Ein Lockdown jagt den nächsten, viele Länder haben noch immer die Grenzen für Urlauber dicht, und bei der Rückreise nach Deutschland droht Quarantäne – durch die Corona-Pandemie dominieren düstere Nachrichten die (Reise-)Welt. Nico Koch (22) und Krystal Brodie (21) wollen sich davon nicht aufhalten lassen. Im Januar will das deutsch-australische Paar eine gemeinsame Weltreise beginnen.

Damit wollen sie zeigen, dass es immer einen Weg gibt, um Dinge möglich zu machen. Denn nicht nur, dass sie inmitten einer globalen Pandemie ihre Zelte abbrechen und die Welt erkunden. Ihr Ziel ist es, dabei so wenig Geld wie möglich auszugeben. Die ersten Monate wollen sie durch Europa trampen – und dabei keinen einzigen Euro ausgeben. Ihre Reisekasse ist gerade mal so groß, dass sie genug Geld einplanen, um notfalls ein Flugticket nach Hause bezahlen zu können.

Nico und Krystal lernten sich beim Couchsurfen kennen

„Wir wollen zeigen, dass man für eine Weltreise nicht sein Leben lang sparen muss und erst in einem bestimmten Alter und mit einem bestimmten Kontostand aufbrechen kann“, erklärt Krystal im Gespräch mit dem reisereporter. Die 21-jährige Australierin hat ihren Heimatort bei Sydney im September 2019 verlassen, um durch die Welt zu trampen. Im August 2020 führte sie ihre Reise dann für einen kurzen Zwischenstopp nach Hamburg.

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Hier kreuzte sich ihr Weg mit dem Nicos, der sie als Cousurfing-Gastgeber bei sich zu Hause aufnahm. Aus einem Tag bei Nico wurden drei, und auch als Krystal weiter nach Schweden und Norwegen zum Arbeiten reiste, blieben die beiden in Kontakt. „Wenn man darüber nachdenkt, ist das ganz schön verrückt“, sagt Krystal und lacht. „Wir hingen jeden Tag am Telefon, manchmal sogar stundenlang.“ Schnell stellten die beiden fest, dass sie viele Gemeinsamkeiten hatten.

Denn auch Nicos Ziel ist es, die Welt zu entdecken. Irgendwann möchte er jedes Land bereist haben – aktuell ist er bei 52 von 194 Ländern. Bislang reiste er aber nur während seiner 30 Urlaubstage im Jahr, seit mehr als fünf Jahren arbeitet Nico nämlich als Festangestellter und lebt an einem festen Ort. Doch das wird sich bald ändern: Zum 1. Januar 2021 hat der 22-jährige Hamburger Job und Wohnung gekündigt, um von da an mit Krystal durch die Welt zu reisen.

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Job und Wohnung gekündigt – um mitten in der Pandemie auf Weltreise zu gehen

Diesen großen Schritt ging Nico nur einen Monat nach seinem Kennenlernen mit Krystal und bevor diese überhaupt nach Deutschland zurückgekommen war. Während ihrer Telefonate redeten sie immer wieder darüber, nur per Anhalter um die Welt zu reisen. Aus dem anfänglichen Spaß machte Nico mit seiner Entscheidung schnell Ernst – und überrumpelte Krystal damit zunächst. „Das war eine Überraschung“, verrät er.

Gemeinsame Reiseerfahrung haben die beiden aber immerhin schon: Kurz nach ihrem Kennenlernen sind sie zusammen drei Wochen durch Polen, die Slowakei, Litauen, Lettland, Estland und Zypern gereist. Dort ist Nico das erste Mal getrampt und hat im Zelt geschlafen – beides wollen die zwei während ihrer Weltreise auch tun, um möglichst wenig Geld auszugeben. Nico und Krystal plädieren nämlich dafür, beim Reisen den Horizont zu erweitern und auch auf alternative Reiseformen zu setzen.

