Unbesorgt reisen – das war 2020 nicht drin. Und auch im nächsten Jahr werden viele Touristen die gefühlte (Un-)Sicherheit im Gepäck haben. Während Terror, politische Unruhen, Naturkatastrophen und tropische Krankheiten die vergangenen Jahre dominiert haben, war es in diesem Jahr die Coronavirus-Pandemie. Und die hat auch Auswirkungen auf die Reiserisiken für 2021, prognostiziert der Reisespezialist International SOS. Er gibt jedes Jahr die „Travel Risk Map“ heraus, welche die sichersten und gefährlichsten Reiseziele zeigt.

Die Ergebnisse für die interaktiven Karte basieren auf einer Analyse aus dem laufenden Jahr 2020 sowie einer Prognose für 2021. Das Material ist zwar in erster Linie für Geschäftsreisende gedacht, bietet aber auch eine Orientierung für die Urlaubsplanung.

„Travel Risk Map“ um die „Covid-19 Impact Map“ erweitert

Reisende erhalten auf der Karte weiterhin auf einen Blick Infos bezüglich der Sicherheit, der gesundheitlichen Risiken und der Verkehrssicherheit in allen Ländern der Welt. Zusätzlich enthält die neue Ausgabe der „Travel Risk Map“ eine Erweiterung: Sie zeigt nun auch, welche Auswirkungen das Coronavirus in den Ländern in Europa und dem Rest der Welt auf Gesundheit, Sicherheit und Logistik hat.

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So funktioniert die „Travel Risk Map“

Du willst die Karte selbst nutzen, um zu erfahren, wie sicher es an deinem (Wunsch-)Reiseziel ist? Dann gib einfach den Namen des Landes ein und du erhältst detaillierte Infos, die du für die Urlaubsplanung nutzen kannst:

Diesen Einfluss hat Corona auf die Sicherheitsrisiken

Die Pandemie wird auch auf das Reisen im Jahr 2021 Einfluss haben, sagt Martin Bauer, Regional Security Manager Deutschland und Österreich bei International SOS. Aber: „Es ist noch unsicher, wie sich die Corona-Pandemie im Jahr 2021 auch auf Sicherheitsrisiken auswirkt – und wie schnell das passieren wird.“ 

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Bezogen auf den Einfluss von Covid-19 auf Reisen gibt es fünf Risiko-Level von „sehr niedrig“ bis „sehr hoch“. Die Karte wird laut International SOS täglich aktualisiert, folgende Kriterien fließen in die Länder-Bewertung ein:

  • Covid-19-Fallzahlen im 14-tägigen gleitenden Durchschnitt
  • Risikoumfeld in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit
  • Reisebeschränkungen im jeweiligen Inland sowie Beschränkungen für Auslandsreisen
  • vorhandene Maßnahmen gegen Covid-19 und ihre Wirksamkeit

Die meisten Länder weltweit sind mit „niedrig“, „mittel“ oder „hoch“ eingestuft. Einzige Ausnahme: Georgien, dort ist das Risiko „sehr hoch“. Das bedeutet, dass der Geschäftsbetrieb dort stark eingeschränkt oder vorübergehend gar nicht möglich ist. Die Infos werden täglich geprüft und gegebenenfalls aktualisiert. 

Die „Travel Risk Map“ von International SOS zeigt seit dem Jahr 2020 auch die Corona-Einflüsse aufs Reisen in den Ländern der Welt.

Die Informationsflut, auch von Fake News, bezüglich Covid-19 habe bei Unternehmen und Reisenden zu Angst und zu Verunsicherung geführt, sagt Dr. Stefan Eßer, der ärztliche Leiter Zentraleuropa bei International SOS. Auch am Vorgehen des Auswärtigen Amtes übt er Kritik: „Ständig wird die Liste der Risikogebiete aktualisiert – doch darauf stehen Länder, die bezogen auf die Bevölkerungsgröße nicht mehr Covid-19-Fälle als Deutschland haben.“

Allerdings seien die gefühlte und die reale Unsicherheit zwei völlig verschiedene Dinge: „Die Gesundheitsrisiken im Ausland werden sich aus Sicht von Reisenden nicht dramatisch ändern – aber die Angst der Reisenden.“

