Hoffnungsschimmer im Corona-Herbst: Das deutsche Unternehmen Biontech und der amerikanische Pharmariese Pfizer haben einen Impfstoff gegen das Virus entwickelt, der eine überraschend hohe Wirksamkeit in Labortests aufweist. Und damit können wir mitten im Teil-Lockdown einen optimistischen Ausblick auf das nächste Jahr wagen. Denn Politiker, Wissenschaftler und Mediziner erhoffen sich durch den Impfstoff eine langsame Rückkehr zur Normalität.

Aber wird sich auch das Reisen durch den Impfstoff zeitnah ändern? Sind Fernreisen, Gruppen-Abenteuer und Städtetrips bald wieder uneingeschränkt möglich? Der reisereporter hat bei Tourismusforscher Jürgen Schmude von der Universität München nachgefragt. Die wichtigsten Fragen beantworten wir dir im Überblick. 

Macht der Impfstoff normales Reisen wieder möglich?

Jein. Schmude rechnet zwar mit einer positiven Auswirkung auf das Reisen, allerdings langfristig. „Kurz- und mittelfristig allerdings müssen wir erst mal abwarten, wann und wie der Impfstoff wirkt“, gibt der Experte zu bedenken. Grundsätzlich sei eine flächendeckende Immunisierung aber eine der Grundvoraussetzungen für uneingeschränktes Reisen. Ob das allerdings auch realisierbar ist, das sei aktuell unklar. Schmude sagt dazu: „Das Ganze ist ja auch davon abhängig, wer sich zum Impfen bereit erklärt und wie mit Ländern verfahren wird, in denen nicht geimpft wird.“ 

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Schmude spielt damit auf den Umstand an, dass der Impfstoff in vergleichsweise kurzer Zeit entwickelt werden musste. Normalerweise werden entsprechende Medikamente erst jahrelang getestet, bevor sie an Patienten ausgegeben werden. Angesichts der Dringlichkeit in der Coronavirus-Pandemie haben Mediziner weltweit dieses Verfahren allerdings beschleunigt.

Werden wir im kommenden Jahr wieder normal reisen?

Auch wenn der Impfstoff im Jahr 2021 auf den Markt kommt und sich viele Menschen impfen lassen, ist das eher unwahrscheinlich. Die Reise- und Tourismusbranche steckt derzeit in einer nie da gewesenen Krise und wird mehr als ein paar Monate brauchen, um sich von den Folgen zu erholen.

Tourismusforscher Schmude sagt dazu: „Die Tourismusbranche wird sich irgendwann erholen. Aber: Im Jahr 2021 werden wir nicht wieder normal reisen. Diese Hoffnung müssen wir langsam aufgeben. Denn die zweite Welle hat uns mit ihrer Wucht überrannt. Dadurch steht gerade vieles auf der Kippe – unter Umständen auch die Fernreise im nächsten Jahr.“

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Denn auch wenn trotz Teil-Lockdown sogar aktuell einige Länder bereisbar sind, ist der Fernreisesektor der am stärksten von der Krise betroffene Bereich der Branche. Schmude sieht als Beleg dafür etwa mehrere Umfragen, die er mit dem Bayerischen Zentrum für Tourismus durchgeführt hat. Die Tendenz: Weniger Menschen wollen aktuell reisen und perspektivisch eher innerhalb Deutschlands als in ferne Länder. 

Und der Experte ist sicher: „Das wird im kommenden Jahr noch nicht groß anders sein. Dann wird es darauf ankommen, in möglichst sichere Länder zu reisen. Und die Wahrnehmung der Sicherheit vor Ort ist auch von der Pandemie-Lage in der Destination abhängig.“

Welche Länder haben Anspruch auf den Impfstoff?

Wie sicher es in den einzelnen Ländern sein wird, das hängt auch von der Verteilung des neuen Impfstoffes ab. Denn laut führenden Immunologen ist die Impfung aktuell das beste Mittel, um langfristig die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen. Auch deshalb setzt sich die Weltgesundheitsorganisation bereits seit Beginn der Pandemie dafür ein, dass alle medizinischen Mittel gegen das Coronavirus möglichst global und gerecht verteilt werden. 

In diesem Zuge hat die Organisation die Plattform Covax ins Leben gerufen. Der Initiative für eine weltweit faire Verteilung des Impfstoffs sind mittlerweile mehr als 100 Schwellen- und Industrieländer beigetreten, auch Deutschland. Grundsätzlich gibt es damit Hoffnung, dass der Impfstoff in Entwicklungsländern – auch in Afrika, Asien und Südamerika – ausreichend zur Verfügung stehen wird. 

Corona-Impfstoff: Welche Fragen sind noch offen?

Angesichts der jüngsten Erkenntnisse rund um den Impfstoff gegen das Coronavirus steigt die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität vielerorts an. Allerdings gibt es auch noch viele Fragen, die dahingehend offen sind. So ist zum Beispiel unklar, ob es Nebenwirkungen gibt und wann der Impfstoff auf den Markt kommt. Es heißt also auch hier wie dieser Tage so oft: Abwarten und das Beste hoffen.