schiene gebracht. Dadurch sollen mit dem Wechsel zum Winter-Fahrplan 2020/2021 am 13. Dezember 2020 täglich 13.000 zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Eine Reservierungspflicht gibt es nicht, allerdings wird die Reservierbarkeit der Sitzplätze beschränkt: Nur noch 60 Prozent der Sitze im Fernverkehr sind reservierbar. So soll für mehr Platz in den Abteilen gesorgt werden, um den nötigen Abstand einhalten zu können. Wer ohne Sitzplatzreservierung einsteigt, soll die Gangplätze frei halten. 

Bei der Suche nach dem passenden Zug soll nach Angaben der Bahn auch die Auslastungsanzeige im DB-Navigator helfen. Diese zeigt an, wie voll ein Zug ist. Das Problem: Wer heute ein Ticket für einen leeren Zug im Dezember bucht, kann sich nicht darauf verlassen, dass der auch in ein paar Wochen noch halbwegs leer sein wird.

Wer also die Möglichkeit hat, sollte entweder Stoß- und Hauptreisezeiten vermeiden oder aufs Auto umsteigen. Das hat auch den Vorteil, dass die Reise spontan ohne Zusatzkosten gestrichen werden kann. Denn: Je nach Entwicklung der Corona-Neuinfektionszahlen lässt sich ein dritter (Teil-)Lockdown nicht vollständig ausschließen.

Kann ich meine Reise, das Hotel oder Bahnticket stornieren?

Urlauber haben laut Reiserechtsanwalt Paul Degott ein Recht darauf, das Geld fürs gebuchte Hotelzimmer oder Ferienhaus zurückzubekommen, wenn die Unterkunft Reisende aufgrund einer Verordnung nicht beherbergen dürfen. Das ist mit dem touristischen Übernachtungsverbot in Deutschland bis zum 10. Januar der Fall. Reisende können ihren Urlaub also kostenlos stornieren. Die Verbraucherzentrale rät, sich auf die „Unmöglichkeit der Leistung“ zu beziehen.

Auch bei Pauschalreisen bekommen Urlauber ihr Geld zurück. Reiseveranstalter können einen Gutschein anbieten, den Reisende aber nicht akzeptieren müssen. 

Kann ich mein Bahn-Ticket kostenlos stornieren?

Bahntickets können nicht ohne weiteres kostenlos storniert werden, denn die Deutsche Bahn oder etwa Konkurrent Flixbus beziehungsweise Flixtrain hat lediglich einen Beförderungsvertrag. Da sie diesen unabhänigig von dem Übernachtungsverbot erfüllen kann, gelten die jeweiligen Stornierungsbedingungen für das gebuchte Ticket. 

Da es aktuell nicht, wie im Frühjahr, spezielle Kulanzregelungen bei der Deutschen Bahn gibt, gelten die normalen Beförderungsbedingungen. Das gilt auch für die Zeit des härteren Lockdowns ab 16. Dezember – „die Stornobedingungen bleiben bestehen“, heißt es auf reisereporter-Anfrage am Sonntag. Und weiter: „Die DB wird ihrer Verantwortung gerecht und will möglichst viele Sitzplätze anbieten, um die Abstände zwischen Reisenden in den Zügen groß zu halten. Deswegen fahren wir trotz des angekündigten Lockdowns unverändert das volle Programm.“

Skiurlaub an Silvester oder im Januar: Geht das 2020?

Und wie sieht es aus in puncto wegfahren und reisen an Silvester – den Familienbesuch mal ausgenommen? Die Unsicherheit in Bezug auf die Entwicklung der Corona-Lage führt bei vielen Deutschen zu Reiseunlust, sagt Reiseforscher Jürgen Schmude: „Im Winter planen laut einer aktuellen Umfrage nur 30 Prozent überhaupt einen Urlaub.“ Unsicherheit sei der größte Grund, aktuell nicht zu reisen. „Selbst in Deutschland kommt man schnell durcheinander, was die Corona-Regeln angeht, im Ausland wächst die Verunsicherung dann noch einmal an.“

Das gilt auch für das Thema Skiurlaub, das in Europa für Diskussionen sorgte. Deutschland und Italien forderten, die Skigebiete europaweit über Weihnachten und Silvester geschlossen zu lassen. Die deutsche Bundesregierung fordert die Deutschen auf, bis zum 10. Januar auf die Fahrt in den Skiurlaub zu verzichten.