Die Statistiken würden zeigen, dass vor allem Erkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Thrombosen dazu führen, dass Patienten aus dem Ausland evakuiert werden müssen. Und Covid? Dazu sagt Eßer: „Wir haben in diesem Jahr wie sonst auch einige Tausend Patienten evakuiert, so wie in den vergangenen Jahren auch. Darunter waren auch mehrere Hundert Covid-19-Fälle, aber kein einziger Covid-19-bedingter Todesfall.“

Die Wahrscheinlichkeit, an einer gefährlichen Infektion zu erkranken, sei zwar außerhalb von Europa höher. Hierzu zählt Eßer aber nicht nur das Coronavirus. Als die „drei großen Killerkrankheiten“ bezeichnet er Schlafkrankheit, Malaria und Tuberkulose. Das Malaria-Risiko sei in Westafrika sehr hoch – zum Beispiel in Mali, Senegal und Kongo. Aber auch hier relativiert Eßer: Der Anteil an Infektionskrankheiten als Grund für eine Evakuierung gehe zurück.

„Travel Risk Map“ zeigt Gesundheits- und Sicherheitsrisiken

International SOS mahnt, sich nicht nur auf Covid-19 zu fokussieren, das berge das Risiko von blinden Flecken in Bezug auf Gefahrenquellen wie Naturkatastrophen und Terrorismus. Die Hurrikansaison in den USA und der Karibik sei beispielsweise die stärkste seit Jahren – sie werde aber im Vergleich sehr viel weniger stark wahrgenommen, sagt Martin Bauer, Regional Security Manager bei International SOS, dem RND.

Die „Travel Risk Map“ zeigt daher weiterhin auch weitere Risiken im Bereich Gesundheit, Sicherheit und Verkehr weltweit. Für die Einschätzung des Reise­sicherheits­risikos werden die Faktoren politische Gewalt (einschließlich Terrorismus, Aufstände, politisch motivierte Unruhen und Krieg), soziale Unruhen (einschließlich konfessionell bedingter, kommunaler und ethnischer Gewalt) sowie Gewalt- und Kleinkriminalität berücksichtigt.

Die „Travel Risk Map“ von International SOS zeigt die Sicherheitsrisiken in den Ländern der Welt.

Tiefrot und mit extrem hohem Sicherheitsrisiko eingezeichnet sind Länder wie Syrien, Libyen oder Jemen. Hoch ist das Risiko etwa in Venezuela und Teilen Ägyptens.

Absolut unbedenklich ist das Sicherheitsrisiko International SOS zufolge nur in 14 Ländern, alle befinden sich in Europa oder sind Inselstaaten in Ozeanien: Cook-Inseln, Dänemark, Finnland, Grönland, Island, Kiribati, Luxemburg, die Marshallinseln, Nauro, Norwegen, Palau, Schweiz, Slowenien und Tuvalu. An diesen Reisezielen ist die Kriminalitätsrate sehr niedrig, es gibt weder nennenswerte politische Gewalt noch soziale Unruhen oder gezielte Gewalt gegen Ausländer. Allerdings: Wenn es um die medizinische Versorgung geht, schneiden die Länder in Ozeanien nicht gut ab.

So hoch ist das gesundheitliche Risiko auf Reisen

Für die gesundheitlichen Risiken wurden unter anderem folgende Faktoren analysiert: Infektions­krankheiten, Umweltfaktoren, der Standard der medizinischen Notfall­versorgung, Zugang zu hochwertigen Arzneimitteln sowie kulturelle, sprachliche und administrative Barrieren.

Die „Travel Risk Map“ von International SOS zeigt auch die Gesundheitsrisiken in den Ländern der Welt.

Das Gesundheitsrisiko ist besonders in Afrika extrem hoch, nämlich in diesen Ländern: Burkina Faso, Burundi, Eritrea, Guinea, Guinea-Bissau, Libyen, Liberia, Niger, Sierra Leone, Somalia, Südsudan, Zentral­afrikanische Republik. Außerdem extrem hoch ist es in Afghanistan, Jemen, Irak, Haiti, Nordkorea, Syrien und Venezuela.

Die Einschätzungen zum Gesundheitsrisiko müssten jedoch in Verbindung mit den Corona-Fallzahlen und der „Covid-19 Impact Map“ interpretiert werden.