Die Wellen peitschen den Strand entlang, der starke Wind lässt einem die Tränen in die Augen schießen und der Horizont ist bis auf ein kleines, weißes Fleckchen dunkel – ein typischer Herbsttag am Meer. Nicht gerade einladend, sollte man meinen. Doch weit gefehlt: Gerade in stürmischen Zeiten ist die See – ob im Norden oder im Osten– eine Reise wert. 

Der reisereporter zeigt dir, warum sich gerade im Herbst eine Reise ans Meer lohnt.

Die Atmosphäre macht’s 

Eingepackt in die dicke Winterjacke geht es rauf auf den Deich. Schal und Mütze dürfen natürlich auch nicht fehlen. Manch einer wird angesichts der gefühlt eisigen Temperaturen sogar auf Handschuhe zurückgreifen. Denn schon im Oktober kann es an der deutschen See richtig kalt werden.

Die berühmte steife Briese kann dann auch schon mal heftiger ausfallen. Wenn du dich mitten in die Böen stellst, die mitunter eher einer unsichtbaren Mauer gleichkommen, kannst du dich beinahe tragen lassen – ein irres Gefühl. Das Wasser wird durch den Wind aufgeschäumt, die entstehende Gischt taucht Teile des Strandes in ein Meer aus Schaum.

Der Wind trägt die Wellen weit über den Strand.

Die teilweise meterhohen Wellen brechen lautstark an den extra dafür aufgeschütteten Steinhaufen: Natur pur, die es zu genießen lohnt. An der Nordsee sind zudem Wattwanderungen auch in den kalten Monaten möglich – natürlich mit entsprechender Kleidung. Nach dem Spaziergang am Strand zurück in der Unterkunft schmeckt der Tee gleich doppelt so gut. 

Die Schätze des Meeres kommen zum Vorschein 

Je stärker die Winde, desto heftiger und rauer wird die See. Die Wellen spülen dann allerlei Treibgut an den Strand. Jetzt schlägt die Stunde der Muschelsucher und Bernsteinliebhaber. Die Chancen, wirkliche Schätze zu finden, sind im Herbst größer als in den eher ruhigen Frühlings- und Sommermonaten. 

Mit etwas Glück kann man nach Stürmen Bernsteine an der Küste finden.

Auch hübsche Steine oder dekoratives Treibholz werden oft von der Flut an den Strand angespült. Zudem bietet die raue See ein ideales Motiv für Freunde der Fotografie. Ob Möwen im Sturm oder reflektierende Lichtspiele auf dem Wasser – an bildgewaltigen Szenen mangelt es nicht. 

Die stürmische See bietet eine tolle Kulisse für schöne Fotoaufnahmen.

Der „Sound of Silence“

Aufgrund von Kälte, Regen und Wind sind im Herbst normalerweise weniger Besucher an den Küsten Deutschlands unterwegs als im Sommer. Für die, die sich trauen, bedeutet es vor allem eines: Ruhe. Beinahe menschenleere Strände vermitteln das Gefühl von Freiheit. Das Meer, die Wellen und der Sand – es scheint, als gehöre das alles einem ganz allein.

Magisch: Das Spiel aus Wolken und Sonne sorgt für eine beeindruckende Aussicht.

Im Sommer hingegen ist der Strand voller badewütiger Touristen, an Ruhe und den „Sound der See“ ist nur selten zu denken. Ein großer Pluspunkt des Herbstes. Die Sonne geht zwar früher unter, dafür hat man den Augenblick an den richtigen Orten für sich allein. 

Sonnenuntergänge am Meer, wie hier an der Steilküste bei den Wissower Klinken auf Rügen, sind besonders schön.

Action in kaltem Wasser 

Kitesurfing und Windsurfing machen vor allem erst dann richtig Spaß, wenn ordentlich Wind herrscht. Daher ist der Herbst die optimale Zeit für Actionfans, die Wellen reiten und sich so richtig austoben wollen. Wichtig ist ein funktionierender und dichter Neoporenanzug, um im verhältnismäßig kalten Wasser nicht zu sehr auszukühlen. 

Wer kein Fan des Surfens ist, der kann natürlich auch an Land Spaß haben. Bei Wind und Böen kann man super Lenkdrachen oder auch handelsübliche Drachen steigen lassen. Der Strand oder auch die Deiche eignen sich hierfür bestens. Im Herbst ist es am Strand leerer. Du muss also nicht ständig Angst haben, mit einem abstürzenden Drachen einen anderen Strandbesucher zu treffen. 

Die raue See bietet Kitesurfern ideale Bedingungen.

Und wer es lieber wärmer mag, der kann sich auch in einem der zahlreichen Hallenbäder, Spas oder Wellness-Center erholen. An der Ostsee eignen sich hierfür beispielsweise der Hansedom in Stralsund oder die Meerwasser-Schwimmhalle in Laboe. An der Nordsee gibt es etwa das Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel oder auch die Nordseetherme in Bensersiel. 

Der Geschmack des Meeres 

Wo bitte schmeckt ein Fischbrötchen besser als direkt am Meer? Das ganze Jahr sorgen Fischer für fangfrischen Fisch, den man direkt am Strand oder Hafen genießen kann. Zudem gibt es in beinahe jedem Ort an der Nord- und der Ostsee Restaurants, in denen Spezialitäten aus dem Meer angeboten werden.

An den Häfen und Küsten bieten Fischer ihre Waren frisch zum Kauf an.

An weniger kalten oder windigen Herbsttagen ist sogar ein Picknick direkt am Strand möglich. An manchen Stränden kann man auch weit im Herbst noch Strandkörbe mieten, die entsprechend Schutz vor dem Wind bieten. 

Wer lieber selbst den Kochlöffel schwingen möchte, der bekommt auf Wochenmärkten oder bei regionalen Anbietern passende Zutaten, um sich ein Mahl „typisch Küste“ zuzubereiten.