Skiurlaub in Österreich praktisch unmöglich

In Österreich wäre er auch praktisch nicht möglich, denn Kanzler Sebastian Kurz verkündete am 2. Dezember zwei harte Maßnahmen: Hotels und Gastronomie müssen bis zum 7. Januar geschlossen bleiben. Erst danach werde der Tourismus schrittweise wieder hochgefahren. Gleichzeitig verhängt das Land für alle Einreisenden aus Corona-Risikogebieten vom 7. Dezember bis zum 10. Januar eine zehntägige Quarantänepflicht.

Der Schwellenwert liege bei 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. Deutschland hat dem ECDC zufolge aktuell eine 14-Tage-Inzidenz von 393 (Stand: 28. Dezember). 

Schweiz hält an Skisaison 2020/2021 fest

Die Schweiz hingegen hält an der Skisaison fest. Auf der staatlichen Tourismushomepage lässt die Schweiz verlauten: „Die Wintersaison 2020/2021 findet in der Schweiz unter strikter Einhaltung von umfassenden Schutzkonzepten statt.“ Aber: Die Schweiz steht auf der deutschen Liste der Corona-Risikogebiete. Wer hinfährt, muss nach der Rückreise in den meisten Bundesländern in Quarantäne. Der Zeitraum der zehntägigen häuslichen Isolation ist frühestens mit einem Corona-Test am fünften Tag zu verkürzen.

Silvester in der Karibik: Fernreisen trotz Corona möglich

Fernreisen im Corona-Jahr über Silvester, und Neujahr am Strand verbringen – das klingt 2020 absurd, denkst du? Tatsächlich sind solche Fernreisen aber nach dem aktuellen Stand möglich. Deutschlands größter Reiseveranstalter Tui wirbt in seinem Blog beispielsweise mit Reisen in die Karibik, obwohl dort für einige Länder Reisewarnungen gelten. In diesem Fall hieße es für Touristen: bis zu zehn Tage Quarantäne in Deutschland nach der Rückreise. Die Zeit der Isolation kann frühestens mit einem Corona-Test an Tag fünf verkürzt werden. Im Bundesland Nordrhein-Westfalen wurde allerdings die Corona-Einreiseverordnung durch einen Gerichtsbeschluss gekippt.

Tatsächlich aber gibt es auch beliebte Winterreiseziele, für die keine Reisewarnung gilt, darunter sind aktuell die französischen Überseegebiete, Kuba, Antigua und Barbuda sowie Grenada. Sie erlauben deutschen Urlaubern die Einreise. 

Aber auch hier gilt: Die Situation entwickelt sich dynamisch – zuletzt hatten die Seychellen wieder eine Quarantänepflicht für Reisende aus Deutschland eingeführt. Grund dafür ist das Infektionsgeschehen hierzulande. Den Weihnachtsurlaub werden die Menschen daher wohl, wenn überhaupt, sehr spontan buchen.

Die Quarantäne-Regeln für Reiserückkehrer aus Risikogebieten

Wer ins Ausland reist, sollte sich bezüglich der Risikogebiete im Ausland immer auf Stand halten. Denn es gilt: Wer aus einen Corona-Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich digital registrieren und in Quarantäne. Die Zeit der Isolation beträgt grundsätzlich zehn Tage, sie kann erst mit einem Corona-Test ab dem fünften Tag verkürzt werden.

Einzige Ausnahme bildet derzeit Nordrhein-Westfalen, in dem Bundesland ist die Corona-Einreiseverordnung derzeit gerichtlich außer Kraft gesetzt. Nach Angaben von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) solle „in den nächsten Tagen“ eine neue Regelung folgen. Bis dahin besteht für Einreisende aus ausländischen Risikogebieten in NRW demnach weiterhin keine Quarantänepflicht. Darauf wird in einer Fußnote auch im gemeinsamen Bund-Länder-Beschluss hingewiesen.