Einfach mal raus aus der eigenen Stadt und eine völlig fremde erkunden – warum das aktuell eher nicht möglich ist, müssen wir wohl nicht erklären. Die Hoffnung auf das Reisejahr 2021 geben wir trotzdem noch nicht auf. Und wer weiß: Vielleicht ist ein sorgenfreieres Reisen zumindest innerhalb von Europa ja schon bald wieder möglich.

Bis es so weit ist, vertreiben wir uns die Zeit mit der Suche nach spannenden Zielen für die nächste Städtereise. Inspiration bieten zum Beispiel die „World Travel Awards“, die für dieses Jahr kürzlich verliehen wurden. In der Kategorie „Europe’s Leading Emerging Tourism Destination 2020“ – also die aufstrebendsten Reiseziele in Europa – gibt es viele noch weitgehend unbekannte Perlen zu entdecken. Welche das sind? Lies selbst:

Batumi, Georgien

Batumi war nicht nur als aufstrebende Tourismusregion nominiert – die Hafenstadt am Schwarzen Meer hat den Titel in diesem Jahr sogar abgeräumt! Die zweitgrößte Stadt des Landes liegt nur 18 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt und überrascht mit einem Mix aus Marodem und Moderne.

Hier kannst du je nach Jahreszeit unter Palmen, Zypressen, Magnolien, Oleander, Zitronen- und Orangenbäumen flanieren, von Mai bis September im Meer schwimmen und ganzjährig über die kilometerlange Strandpromenade, den Primorski Boulevard, schlendern. Die Promenade wird von Hotelbauten und Casinos flankiert, immer wieder gibt es aber auch schön gestaltete Gärten, Springbrunnen und sogar ein Riesenrad. Wenn du wolltest, könntest du auf dem Boulevard vom Stadtzentrum fast bis zum Flughafen laufen.

Um dir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, kannst du mit der Argo-Seilbahn 2,5 Kilometer auf einen Hügel fahren. Bei klarer Sicht genießt du von dort sogar einen Blick auf den Kaukasus. Und natürlich aufs Schwarze Meer und die Dächer dieser kontrastreichen Stadt.

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Baku, Aserbaidschan

„ESC“-Fans dürfte die Hauptstadt von Aserbaidschan bereits bekannt sein: Hier fand 2012 der „Eurovision Song Contest“ statt. Während Batumi mit rund 150.000 Einwohnern noch ziemlich überschaubar ist, kommt in Baku mit seinen zwei Millionen Einwohnern schon Großstadt-Feeling auf.

Ölboom, Übernahme durch die Sowjetunion, später Unabhängigkeit und Pogrom an den Armeniern – Bakus Geschichte ist bewegt und von starken Hochs und Tiefs gezeichnet. Heute ist die Stadt am Kaspischen Meer für die ausgelassene Mentalität der Bewohner und ein pulsierendes Nachtleben bekannt.

Tagsüber kannst du durch die kleinen Gässchen der Altstadt schlendern. Sie zählt seit 2000 zum Unesco-Weltkulturerbe. Dort findest du noch zahlreiche gut erhaltene Paläste, Moscheen und Festungsbauten.

Bydgoszcz, Polen

Zugegeben, der Name ist ziemlich unaussprechlich. Auf Deutsch ist es schon einfacher: Bromberg. Wer auf Städte mit viel Wasser wie Venedig und Hamburg steht, wird sich auch in Bydgoszcz wohlfühlen. Die Stadt liegt an Brahe, Weichsel und am Bromberger Kanal. Nicht umsonst heißt das Stadtviertel am Wasser Wenecja Bydgoska, „Bromberger Venedig“. Sehenswert sind auch die riesigen Fachwerk-Speicher am Fluss.

Derry, Nordirland

Ein Trip nach Derry beginnt meist mit einem Spaziergang auf der 1,5 Kilometer langen Stadtmauer, die an manchen Stellen bis zu acht Meter in die Höhe ragt. Von dort verschaffst du dir direkt den perfekten Überblick über die 85.000-Einwohner-Stadt. Die Stadtmauer gilt als besterhaltene in Großbritannien und Irland und befindet sich noch weitgehend im Originalzustand.

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Wer mehr über die bewegte Geschichte der Stadt, die offiziell eigentlich Londonderry heißt, herausfinden will, sollte dem Tower Museum einen Besuch abstatten. Es wurde seit der Eröffnung 2006 bereits mehrfach ausgezeichnet.

Das älteste Gebäude der Stadt ist Saint Columb’s Cathedral. Mindestens genauso ikonisch ist schon jetzt die wesentlich jüngere Peace Bridge, von wo du abends die funkelnden Lichter der Stadt bestaunen kannst. Oder über die du einfach den River Foyle überquerst.

Kutná Hora, Tschechien

Eine echte Kleinstadt hat sich ebenfalls unter die Nominierten gemogelt: Kutná Hora, auf Deutsch Kuttenberg, mit nur etwa 20.000 Einwohnern. Und das, obwohl es zunächst den Anschein erweckt, als hätte der Ort seine Blütezeit schon hinter sich. Dank Silberbergbau und Prager Groschen einst die zweitgrößte Stadt Böhmens, folgte im 15. Jahrhundert während der Hussitenkriege die Ermordung fast aller Einwohner. Seitdem dümpelte Kutná Hora weitgehend in der Bedeutungslosigkeit.

