Kaum irgendwo konnte man die Abstands- und Hygieneregeln im Corona-Jahr 2020 so gut einhalten wie in der Natur. Kein Wunder, dass der Outdoor-Tourismus boomt. Nicht nur in Deutschland, auch in Finnland zog es die Menschen in diesem Jahr besonders häufig nach draußen – und dort vor allem in die Nationalparks.

Und davon soll es schon bald noch mehr geben. Die Regierung hat jetzt zwei neue Gebiete als künftige Nationalparks vorgeschlagen: Sallatunturi nördlich des Polarkreises und Evois in den südfinnischen Wäldern.

Neuer Nationalpark Sallatunturi: Ein Winterwunderland in Lappland

Der Nationalpark Sallatunturi soll innerhalb eines bereits bestehenden Naturschutzgebietes in Lappland entstehen. Für Sommerurlauber gibt es bereits jede Menge ausgewiesene Wanderwege und im Winter Skirouten. Nördlich des Polarkreises gelegen, bietet die Region vor allem Berge und Hügel, aber zum Beispiel auch den bis zu 250 Meter tiefen Canyon Aatsinginhauta.

Sallatunturi gilt als eine der am dünnsten besiedelten Regionen in Europa. Das bedeutet: Viel Platz für (Schneeschuh-)Wanderungen, fürs Skifahren – und für die Polarlichtersuche. Ohne viele künstliche Lichtquellen kannst du das Lichterschauspiel am Himmel besonders intensiv erleben.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Insgesamt soll der Nationalpark ein rund 10.000 Hektar großes Gebiet umfassen – das entspricht in etwa der Fläche der Insel Sylt. Dort sind unter anderem mehr als 10.000 Rentiere zu Hause, wie „Travel Weekly“ berichtet.

„Der Nationalpark schenkt uns Hoffnung für die Zukunft – und das ist etwas, das wir inmitten der Coronavirus-Pandemie dringend brauchen“, sagt Erkki Parkkinen, Bürgermeister der Gemeinde Salla. Der Nationalpark soll nämlich auch den nachhaltigen Tourismus in der Region ankurbeln.

Neuer Nationalpark Evois: Zwischen Seen und alten Bäumen

Mit rund 8000 Hektar wird der Nationalpark Evois voraussichtlich etwas kleiner sein. Mit seiner Hilfe sollen einige der Wälder im Süden Finnlands besser geschützt werden. Zwischen den alten und teilweise unberührten Wäldern liegen Hügel, etliche kleine Seen und Dämme, Flüsse und historische Steinmauern.

Weil die Wälder im Süden Finnlands mit der Zeit durch die menschliche Erschließung immer verstreuter und kleiner geworden sind, soll der neue Nationalpark diesem Trend entgegenwirken und ein zusammenhängendes Waldgebiet bestehen lassen.

Corona-Pandemie entfacht Liebe zur Natur

„In diesem Jahr sind die Finnen mit neu entdeckter Begeisterung raus in die Natur gegangen“, so Umwelt- und Klimaministerin Krista Mikkonen. Gerade in Ausnahmesituationen schenke die Natur Ruhe. Entsprechend sei die Zahl der Besucher in finnischen Nationalparks zu Beginn des Jahres um bis zu 20 Prozent gestiegen.

„Die Nationalparks sind das gemeinsame Freiluftgebiet der Finnen, aber ihre Aufgabe besteht vor allem darin, die Vielfalt der Natur zu schützen und zu stärken. Wenn die Natur verarmt, brauchen wir mehr solcher Oasen. Deshalb ist es großartig, dass wir nun neue Nationalparks einrichten können.“

Der Nationalpark Sallatunturi soll ganz im Norden des Landes in Lappland nahe der russischen Grenze entstehen. Evois liegt dagegen im Süden, rund 140 Kilometer nördlich von Helsinki. 

Bis die beiden Nationalparks als solche fertiggestellt sind, wird vermutlich noch etwas Zeit vergehen. Gut sieht es aber schon jetzt für die Einrichtung des Sallatunturi-Nationalparks aus. Dafür arbeitet die Regierung bereits an einem Gesetzentwurf, der im Frühjahr 2021 dem finnischen Parlament vorgelegt werden soll.

Für den Evois-Nationalpark wurde dagegen erst mal eine Arbeitsgruppe mit Akteuren aus der Region gebildet, die die Grundvoraussetzungen prüfen und erarbeiten soll. Unter anderem sollen sie die Grenzen des neuen Nationalparks vorschlagen.

Schon jetzt haben Touristen für die nächste Finnland-Reise die Wahl zwischen 40 Nationalparks. Zuletzt wurde 2017 zum 100-jährigen Unabhängigkeitsjubiläum ein neuer Nationalpark eröffnet. Und auch ohne offiziellen Status sind Sallatunturi und Evois schon eine Reise wert – vielleicht ein Ziel für ein hoffentlich etwas entspannteres Reisejahr 2021?