Eigentlich verbindet man mit dem Begriff „Cottagecore“ eher eine bestimmte Ästhetik, etwa bezüglich der Einrichtung im Landhausstil oder Spitzenkleider, die an Omas Nachthemden erinnern. Denn bei diesem Trend holen sich die Menschen das Lebensgefühl vom Bauernhof auf dem Land nach Hause – sei es durch Pflanzen, Blumenprints, Kleider oder Haustiere. Aber auch Stricken und Sticken spielen mit hinein.

Dass der Begriff plötzlich in aller Munde ist, haben wir unter anderem der Videoplattform Tiktok zu verdanken. Dort sind Videos mit dem Hashtag derzeit voll im Trend. Warum sich viele scheinbar nach dem einfachen Landleben sehnen? Einige deuten es als Antwort auf die Unsicherheit, mit der wir gerade in Corona-Zeiten in vielen Lebensbereichen konfrontiert werden.

Aktuelle Deals

„Cottagecore“: Der süße Traum vom Eskapismus

Viele Menschen „schnappen sich ihre Laptops und machen sich auf in kleinere Städte oder zu den grünen Weiden der Vororte – oder sie kehren zurück in die Kleinstädte, in denen Mama und Papa noch leben“, schildert etwa Kultur- und Trendautorin Suzanne Wexler.

Besonders die Corona-Pandemie scheint die Stadtflucht und den Wunsch nach Weite und Natur beflügelt zu haben: 212 Millionen Likes sammelte der Hashtag #cottagecore auf Tiktok in den Monaten bis Juni. Auf Tumblr stiegen ähnliche Inhalte um bis zu 540 Prozent. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Die „Huffpost“ bezeichnet „Cottagecore“ sogar als größten Quarantäne-Trend.

Wem früher ein kleines, rustikales Häuschen am Waldrand völlig öde vorgekommen ist, sehnt sich heute genau danach. In gewisser Weise sei „Cottagecore“ ein Ausdruck der generellen Unzufriedenheit mit dem Kapitalismus und Urbanismus, so Wexler.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Und weil natürlich nicht jeder sofort alles hinschmeißen und ein Häuschen im Grünen beziehen kann, profitieren von dem „Cottagecore“-Trend eben auch Ferienunterkünfte auf dem Land. Hier können gestresste Großstädter den von den sozialen Medien gehypten Trend eine Zeit lang ausprobieren. Außerdem ist „Cottagecore“ schon per Definition die verehrungsgleiche „Ferienhaus-Liebe“.

Wie sich „Cottagecore“ auch aufs Reisen übertragen lässt

Kein Wunder, dass mittlerweile auch hierzulande Touristiker auf den „Cottagecore“-Trend aufspringen. NRW-Tourismus gibt etwa fünf Tipps für „Ausflugstipps, die zurück zu den Wurzeln führen“, darunter Brot backen im Freilichtmuseum, Pilzwanderungen und naturnahe Ferienunterkünfte.

Auch der Ferienhaus-Vermittler Fewo direkt glaubt, dass sich „Cottagecore“ in aktuellen Reisetrends widerspiegelt. Wie das Unternehmen mitteilt, wollen einer Umfrage zufolge rund 63 Prozent der Deutschen ihren nächsten Urlaub in der Natur verbringen. Genauso viele wollen dabei bei Aktivitäten wie Angeln oder Wandern entschleunigen. Schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr stieg die Nachfrage nach Landhäusern bei Fewo direkt um fast 650 Prozent. Auch auf Airbnb waren schon 2019 kleinere Städte als Reiseziele im Kommen.

Besonders nachgefragt sind übrigens die Landkreise bei Nord- und Ostsee: Nordvorpommern, Nordfriesland, Aurich, Ostholstein mit Lübeck und Vorpommern-Greifswald. Aber auch im Rest Deutschlands findest du garantiert schnuckelige Orte und gemütliche Unterkünfte, in denen du den „Cottagecore“-Vibe völlig ausleben kannst!