Larry Gottschamer kommt persönlich. Besuch ist auf der Valhalla Farm etwa 50 Kilometer südwestlich von Guatemala-Stadt gern gesehen. Gottschamer, den alle nur beim Vornamen nennen, baut Macadamias an. Im Hochland Guatemalas lebt der Hippie aus Kalifornien seinen Traum. Hier wurde er einst vom Feuerwehrmann zum Farmer. Aus den Sämlingen, die er in den 80er-Jahren aus der alten Heimat mitbrachte, sind inzwischen mehr als eine Million Bäume geworden. Was von Weitem aussieht wie ein sattgrüner Laubwald, entpuppt sich aus der Nähe als Nussplantage.

Zu Besuch auf der Macadamia-Plantage

Es ist Erntezeit. Aus den Bäumen rieselt braunes Gold. Die reifen Früchte fallen zu Boden. Echte Bückware, denn gesammelt wird manuell. Ähnlich wie Walnüsse müssen die Macadamias zuerst von ihrer Fruchtschale befreit werden. Eine aufwendige Prozedur. Für Gottschamer eine Herausforderung. Aus alten Autoreifen und anderen Utensilien hat er ein Vehikel gebaut, das diesen Job übernimmt. Entscheidend ist, was hinten rauskommt: glänzend braune Kerne. Die werden – ebenfalls in einem Eigenbau – nach Größe sortiert, um dann ein ausgiebiges Sonnenbad zu nehmen. Gut 30 Tage reifen sie auf riesigen Metallrosten.

Guatemala ist der weltweit viertgrößte Produzent von Macadamia-Nüssen, die eine besonders harte Schale haben.


Absoluter Knackpunkt der Macadamia ist ihre Schale. Denn die ist hammerhart. Vor ihr kapituliert selbst Selfmademan Larry Gottschamer. Er lässt seine Ernte in der Fabrik knacken.

Aus den Kernen werden auf der Farm dann Pancakes, süße oder salzige Snacks, Cremes, Seifen und kostbare Öle hergestellt. Gottschamer schwört auf die wertvollen Fette in den Nüssen. Sechs Stück pro Tag tun Körper und Seele gut, meint er. Der 80-Jährige scheint der lebende Beweis für seine Theorie zu sein.

Guatemala ist inzwischen der viertgrößte Produzent der kostbaren Kerne. Nicht umsonst gilt die Macadamia als Königin der Nüsse. Sie braucht viel Regen, gemäßigte Tages- und milde Nachttemperaturen. Es gibt nicht viele Regionen auf der Welt, die ihr so zusagen wie das Hochland unweit der Landeshauptstadt.

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Im Hochland wächst der Kaffee

Traditionell ist auch der Kaffee hier zu Hause. Riesige Plantagen säumen die Straßen. Unter dem grünen Dach der sogenannten Schattenbäume wachsen die Arabica-Pflanzen in Reih und Glied. Für das besondere Aroma der Hochlandbohnen sorgen die nährstoffreichen vulkanischen Böden.

Von der Sonne verwöhnt und getrocknet: guatemaltekischer Kaffee.


Vom Genießer zum Kenner werden die Besucher des kleinen Museo del Café im nahen Jocotenango. Hier erfahren sie Fakten, mit denen man an der heimatlichen Kaffeetafel punkten kann, etwa dass für 450 Gramm Röstkaffee 2900 Gramm Kaffeekirschen geerntet werden müssen. Gepflückt wird in den Bergen Guatemalas meistens mit der Hand. Trotzdem kommen von einem Dollar, der weltweit für eine Tasse gebrühten Kaffee gezahlt wird, nur 5 Cent auf der Plantage an.

Auf dem Weltmarkt wird der blasse Rohkaffee gehandelt, der neben dem Museum zum Trocknen ausliegt. Geröstet wird meist dort, wo getrunken wird. Denn die Geschmäcker sind verschieden. „Die Italiener verbrennen den Kaffee“, ist Haraldo Navas überzeugt. Wie seine Landsleute schätzt der einheimische Reiseleiter eher die mittelbraune Ware. Warum, wird bei der Verkostung im Museumsshop klar. Vollmundig, aromatisch und säurefrei – Guatemala siegt im Tassenduell durch aromatischen K. o. Die Entscheidung für ein Mitbringsel ist gefallen.

Auf der Panamericana geht’s durchs Land

Weiter geht es westwärts. Die Panamericana windet sich bis auf 2.400 Meter Höhe. Pinienwälder säumen Amerikas Traumstraße, immer wieder unterbrochen von Autowerkstätten, Motels und Tankstellen. Auf den Gemüsefeldern ringsum herrscht reges Treiben. Die Parzellen bestimmen den Familienetat. Es wird gehackt, gejätet, gesät und geerntet. Alles per Hand. Für Maschinen oder Spritzmittel fehlt den Kleinbauern das Geld. Mehr als die Hälfte der Guatemalteken lebt von weniger als 2 Dollar am Tag – und damit jenseits der Armutsgrenze.

