Die Luft ist klirrend kalt, die Sonne steht tief über dem Horizont und wirft ihr ganz besonderes Winterlicht über die Landschaft: Winterwandern kann ein Ausflug wie aus dem Märchen sein. Allerdings eignet sich nicht jeder Wanderweg automatisch auch für eine Tour in der kalten Jahreszeit.

Hier erfährst du, welche schönen Winterwanderwege es in Deutschland gibt und was du bei deiner Wanderung im Winter beachten musst.

Was ist Winterwandern?

Zunächst aber die Frage: Was ist Winterwandern überhaupt? Ganz einfach gesagt: eine saisonale Variante des normalen Wanderns. Trotzdem ist das Wandern im Winter noch einmal etwas sehr Besonderes. Die Anforderungen sind oft höher, außerdem liegt hier der Fokus ganz deutlich auf den Erlebnissen entlang der Strecke. Verschneite Landschaften, Eiszapfen oder eisige Moore im Nebel verleihen dem Winterwandern eine fast magische Atmosphäre.

Winterwandern im Harz

Im Oberharz findest du das märchenhafte Winterwunderland, das du im Rest Norddeutschlands meist vergeblich suchst. Dicke Schneedecken auf Wegen und Tannenspitzen katapultieren dich gedanklich sofort ins Musikvideo von „Last Christmas“. Neben etlichen anderen Wintersportarten kannst du im Harz auch nach Herzenslust winterwandern.

1. Rundweg von der Stieglitzecke zur Hanskühnenburg

Eine Rundwanderung mit Fernblick ist die Strecke vom Parkplatz Stieglitzecke zum Ausflugsziel Hanskühnenburg. Für die insgesamt circa 16 Kilometer solltest du etwas Kondition mitbringen.

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2. Wanderung auf dem Goetheweg zum Brocken

Der Goetheweg ist Teil des Harzer Hexenstiegs. Startpunkt ist das Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus. Durch Hochmoor, Wald und ein Stück entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze geht es schließlich bis auf den Brocken hinauf. Der Weg ist acht Kilometer lang und liegt auf 835 bis 901 Metern Höhe. Du kannst den Goetheweg das ganze Jahr über wandern, besonders malerisch ist der Aufstieg aber im Winter.

Weitere Winterwanderwege findest du auf der offiziellen Oberharz-Website.

Winterwandern im Allgäu

Das Allgäu hat die Bezeichnung Winterwunderland wirklich verdient. Verschneite Berggipfel, Seen, Märchenschlösser und vereiste Wasserfälle bilden ein regelrechtes Paradies für Winterwaderer.

3. Winterwandern von Hohenschwangau nach Bleckenau

Schloss Neuschwanstein ist ohne Frage DER Besuchermagnet in der Region. Abseits des Besucherrummels verzaubert dieser Winterwanderweg. Dabei passierst du die Marienbrücke mit Logenblick auf Schloss Neuschwanstein und wanderst ein Stück entlang der Pöllat bis zur Bleckenau, wo Ludwigs Jagdschloss steht, das heute als Berggaststätte dient. 

4. Durch den Eistobel bei Ebratshofen

Diese Strecke ist nichts für Anfänger, da die Wegbedingungen zum Teil widrig sein können und einen Gröbel oder Stöcke als Ausrüstung voraussetzen. Wer dafür gewappnet ist, wird mit faszinierender Landschaft belohnt: Am Wegrand ragen steile Eiswände auf.

Noch mehr winterliche Wanderwege findest du auf der Seite „Winterwandern im Allgäu“.

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Winterwanderungen in NRW

Nordrhein-Westalen kommt vielleicht mit weniger Höhenmetern daher als das Allgäu oder der Harz. Und für Schneevergnügen braucht man schon etwas Wetterglück. Trotzdem mangelt es dem Bundesland nicht an wunderschönen Winderwanderungen.

5. Bensberger Schlossweg

Weihnachtszeit ist Märchenzeit – das wissen vor allem Fans von Klassikern wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Wer sich selbst ein bisschen wie im Märchen fühlen will, macht mit einer Winterwanderung zu Burgen und Schlössern nichts falsch. Genau so eine Route ist der Bensberger Schlossweg im Bergischen Land. Auf dem neun Kilometer langen Wanderweg erkundest du Schloss Bensberg und Schloss Lerbach und genießt an klaren Tagen die Aussicht übers Rheintal.

