Sagrada Familia, Park Güell, La Rambla – die beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Barcelona waren vor der Corona-Pandemie das Ziel Tausender Touristen und vor allem zwischen Frühjahr und Herbst völlig überlaufen. Nun soll ein erster Schritt gemacht werden, zumindest die Flaniermeile La Rambla wieder attraktiver für Bewohner zu machen. Mit einem Prestigeprojekt soll die Fußgängerzone zu einer Kunst- und Kulturmeile werden, berichtet „The Guardian“. 

Die Corona-Krise habe die Schwäche des Geschäftsmodells, nur auf Touristen zu setzen, offenbart, wird Jordi Rabassa, Stadtrat des Stadtteils Ciutat Vella, zitiert. „La Rambla ist das Zentrum der wirtschaftlichen Monokultur, und wir arbeiten daran, die lokale Bevölkerung wieder in die symbolträchtigste Straße der Stadt zu bringen.“ 

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Das Projekt ist ambitioniert – und Barcelona sieht sich in einer Vorreiterrolle. „Cituat Vella kann ein Vorbild sein dafür, wie man von einer Monokultur zu mehr Vielfältigkeit kommen kann, die Anwohner beschäftigt und auf ihre Bedürfnisse eingeht.“ Das soll durch neu geschaffene Jobs in den Bereichen Kultur, Technologie, Ökologeie und Nachhaltigkeit geschehen. 

Laut „The Guardian“ macht der Anteil des Tourismus in der Wirtschaft Barcelonas 15 Prozent aus – und die meisten Besucher bekommt der älteste Stadtteil Cituat Vella ab. Auch deshalb war der Stadtteil so stark getroffen von der Corona-Pandemie: Viele Inhaber mussten ihre Geschäfte aufgeben, der Leerstand ist aktuell hoch.

La Rambla soll Barcelonas Zentrum für Hoch- und Populärkultur werden

Also machten sich lokale Initiativen daran herauszufinden, was die Großtadtbewohner selbst dazu bringen würde, sich wieder mehr auf La Rambla aufzuhalten – und das sind kulturelle Angebote. Der Präsident des Freundeskreises La Rambla, Fermín Villar, hat schon Pläne: „Wir müssen kulturelle Events anbieten, von Hochkultur im Opernhaus Gran Teatre del Liceu bis hin zu Populärkultur.“ 

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Denn auch wenn es auf La Rambla in den jüngsten Jahren vor Touristen nur so wimmelte, so ist die Straße auch ein kulturelles Zetrum: drei Theater, ein Opernhaus und ein Kunst- und Fotomuseum finden sich dort. Ein Anfang soll mit dem seit 2006 geschlossenen Theaterhaus Teatre Principal gemacht werden: Ein lokaler Geschäftsmann hat 35 Millionen Euro Spenden für die Sanierung des Gebäudes aus dem Jahr 1603 aufgebracht, es soll dort künftig beispielsweise Konzerte und Hightech-Erlebnisse geben. 

Das ambitionierte Ziel: Das Theater soll das Zentrum für immersive Kunst in Südeuropa werden, verkünden die Projektträger dem „The Guardian“. Unter immersiver Kunst versteht man das Eintauchen in andere Welten, wie es etwa bei Virtual-Reality-Projekten oder Videospielen passiert. Das Zentrum solle ein Ort zum Lernen, Entdecken und Interagieren werden. 

Kein Party-Volk: Barcelona will auf eine andere Art von Tourismus setzen

Mateu Hernández ist CEO der gemeinnützigen Organisation Barcelona Global und glaubt, dass das Vorhaben zeigen könne, dass Tourismus und Kultur sich gegenseitig ergänzen können. „Wir können das Teatre Principal in eine Attraktion für Bewohner wie Touristen verwandeln“, sagt er.  

Dabei wollen die Initiativen auf bestimmte Touristen setzen – kein Partyvolk, kein Sexhandel. „Wir wollen einen respektvollen Tourismus. Wir haben gewonnen, wenn jemand auf TripAdvisor schreibt, dass die Stadt blöd ist, weil man auf der Straße keinen Alkohol kaufen kann“, sagt Villar.