Die Straße bündelt die Hoffnung auf ein gutes Geschäft. Auf dem Dach vor uns legen einige Hühner die letzten Kilometer zum Markt zurück. Genau deshalb haben die alten amerikanischen Schulbusse ihren Namen. Chickenbusse sind das günstigste Transportmittel im Land. Man muss allerdings auf tierische Mitreisende gefasst sein.

Chickenbusse sind das günstigste Transportmittel in Guatemala.

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Trockenfisch, Hühnerfüße, Mais, Gewürze, Obst und Gemüse – der Markt in Sololá ist eine Herausforderung für die Sinne. Touristen sind hier eher die Ausnahme. Unser Guide wird gefragt, wo wir herkommen. Deutschland? Nie gehört. Für die Händler bleiben wir Gringos.

Untereinander erkennen sich die Nachkommen der Mayas an der Kleidung. Jedes Dorf hat seine typischen Farben und Muster. Eingeführt haben das einst die spanischen Eroberer. Vor allem im Hochland werden die farbenfrohen Trachten aber heute noch getragen.

Größter Markt Zentralamerikas lockt nach Chichicastenango

Donnerstags und sonntags führen alle Wege nach Chichicastenango. Die kleine Stadt mit dem klangvollen Namen wird zum Hotspot des Handels. Der größte Markt Zentralamerikas zieht Käufer und Verkäufer magisch an. Seitdem er in etlichen Reiseführern als Attraktion gepriesen wird, wandelt sich das Angebot. Masken, Schmuck, Tücher und Bilder werben um kaufkräftige Kundschaft aus dem Ausland. Auch Pfeffer, Jalapeños oder Kardamom nehmen die Fremden gern mit nach Hause.

Der Markt in Chichicastenango ist der größte in Zentralamerika.


Bei einem Kaffee erzählt unser Führer, dass die Stadt ihren Namen einer lila blühenden Nessel verdankt, der Chichicaste. Tenango findet sich in vielen Ortsnamen Guatemalas wieder. Es bedeutet so viel wie „Ort der“, hier also Ort der gleichnamigen Nessel. Gringotenango ist deshalb auch der Spitzname der touristischen Stadt Panajachel am Atitlán-See.

Atitlán-See liegt besonders malerisch

Drei Dreitausender rahmen den meistfotografierten See des Landes von Süden her ein. Frühes Aufstehen wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Wer zu spät kommt, den bestraft der Himmel. Spätestens ab mittags hüllen sich die Vulkane in Wolken.

Der Atitlán-See wird eingerahmt von drei Dreitausendern.


San Juan La Laguna liegt am Westufer des Sees. Der Ort lebt von seinen Besuchern. In den Galerien entlang der Hauptstraße hängen knallbunte Bilder, aus den Cafés duftet es nach frisch gebackenem Kuchen, und rote Tuk-Tuks bringen fußlahme Touristen vom Bootsanleger in die Oberstadt.

San Juan la Laguna liegt am Westufer des Atitlán-Sees. Oberhalb des Ortes steht die katholische Kirche.


Wollige Sträucher weisen den Weg in die Kooperative Aj Toooneel Ixoq. 52 Frauen arbeiten hier. Catarina zeigt, wie mühselig das Spinnen, Färben und Weben der Baumwolle ist. Um ein 15 Zentimeter starkes Knäuel des möglichst dünnen Fadens zu spinnen, braucht sie mehr als zehn Stunden. Tagelang muss das Garn dann im Farbbad aus Blättern oder Rinden liegen. Guavenblätter sorgen für Olivgrün, der Avocadobaum für Schokobraun und die Cochenillelaus in Kombination mit Zitronensaft für strahlendes Rot. Fixiert werden die Farben in einem Sud aus der Bananenstaude.


Zum Weben schlingt Catarina ein Ende der Längsfäden um einen Baum, das andere Ende bindet sie sich um die Taille. Sie spannt das Ganze mit ihrem Gewicht. Und los geht es. Der Faden wandert von links nach rechts und wieder zurück. Ganz langsam vergrößert sich der Schal. Bis er fertig ist, vergehen Tage. Schwer beeindruckt greifen die Gäste im Shop der Kooperative zu.

