Weihnachtsbaum, Lichterketten und ein leckeres Essen im Kreise der Familie, das gehört in Deutschland zum Weihnachtsfest dazu. Aber: Wie feiern andere Länder Weihnachten? Und welche Traditionen könnten wir auch hier adaptieren, um uns ein wenig Urlaubs-Feeling nach Hause zu holen? Lies selbst.

Island: Die kinderfressende Weihnachtskatze

In Deutschland ist Weihnachten nicht nur die Zeit der Liebe; besonders Kinder bereiten sich dann vielerorts auf den Besuch des Weihnachtsmannes vor. Während der dicke, bärtige Mann bei uns artige Kinder belohnt, gehen die Isländer genau umgekehrt an die Geschichte heran. 

Auf der Insel aus Feuer und Eis treibt nämlich in der Weihnachtszeit die kinderfressende Weihnachtskatze Jólakötturinn ihr Unwesen. Sie ist das Haustier von Trollhexe Grýla und sorgt in der Vorweihnachtszeit für Angst bei Kindern, die auch mal für Ärger sorgen.

Aber die Weihnachtskatze ist nicht allein, sie hat noch trollige Komplizen: Die 13 Söhne der Trollhexe, die zwischen dem 12. Dezember und dem 6. Januar der Legende nach ihren Schabernack treiben. 

Die traditionelle isländische Weihnachtskatze soll Kindern Angst machen.

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Die Weihnachtskatze allerdings ist in Island so beliebt wie bei uns das Christkind und wird deshalb auch an vielen Orten in jeglicher Form aufgestellt. 

Wenn die Jólakötturinn an Heiligabend durch die Gassen streift auf der Suche nach unartigen Kindern, kann sich dem Brauch nach nur retten, wer neue Socken trägt und den Tag über besonders brav war. Im übertragenen Sinne geht es bei dem Brauch auch darum, sich rechtzeitig auf den kalten Winter vorzubereiten. 

Slowakei: Pudding als Glücksbringer

Was mag das kommende Jahr wohl bringen? Nach diesem Chaos-Jahr hoffen wir wohl alle auf ein Fünkchen Glück im Jahr 2021. Die Männer in der Slowakei belassen es allerdings nicht beim Hoffen. Mit einer besonders in ländlichen Bereichen des osteuropäischen Landes verbreiteten Weihnachtstradition wollen sie ihrem Glück auf die Sprünge helfen. 

Traditionell wird an Weihnachten nämlich Loksa-Pudding zum Nachtisch serviert. Die Hausherren essen diesen aber nicht auf, sondern werfen ihn mit einem Löffel an die Decke, die Ehre gebührt dem ältesten Mann in der Familie. Es gilt: Je mehr Pudding an der Decke kleben bleibt, desto glücklicher wird ihr nächstes Jahr werden.

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Norwegen: Weg mit dem Besen!

Aberglaube prägt auch die Weihnachtstraditionen in Norwegen. Dort soll es nämlich nur so von Hexen wimmeln. Und damit die nicht die friedliche Bescherung stören, weil dein Besen so verlockend ist, verstecken die Norweger ihre Besen, Wischmops und Schrubber über die Weihnachtstage besonders gut. Der positive Nebeneffekt: Geputzt wird so an Weihnachten garantiert nicht.

Japan: Heiligabend bei KFC

Bockwurst mit Kartoffelsalat, Gänsebraten oder ein eigenes Familienrezept: An Weihnachten wird in Deutschland und vielen anderen Ländern ordentlich aufgetischt. Denn wenn die ganze Familie zusammenkommt, muss das auch entsprechend zelebriert werden. So sehen das die Japaner auch. Allerdings essen die Heiligabend nur selten zu Hause. 

Denn seit den 70er-Jahren strömen die Menschen in Japan jedes Jahr an Weihnachten zum Fast-Food-Riesen KFC. Das Hühnchen-Restaurant hat sich bereits mit diesem kuriosen Trend angefreundet und bietet sogar extra Weihnachtsmenüs an. 

KFC ist in Japan fester Bestandteil von Weihnachten.

Wie es zu diesem ungewöhnlichen Trend kam, darüber gibt es viele Theorien. Aber es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die Fast-Food-Kette im Jahr 1974 eine große Werbekampagne mit dem Slogan „Kentucky zu Weihnachten“ startete. Seitdem ist für KFC Heiligabend der Tag mit dem höchsten Umsatz in Japan. 