So versorgen sie sich unterwegs durch sogenanntes Containern mit Essen – Nico und Krystal nennen es „recyclen“. In vielen Ländern ist das Fischen von Lebensmitteln aus dem Abfall der Supermärkte strafbar. Für sie sei es aber eine gute Möglichkeit, auf die Ausmaße der Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. „Wann immer wir mehr finden, als wir essen und tragen können, wollen wir die Sachen unterwegs auch an Wohnungslose und Menschen verschenken, die sie brauchen.“

„Wenn du beim Komfort zurücksteckst, wird es günstiger. Aber das heißt nicht, dass du deshalb was verpasst“, so Krystal. Nach diesem Motto reist die junge Australierin schließlich schon seit mehr als einem Jahr durch die Welt. „Ja, es kann beängstigend sein. Aber nur beim ersten Schritt. Danach geht man einfach weiter.“

Schritt für Schritt – so planen sie auch ihre Weltreise. Eine genau Route haben Nico und Krystal nicht: „Kein Plan lautet unser Plan.“ Irgendwann wollen sie in Australien ankommen und unterwegs neben Deutschland und Luxemburg unter anderem auch Griechenland, die Türkei, den Mittleren Osten und Südostasien bereisen. Auf welchem Weg genau sie sich fortbewegen werden, hängt zum Großteil von ihren Mitfahrgelegenheiten ab.

Die ersten paar Monate wollen sie in Europa verbringen – auch, weil die Einreise in einige Länder angesichts der Pandemie noch immer schwierig ist. Deshalb setzen Nico und Krystal große Hoffnungen in den Impfstoff. Mit den daraufhin möglicherweise folgenden Lockerungen könnten viele Länder ihre Grenzen wieder für Reisende öffnen.

„Wir wollen zum Reisen inspirieren und zeigen, dass jeder reisen kann“

Ansonsten versuchen sie aber, sich nicht zu viele Sorgen um die Corona-Pandemie zu machen. „Natürlich sind wir vorsichtig“, versichern die beiden. „Beim Trampen tragen wir zum Beispiel immer eine Maske. Aber hier haben wir bei der Arbeit täglich teils mit Dutzenden Leuten Kontakt. Beim Reisen und Schlafen im Zelt begegnen wir viel weniger Menschen.“ Die Reise ist für sie auch ein Weg zu zeigen, das selbst jetzt ein Stück Normalität möglich ist. „Wir wollen die Menschen dazu inspirieren, wieder zu reisen.“

Krystal: „Mir haben während meiner Reise schon so viele Menschen gesagt: ‚Ich wünschte, ich würde das auch machen!‘ Das erinnert mich jedes Mal wieder daran, wie dankbar ich für meine Lebensweise bin.“ Klar habe sie zwischendurch auch immer mal Heimweh. „Das kommt und geht. Aber ich weiß genau: Wenn ich jetzt zu Hause wäre, würde ich mir nur wünschen, stattdessen lieber unterwegs zu sein.“

Deshalb rät sie allen, die vielleicht ebenfalls mit dem Gedanken einer längeren Reise spielen: „Schreite zur Tat! Ein Traum bleibt ein Traum, bist du nicht daran arbeitest, ihn wahr werden zu lassen. Wenn du etwas wirklich willst, dann kannst du es auch erreichen.“

Eine Weltreise, die vielleicht nie endet

Apropos erreichen: Auch wenn ihr erstes großes Ziel Australien ist, soll die Reise für Nico und Krystal dort nicht enden. „Vielleicht trampen wir danach durch Afrika“, so Nico. Dass die beiden wieder sesshaft werden und längere Zeit an einem Ort bleiben, ist vorerst also nicht geplant. „Ich will mir erst mal alles ansehen, bevor ich mich für einen Wohnort entscheiden kann“, erklärt Nico. Und Krystal fühlt sich unterwegs ohnehin am wohlsten. „Ich könnte viermal um die Welt reisen!“

Wenn du das Abenteuer der beiden verfolgen willst, kannst du ihren Instagram-Kanal „Kangaroo in Lederhosen“ abonnieren.