Spektakuläre Felsformationen, ein einzigartiges Seensystem, die unendlich scheinende Wüste, uralte Felsmalereien, Märkte und Moscheen in der Hauptstadt N’Djamena sowie Safaris mit Elefanten, Löwen, Büffeln und Giraffen im Nationalpark– eigentlich klingt der Tschad nach einem Traumziel.

Eigentlich – wäre da nicht die schwierige jüngere Vergangenheit: Bürgerkrieg, Terroranschläge, Entführungen, Dürre, fehlende Investitionen und eine nahezu nicht vorhandene Infrastruktur. Obwohl der Tschad mehr als dreimal so groß wie Deutschland ist, gibt es nicht einmal 300 Kilometer befestigte Straßen.

Millionen-Investition in Hotels, Restaurants und Airlines

Doch nun soll es besser werden, und statt der bisher rund 100.000 Touristen pro Jahr sollen in fünf Jahren vier Millionen Touristen das Land in Zentralafrika besuchen. Das geben der Tschad und das World Tourism Forum Institute als Ziel einer mehrjährigen Kooperation und Tourismus-Offensive aus. „Dieser Deal wird neue Horizonte für den Tourismus im Tschad öffnen“, sagte Tourismusminister Patalet Geo der „Anadolu Agency“.

Der zweite Schritt: Das Welttourismusforum-Institut will laut dessen Chef Bulut Bagci die drei einzigen Fünf-Sterne-Hotels im Tschad übernehmen und dazu insgesamt rund eine Milliarde US-Dollar (rund 825 Millionen Euro) in Restaurants, Fluggesellschaften und andere touristische Infrastruktur investieren. Bisher ist der Tschad von Europa aus nur dreimal pro Woche ab Paris mit Air France erreichbar. 

Den Entwicklungsplan wird das Welttourismusforum im kommenden März bei seiner Tagung im Tschad konkretisieren. Das Welttourismusforum konzentriert sich in jedem Jahr auf ein neues Reiseziel, das gefördert werden soll, zuletzt war es das westafrikanische Angola, das als eines der ressourcenreichsten Länder der Welt gilt.

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Blick auf einen Salzwassersee mit grünen

Neun Sehenswürdigkeiten im Tschad

Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage steht der Tschad nicht bei vielen Reisenden hoch im Kurs. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen an den Tschadsee sowie in die Grenzregionen nach Kamerun, Libyen und zur Zentralafrikanischen Republik, von Reisen in alle anderen Regionen wird stark abgeraten. Doch das Land hat vielfältige Schätze zu bieten.

1. Safari im Zakouma-Nationalpark

Der Zakouma-Nationalpark ist der bekannteste Nationalpark im Tschad. Während hier in der Vergangenheit enorm gewildert wurden, hat sich der Bestand an Wildtieren in den vergangenen 30 Jahren wieder erholt. Elefanten, Giraffen, Löwen, Affen, Gnus und Büffel zählen zu der Vielzahl an wilden Tiere, die hier leben.  

Elefanten an einem Wasserloch im Zakouma-Nationalpark im Tschad.

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2. Das beeindruckende Ennedi-Massiv

Das Ennedi-Massiv nimmt rund ein Fünftel des gesamten Tschad ein und liegt im Nordosten des Landes, an den Grenzen zu Libyen und dem Sudan. Die beeindruckenden Felsformationen sind nur einer der Gründe, wieso das Ennedi-Massiv im Jahr 2016 zum Unesco Weltkultur- und Weltnaturerbe erklärt wurde. 

Schöne Felsformation im Ennedi-Massiv im Tschad.

3. Die bekannteste Wasserstelle der Sahara: Guelta d’Archei

Die Wasserstelle Guelta d’Archei gilt als berühmteste in der Sahara. Sie liegt mitten zwischen hohen Felswänden in einer Schlucht des Ennedi-Massivs und zieht Mensch wie Tier an. Dromedare und Kamele suchen hier beispielsweise Abkühlung, auch Krokodile sind hier zu finden.

Da es keine Straßen zur Wasserstelle gibt, ist die Anreise nur mit Geländewagen oder Kamel möglich, ein Fußmarsch ist zusätzlich notwendig. Da Guelta d’Archei 1000 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt N’Djamena entfernt liegt, ist mit einer Fahrzeit von vier Tagen zu rechnen.

Kamale vor einer Felsformation am Ennedi Plateau.