Übrigens: Die Japaner feiern Weihnachten, obwohl in dem Land nur vergleichsweise wenige Christen leben. In Japan wird Weihnachten aber als Fest der Freundschaft und Familie gefeiert. 

Polen: Üppiges Festmahl ohne Fleisch

In Polen brauchst du an Weihnachten vor allem eines: viel Platz im Magen. Denn traditionell werden an Heiligabend ganze zwölf Gerichte aufgetischt. Diese Tradition geht gleich auf zwei Dinge zurück: die zwölf Apostel von Jesus und die zwölf Monate eines Jahres, die mit dem großen Festmahl im Dezember gefeiert werden. 

Übrigens: Viele polnische Familien verzichten außerdem an Weihnachten auf Fleisch, was auf die christliche Fastenzeit zurückgeht. Fisch ist allerdings erlaubt, weshalb in Polen oft der Weihnachtskarpfen auf dem Speiseplan steht. Außerdem wird mit dem Essen erst begonnen, wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist.

Schweden: Donald Duck und Ziegenböcke

Während in Deutschland am 24. Dezember die letzten Vorbereitungen für das Familienfest getroffen werden und viele Menschen bereits auf dem Weg zu ihrer Familie sind, sitzen rund vier Millionen Schweden gebannt vor dem Fernseher. Denn seit 1960 wird jedes Jahr um diese Zeit ein Kalle-Anka-Marathon im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt. 

Und Kalle Anka ist niemand Geringeres als der schwedische Donald Duck. Der hat sich mit Witz und Charme zu einer waschechten Weihnachtstradition in Schweden entwickelt. Immerhin verfolgen Jahr für Jahr rund vier Millionen von insgesamt 9,5 Millionen Einwohnern des Landes die Serie. 

Donald Duck darf an Weihnachten auf dem Bildschirm mancherorts nicht fehlen.

Und die nehmen ihren weihnachtlichen Serienmarathon durchaus ernst: Als im Jahr 1983 einmal die übliche Reihenfolge der Folgen vertauscht wurde, beschwerten sich so viele Menschen bei dem Sender, dass der die Ausstrahlung schließlich in der gewohnten Abfolge noch einmal wiederholte. 

Brasilien: Wenn der Nikolaus im Helikopter kommt

Die Brasilianer zeigen schon beim Karneval, dass sie es laut und pompös mögen: Und so begehen sie auch Weihnachten. Also ist es kein Wunder, dass auch der brasilianische Weihnachtsmann, Papa Noel, mit einem lauten Knall die Weihnachtszeit einläutet. Im Beisein von rund 200.000 jubelnden Menschen landet er (in normalen Jahren) mit einem Hubschrauber im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro und verteilt Geschenke, während um ihn herum eine bunte und fröhliche Party gefeiert wird. 

Übrigens: Innerhalb der Familien gibt es meistens erst nach der Mitternachtsmesse an Heiligabend Bescherung. 

Venezuela: Kirchenbesuch mit Inlineskates

Die Kirchen dieser Welt sind an Weihnachten nicht nur gut besucht, sondern vielerorts auch sehr voll. So auch in Venezuela. Da das für Autofahrer vor allem Stress bedeutet, haben sich die Einwohner darauf geeinigt, Weihnachten auf das Auto zu verzichten. Zu Fuß ist der Gang zur Kirche allerdings oftmals zu weit. 

Mit Inlinern zum Weihnachtsgottesdienst klingt kurios? In einem Land findet das aber statt.

Also musste eine Alternative her. Das Ergebnis ist eine kuriose wie gemeinschaftliche Tradition: Sie fahren auf Inlineskates zur Kirche. Und das machen so viele Menschen, dass in der Haupstadt Caracas für die Inliner-Fahrt sogar Straßen gesperrt werden. 

Russland: Partnersuche mal anders

In Russland wird Weihnachten erst am 7. Januar gefeiert. Das liegt daran, dass die Russen nicht die Geburt Christi feiern, sondern die Auferstehung des Herren. Bereits einen Tag vor Weihnachten startet aber eine durchaus skurrile Tradition in dem Land. Denn dann beginnen ledige Frauen mit der Suche nach einem Bräutigam. 

Dafür rufen sie zwölf Tage lang zufällige Nummern an und hoffen darauf, dass ihr Auserwählter abnimmt. Eine etwas andere Art von Klingelstreich also.