6. Struffelroute

Eine ganz besondere Atmosphäre versprühen Hochmoore im Winter. Dann hängen tiefe Nebelschwaden vor der Wintersonne, die die Landschaft in rosiges Licht taucht. Das erlebst du zum Beispiel auf dem elf Kilometer langen Rundwanderweg durchs Moor im Naturschutzgebiet Struffel im Naturpark Hohes Venn (Eifel). Deine Winterwanderung auf den Holzstegen kannst du an der Aussichtsplattform Dreilägerbachtalsperre für eine kurze Pause unterbrechen, um den Blick auf die winterliche Eifellandschaft zu genießen.

Einen Überblick über weitere Winterwanderrouten gibt der NRW-Tourismus.

Winterwanderungen im Schwarzwald

Insgesamt findest du im Hochschwarzwald 550 Kilometer gebahnte und gepfälzte Winterwege – dank der Trittsicherheit eignen sie sich auch für Einsteiger. Es gibt mehrere Premium-Winterwanderwege, die täglich gepflegt werden. Zu den schönsten Winterwanderungen im Schwarzwald gehören:

7. Winterwanderweg zur Rankmühle

Dieser 3,4 Kilometer lange Rundweg ab St. Märgen ist auch für Familien und Anfänger gut geeignet. Von der Rankmühle aus genießt du einen herrlichen Blick auf die Schwarzwaldberge. Wem der Rundweg zu kurz ist, der kann daran noch weitere acht Kilometer bis zum Thurner anhängen. Von dort fahren Busse zurück zum Ausgangspunkt.

8. Rundwanderweg um den Schluchsee

Start des 8,3 Kilometer langen Rundwanderwegs ist der Bahnhof Schluchsee. Von dort führt die Strecke am Nordufer des Sees entlang. Immer wieder gibt es malerische Ausblicke auf den winterlichen Schluchsee und den Feldberg.

Weitere Winterwanderwege zeigt die Seite des Hochschwarzwald.

Noch mehr schöne Winterwanderwege in Deutschland

Natürlich gibt es auch in anderen Landesteilen Wanderwege, die auch im Winter lohnen. Zwei davon präsentieren wir dir hier:

9. Winterwandern im Thüringer Wald

Der Thüringer Wald ist im Winter besonders idyllisch. Mehrere Winterwanderwege laden zu aktiven Touren ein. Zum Beispiel ein sechs Kilometer langer Rundwanderweg über die Werrarquelle. Wer es ruhiger angehen lassen will, kann die Strecke auch im Pferdeschlitten zurücklegen.

10. Winterwandern in der Sächsischen Schweiz

Für Wanderer ist die Sächsische Schweiz längst kein Geheimtipp mehr. Auch im Winter faszinieren die Felsformationen und atemberaubenden Ausblicke. Eine geführte Wanderung führt etwa ab Bad Schandau in vier Stunden durch die Hintere Sächsische Schweiz – inklusive Glühwein.

Kann man im Winter überhaupt wandern?

Klar, wandern kannst du zu jeder Jahreszeit. Allerdings gibt es im Winter einige Punkte, die du besonders beachten musst. Stell dir bei der Planung zum Beispiel die Frage, ob die gewählte Route auch bei Schnee, Eis oder anderen widrigen Wetterverhältnissen sicher und begehbar ist.

Außerdem solltest du immer im Hinterkopf behalten, dass die Tage im Winter kürzer sind. Beachte bei der Länge und Dauer deiner Route also, ob du sie komplett bei Tageslicht erwandern kannst. Wichtig besonders für Anfänger: Geh in gemäßigtem Tempo und am besten erst mal nur auf präparierten, flachen Wanderwegen.

Informier dich vor deiner Tour unbedingt über die örtlichen Gegebenheiten, bei schlechter Sicht und Lawinengefahr solltest du lieber zu Hause bleiben.

Wo liegt Schnee zum Wandern?

