Alles fing mit Olive an. Olive gehörte einem Farmer aus Kreta, der bereits über 90 Jahre alt war und sich nicht mehr um die Eseldame kümmern konnte. Olive hatte damals noch keinen Namen, aber als sie 2005 zu Familie Doulyerakis kam, nannten sie sie Olive, weil die Eseldame künftig zwischen den Olivenbäumen auf der Farm der Familie leben sollte. Barbara, ihr Ehemann Fanis und Sohn Michalis verliebten sich sofort in Olive.

Doch Esel, da belas sich die Familie schnell, sollen nicht alleine leben. Sie können sonst sogar depressiv werden. Also zog nach wenigen Tagen Peligrino ein. Peligrino hatte einen liebevollen Besitzer, der allerdings schwer erkrankt ist. Jahrelang, erzählt Barbara Doulyerakis, kam der Mann noch zu Besuch, um nach Peligrino zu schauen. 

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Eselrettung auf Kreta: Viele Tiere wurden misshandelt

Olive und Peligrino sind bereits vor vielen Jahren gestorben, doch anstelle der beiden Esel finden sich nun 28 Esel auf dem Gelände der Doulyerakis in dem Agia Marina Donkey Rescue. „Wir haben leider kein riesiges Gelände, aber es ist ausreichend für die Tiere. Wir haben ihnen auch kleine Unterschlüpfe gebaut, wo sie Schatten finden und sich vor Regen schützen können“, erzählt Barbara Doulyerakis dem reisereporter.

Seit dem Einzug von Olive arbeitet sie jeden Tag, 365 Tage im Jahr. Denn nicht nur Esel leben inzwischen auf dem Areal, sondern auch Hühner, Ziegen, Katzen, Hunde und sogar Pfauen. 

Auch eine Krankenstation haben sie eingerichtet. Denn viele der Esel, die in das private Tierheim aufgenommen werden, sind in einem schlechten Zustand. Sie wurden oft ihr Leben lang als Arbeitstiere missbraucht, mussten viel zu schweres Gewicht schleppen, etwa Oliven bei der Ernte oder Menschen. „Die meisten unserer Esel kommen von Kreta, aber wir retten Esel aus ganz Griechenland“, sagt Barbara Doulyerakis. Im Schnitt sind die Esel 30 Jahre alt – das älteste Tier, Andigoni, brachte es auf 47 Jahre, ehe es starb. 

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Obwohl Barbara Doulyerakis, eine Neuseeländerin, die seit 40 Jahren auf Kreta lebt, mit Pferden aufgewachsen ist und bis vor wenigen Jahren keine Berührungspunkte mit Eseln hatte, hat sie sich in die Tiere verliebt und will dem teils schlimmen Schicksal entgegenstehen. So sind Esel oft einem grausamen Tod ausgesetzt: Wenn der Besitzer krank wird oder der Esel zu krank oder zu alt zum Arbeiten ist, wird er ohne Wasser und Futter einfach ausgesetzt. 

Esel-Tierheim auf Kreta ist auf Spenden und Besucher angewiesen

Da Agia Marina Donkey Rescue keinerlei staatliche Hilfe bekommt, ist es auf Spenden angewiesen. Auf der Website können Besucher Patenschaften für einen Esel übernehmen. Außerdem ist das „Eselland“ im Süden von Kreta, in der Nähe des Touristenortes Matala, auch für Besucher geöffnet. „Im Sommer kommen auch mal 20 Besucher an einem Tag“, sagt Barbara Doulyerakis. 

Von März bis November können Touristen die Einrichtung vormittags und nachmittags besuchen, die Esel dürfen gestreichelt werden. Füttern und reiten ist indes nicht erlaubt. In den Wintermonaten kann Agia Marina Donkey Rescue auf Anfrage ebenfalls besucht werden. „Die Wintermonate nutzen wir für Renovierungen und um noch mehr Zeit mit unseren Eseln zu verbringen, um auf ihre Bedürfnisse einzugehen.“

Ihre Leidenschaft sei es, den Eseln, die intelligent und loyal, aber auch unterschätzt seien, ein schönes Leben im Alter zu bieten, einen Ort, an dem sie sicher sind und liebevoll behandelt werden, ehe sie sterben. Inzwischen hat die Familie sogar einen Tierarzt gefunden, der sich auf Esel spezialisiert hat und extra aus Chania im Nordwesten anreist, um die Tiere zu behandeln. Viel bleibt aber an Familie Doulyerakis hängen: „Wir mussten selbst viel lernen, haben immer wieder gelesen, konnten aber auch auf Erfahrungen von Fanis setzen, der mit Eseln aufgewachsen ist.“