Maya-Gott Maximon mag Schnaps und Zigaretten

Eine textile Überraschung der etwas anderen Art bietet Santiago Atitlán am gegenüberliegenden Ufer. In einem unscheinbaren Flachbau residiert der Maya-Gott Maximon. Und der trägt Krawatte. Wer ihn fotografieren will, muss einen 10-Quetzales-Schein (etwa 1,20 Euro) hinter den Binder schieben. Zwei unbeteiligt dreinschauende Herren, die die seltsame Gottheit flankieren, überwachen den Zahlungseingang. Dem irdischen Laster nicht abgeneigt, zeigt sich der Maximon immer mit Zigarette im hölzernen Mund und Schnapsflasche in Reichweite. Ostern hat der Heilige seinen großen Auftritt, wenn er zusammen mit seinen katholischen Kollegen durch die Straßen getragen wird – auch wenn er denen den Vortritt lassen muss.

Wer Maya-Gott Maximon fotografieren will, muss einen Geldschein unter seine Krawatte stecken.

Mayastadt Yaxha liegt im Norden des Landes

Die Götter der Vorfahren waren deutlich anspruchsvoller. In Yaxha, einer ausgegrabenen Mayastadt im Norden Guatemalas, mussten im neunten Jahrhundert sogar gekrönte Häupter bluten. Auf dem Platz vor der großen Stufenpyramide fanden regelmäßig Rituale statt, um die Herrscher des Himmels milde zu stimmen. Vor seinen Untertanen rammte sich der Regent einen Rochenstachel in den Penis. Das Blut aus dem königlichen Gemächt wurde anschließend geopfert. Doch bevor jetzt Häme aufkommt: Den Damen der erlesenen Gesellschaft wurde während der Zeremonie die Zunge durchbohrt.

Yaxha im Norden des Landes zählt zu den wichtigsten Maya-Stätten.


Netzwerken mit den Göttern war die wichtigste Aufgabe der irdischen Machthaber. Nur, wenn das gelang, schickte Chac, der Regengott, die langersehnten Wolken. Dann konnte der Mais wachsen, und das Volk hatte genug zu essen. Die Region war damals bereits dicht besiedelt. Zur Blütezeit der Stadt lebten allein in Yaxha gut 35.000 Menschen. Es gab Straßen und ein System zur Wasserversorgung.

Ruinen erinnern an Hochkultur

Als die Spanier in Mittelamerika landeten, war über die einstige Hochkultur längst Gras gewachsen. Der Dschungel hatte Pyramiden und Paläste geschluckt. Den Rest erledigten die Eroberer. Kostbare Handschriften wurden vernichtet, Maya-Tempel zerstört und auf den Fundamenten katholische Kirchen errichtet. Ganze vier Schriften weltweit sind erhalten geblieben – darunter der sogenannte Dresdner Kodex, der in der sächsischen Landeshauptstadt zu sehen ist.

Auf den gut erhaltenen Stelen der Ausgrabungsstätte Yaxha im Norden von Guatemala berichten die Maya der Nachwelt von ihren Heldentaten.


Ein Fundus sind die unzähligen Stelen, die die Maya zu allen möglichen Anlässen aufgestellt und beschriftet haben. Hier ist Geschichte in Stein gemeißelt. Das Entziffern der inzwischen rund 900 verschiedenen Schriftzeichen gehört zu den größten wissenschaftlichen Leistungen der vergangenen Jahrzehnte.

Tipps für deine Reise nach Guatemala

Anreise: Direktflüge nach Guatemala gibt es nicht. Iberia bietet Verbindungen über Madrid nach Guatemala-Stadt an.

Einreise: Die Grenzen Guatemalas sind wieder für ausländische Reisende geöffnet – allerdings warnt das Auswärtige Amt noch vor Reisen. Für die Einreise sind ein negativer Corona-Test und die Registrierung mittels Onlineformular der Regierung nötig. Im Land dauert der Corona-Ausnahmezustand weiter an. Es kann jederzeit zu Änderungen kommen.

Währung: Landeswährung ist der Quetzal. Ein Euro sind etwa 9,15 Quetzales. In größeren Hotels ist auch das Zahlen in US-Dollar möglich. Für den Tausch sollten Reisende besser Dollar mitnehmen, Euro werden nicht überall akzeptiert oder zum schlechteren Kurs getauscht. Kreditkarten sind nur an Geldautomaten einsetzbar.

Beste Reisezeit: Die Trockenzeit von Oktober/November bis Mai. Die Tagestemperaturen variieren je nach Region. Im Hochland ist es dann mit 20 bis 25 Grad Celsius deutlich frischer als an der Küste und im Norden bei 25 bis über 30 Grad.

Veranstalter: Die im Text beschriebenen Orte sind Stationen der Reise „Guatemala – Juwel Zentralamerikas“ von Studiosus. Die 14-tägige Studienreise, die bis nach Copán in Honduras führt, ist ab 3.690 Euro pro Person im Doppelzimmer buchbar. Eine Reise wird nur dann durchgeführt, wenn das Infektiosngeschehensowie die daraus resultierenden Einreisebestimmungen und Hinweise des Auswärtigen Amtes dies zulassen. 

Die Reise wurde unterstützt von Studiosus. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.