Längst liegt nicht mehr überall in Deutschland in den Wintermonaten Schnee. Wer unbedingt eine Winterwanderung in weißer Pracht erleben will, sollte sich deshalb auf Orte konzentrieren, die mit ziemlicher Sicherheit Schnee abkriegen. Besonders schneereiche Regionen in Deutschland findest du in den Alpen. Orte, die höher als 1200 Meter liegen, haben eine ziemlich zuverlässige Schneegarantie.

Kein Wunder, dass die Zugspitz als Deutschlands höchster Berg da ein Schneegarant ist. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge ist sie der schneereichste Ort Deutschlands. Aber auch andere Alpenorte, zum Beispiel am Feldberg, Oberjoch oder Balderschwang, glänzen recht zuverlässig mit Schneefreuden.

Wer nicht ganz so hoch hinaus will, sollte sich in Richtung der Mittelgebirge orientieren, allen voran der Harz mit dem Brocken, der immerhin als höchster Berg der nördlichen Mittelgebirge gilt. Bis zu fünf Meter Neuschnee gibt es im Idealfall in einer Wintersaison, so „Winter und Schnee“.

Bei den deutschen Städten können sich der Statistik zufolge Augsburg, München, Chemnitz, Dresden und Nürnberg besonders häufig über Schneefall freuen.

Die richtige Ausrüstung fürs Winterwandern in Deutschland

Neben der typischen Wanderausrüstung gibt es im Winter ein paar zusätzliche Dinge, die du bei dir haben solltest. Spezielle Wanderschuhe für den Winter helfen, deine Füße warm und trocken zu halten. Zusätzliche Gamaschen verhindern, dass Schnee und Nässe von oben in die Schuhe gelangen.

Außerdem bleibst du mit einer warmen Softshellhose, Funktionsunterwäsche und einem Funktionsshirt warm, ohne dich unter der Kleidung kaputtzuschwitzen. Daunen- und Fleecejacke kannst du im Schichtsystem ebenfalls tragen, genauso wie einen Schal und warme Fingerhandschuhe.

Besonders wichtig im Winter: ein Sitzkissen, damit du dich bei der Pause nicht verkühlst. In einer Isolierflasche kannst du warme Getränke oder Suppe als Proviant mitnehmen. Vorsicht dagegen bei Obst – das kann bei Minusgraden schnell gefrieren. Besser sind Nüsse, Energieriegel oder andere kohlenhydrathaltige Nahrung.

Bedenke außerdem, dass die Umgebung im Winter ungewohnt aussehen und der Schnee gegebenenfalls Wegmarkierungen und Hinweisschilder bedecken kann. Deshalb empfehlen sich Karten oder Apps (siehe unten) zur Orientierung. Ein Erste-Hilfe-Set sollte ebenfalls in den Rucksack.

Eine Besonderheit des Winterwanderns ist das Schneeschuhwandern. Hierfür brauchst du – neben den Schneeschuhen – eine Lawinenausrüstung, wenn du in einem Gebiet mit Lawinengefahr unterwegs bist. Diese bekommst du in vielen Fachhandlungen.

App fürs Winterwandern

Wer keinen dicken Wanderführer mitschleppen oder umständlich Karten falten will, ist mit einer Wander-App gut bedient – vorausgesetzt, der Handyakku hält durch. Mittlerweile gibt es viele Apps mit Routenvorschlägen und Navigation für Wandertouren in Deutschland.

Ein Beispiel ist die kostenlose App „Ortovox“ für Bergtouren. Darin kannst du beispielsweise Schneeschuh- und Wandertouren je nach Standort oder Distanz suchen. Außerdem gibt es eine Ebene, die die Lawinengefahr anzeigt.

Eine der bekanntesten Apps für Navigation und Routenplanung ist „Komoot“. Damit kannst du zwischen fertigen Wandertouren wählen und bleibst dank der Offline-Karten auch während der Wanderung immer auf dem richtigen Weg.

Außerdem gibt es von vielen Bundesländern oder Wanderregionen einzelne Apps mit Touren und anderen nützlichen Infos. Zum Beispiel für den Harz, das Sauerland, den Schwarzwald, den Teutoburger Wald oder das Saarland. Es lohnt sich, bei der Planung einfach dein jeweiliges Wanderziel bei Google Play oder im Apple-Store zu suchen.