Bis jetzt. Denn die bewegte Geschichte, die als Unesco-Welterbe geltende Altstadt und eben die Unbekanntheit bei vielen Urlaubern macht Kutná Hora zum Geheimtipp für Städtereisen. Beim Stadtbummel entdeckst du außerdem immer wieder liebevolle Details und Kuriositäten, zum Beispiel historische Mosaikpflasterung mit verspielten Motiven oder das Sedletz-Ossarium.

Für Letzteres kommen sogar regelmäßig Prag-Touristen aus der rund eine Stunde entfernten Hauptstadt. Im Untergeschoss der Allerheiligenkirche werden nämlich rund 40.000 menschliche Skelette aufbewahrt – spooky!

Ljubljana, Slowenien

Im Gegensatz zu Kutná Hora ist Ljubljana längst kein Städtereisen-Geheimtipp mehr. Das ändert aber nichts daran, dass die Stadt definitiv eine Reise wert ist! Die slowenische Hauptstadt an der Ljubljanica wirkt wie eine charmante Mischung aus Salzburg und mediterranen Städten. In der Altstadt wird Kultur bewahrt, in alternativen Szeneorten wie der ehemaligen Kaserne Metelkova wird dagegen neue geschaffen. Ein cooler Mix!

Apropos cool: Dafür, dass die kleine Hauptstadt frisch bleibt, sorgen auch die rund 50.000 Studenten (bei 293.000 Einwohnern). Trubelig wird es eigentlich trotzdem nie. Und wenn doch, kannst du dich für eine Wanderung ins grüne, hügelige Umland flüchten. Oder du wartest mit deinem Besuch einfach bis zum nächsten Winter. Dann erwartet dich so eine verwunschen-vorweihnachtliche Atmosphäre wie auf diesen Bildern:

Matera, Italien

Irgendwie sagt dir der Name was? Matera war im vergangenen Jahr Europäische Kulturhauptstadt. Nach dem Trubel 2019 dürfte es in den kommenden Jahren aber wieder ruhiger um die 60.000-Einwohner-Stadt werden.

Der ideale Zeitpunkt, um die Altstadt mit ihren „Sassi“, den Höhlensiedlungen, zu erkunden. Diese gehören bereits seit 1993 zum Unesco-Weltkulturerbe. Und: Das Gebiet gilt als eine der ältesten Siedlungen und Städte der Welt.

Die Höhlensiedlungen und die besondere Lage in der karstigen Hochebene rund 200 Kilometer östlich von Neapel machen Matera zu einem beliebten Drehort für Kinofilme. So entstanden hier unter anderem Teile des Films „Die Passion Christi“ von Mel Gibson. Auf für „Wonder Woman“ und „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“ wurde in und um Matera gedreht.

Mostar, Bosnien und Herzegowina

Mostar mag im Tal liegen, außerhalb der Stadtgrenzen geht es aber schnell hoch hinaus: Zu den Seiten ragen je die Bergmassive Velež (1968 Meter) und Čabulja (1776 Meter) empor. Das bietet viele Möglichkeiten für Adrenalin-Junkies – zum Beispiel Ziplining mit Blick über die Stadt.

Durch die Kessellage gehört Mostar zu den heißesten Städten in Europa – vielleicht eine gute Alternative, wenn Fernreisen in heißere Gefilde noch nicht wieder möglich sind? Außerdem scheint nirgendwo in Bosnien und Herzegowina die Sonne so oft wie hier.

Wahrzeichen der Stadt ist die „alte Brücke“ Stari most, die schon seit Mitte des 16. Jahrhunderts über den Fluss Neretva führt. Sie wurde allerdings 1993 zerstört und danach bis 2004 wieder aufgebaut.

Sibiu, Rumänien

Eine weitere ehemalige Europäische Kulturhauptstadt in dem Ranking ist Sibiu – deutsch: Hermannstadt – in Siebenbürgen. Die rumänische Stadt hat eine lange deutsche Geschichte: Vermutlich um 1150 ließen sich hier die ersten deutschen Siedler nieder. Noch heute gibt es am Radu-Stanca-Nationaltheater eine deutsche Abteilung.

Viel Arbeit – und Geld – fließt in Sibiu in die Erhaltung und Restaurierung der Altstadt. Der Grund: Sie soll ins Unesco-Welterbe aufgenommen werden. Bislang hat das allerdings noch nicht geklappt.

Wer auf Wandern oder andere Outdoor-Sportarten steht, sollte einen Abstecher in die südlichen Karpaten einplanen – die sind von Sibiu nur einen Katzensprung entfernt.

Sofia, Bulgarien

Genau wie Matera gilt auch Sofia als eine der ältesten Siedlungen und Städte der Welt. Spürbar ist das noch heute an einem aufregenden Mix aus Tradition und Moderne. Mittlerweile lebt fast jeder sechste Einwohner Bulgariens in der Hauptstadt Sofia.

Neben zahlreichen historischen Bauten in der Stadt ist auch die Lage am Hang des Witoscha-Gebirges mitten in der Sofia-Hochebene spektakulär. Keine Frage: Wer noch nie in Sofia war, muss unbedingt noch hin!