4. Historische Felsmalereien im Ennedi-Massiv

Tausende über das Ennedi-Massiv verteilte Felsmalereien sind der Grund, warum das Landschaftsgebiet nicht nur Natur-, sondern auch Weltkulturerbe ist. Auf der Seite der Unesco heißt es, die jahrtausendealte Kultur sei in Teilen noch immer erlebbar.

Die Felsmalereien von Ennedi gelten als eine der größten Sammlungen an Felskunst weltweit, und durch verschiedene Stile in verschiedenen Epochen ist das Leben der Menschen in den vergangenen 7000 Jahren abgebildet. Einzigartig ist, dass die Stile und Malereien aus verschiedenen Zeiten an den jeweils gleichen Stellen zu finden sind – Forscher können somit noch leichter den jeweiligen Lebensstil analysieren.

Felsmalereien im Ennedi Plateau im Tschad.

5. Seen von Ounianga

Die Seen von Ounianga waren 2012 das erste Unesco-Weltnaturerbe im Tschad – und das hat seinen Grund. Die bis zu 40 Kilometer auseinanderliegenden heute 18 Seen sind unterirdisch miteinander verbunden und Überreste eines riesigen Seensystems von vor 10.000 Jahren. Die Seen, die wundervolle Oasen haben entstehen lassen, sind teilweise mit Süßwasser, teilweise mit Salzwasser gespeist – und da sie bis zu 27 Meter tief sind, handelt es sich um die tiefste Seenlandschaft der Sahara.

Oase in der Ounianga Seenlandschaft.

6. Das Tibesti-Gebirge

Das Tibesti-Gebirge mit seinen erloschenen Vulkanen gilt als das höchste in der Sahari, der höchste Berg ist der Emi Koussi mit 3445 Metern. Das Tibesti besteht vor allem aus Vulkankratern und Vulkanen – und viel Sand. Da es wenig erschlossen ist, wurde die gesamte Pracht des 100.000 Quadratkilometer großen Areals erst in den 1970er-Jahren entdeckt – mit Aufnahmen aus dem All. Da sich noch viele Landminen rund um das Tibesti-Gebirge finden, sollten Touristen nur mit einem erfahrenen Guide losziehen.

Vulkankrater in der Wüste von Tibesti im Tschad vom All aus aufgenommen.

7. Der Tschadsee

Der abflusslose Tschadsee galt lange Zeit als einer der größten Seen der Erde, mit einer Wasserfläche von einst mehr als 24.000 Quadratkilometern. Doch das Gewässer, das in Teilen auch zu Kamerun, Niger und Nigeria gehört, ist im Schnitt nur zwei Meter tief und damit enorm anfällig bei Klimaschwankungen. Da es immer wieder zu islamistischen Anschlägen in der Region um den Tschadsee kommt, zuletzt im März 2020, warnt das Auswärtige Amt vor Reisen zu dem See.

Fischerboot auf dem Tschadsee beim Sonnenuntergang.

8. Alter Sultanspalast und Sao-Museum in Gaoui

Die Stadt Gaoui befindet sich nur zehn Kilometer von der Hauptstadt N’Djamena entfernt und ist ein kleines Juwel. Gaoui gilt als Zentrum der Sao-Kultur, die im 16. und 17. Jahrhundert in der Region um den Tschadsee ihre Blütezeit hatte. Im Sao-Museum erfahren Besucher mehr darüber. Doch auch so ist Gaoui einen Besuch wert – viele Häuser sind in traditioneller Architektur entstanden, die Stadt gilt als Hochburg der Töpferei, und beeindruckende Bauten wie der alte Sultanspalast (Foto) sind zu besichtigen.

Alter Sultanspalast in Gaoui im Tschad.

9. Museen, Märkte und Moscheen in der Hauptstadt N’Djamena

200 ethnische Gruppen, mehr als 200 Sprachen – die Vielfalt des Tschad zeigt sich vor allem in der Haupstadt N’Djamena. Beeindruckende Denkmäler hiervon sind die katholische Kathedrale sowie die Große Moschee – oder auch die Straße Avenue Charles de Gaulles, in der sich kleine wie große Shops, Restaurants und Streetfood-Buden sowie Kolonialbauten und ausländische Botschaften befinden. 

Gebäude des Nationalmuseums in N'Djamena.

Wer sich für die koloniale Geschichte des Tschad und die Folgen des Bürgerkrieges interessiert, besucht das Nationalmuseum, das im ehemaligen Rathaus unweit des Unabhängigkeitsplatzes untergebracht ist.