Es ist der Traum eines jeden Wanderers: Nach einem anstrengenden Marsch Richtung Berggipfel folgt die Belohnung – ein Foto mit atemberaubender Kulisse. An der Olpererhütte (auf 2389 Metern Höhe) in den Zillertaler Alpen im österreichischen Tirol gibt es einen solchen Ausblick.

Geradezu malerisch scheinen die Berge den Wanderern zu Füßen zu liegen. Zum perfekten Foto-Hotspot wird der Ort aber erst durch eine Hängebrücke, die über einen kleinen Bachlauf hinwegführt. Und genau wegen dieser Brücke, besser gesagt wegen der Perspektive, ist der Spot bei Instagramern so beliebt. 

Auf dem sozialen Netzwerk finden sich Tausende Bilder von Wanderern, die, wie es scheint, lässig auf der Hängebrücke sitzen oder stehen – und das unzählige Meter über dem Boden. Doch der Schein trügt, denn all die Fotos profitieren von der optischen Täuschung. In Wirklichkeit trennen die Brücke und den Untergrund nur wenige Meter. 

Wählt der Fotograf die Perspektive so, dass die beiden Enden der Brücke nicht zu sehen sind und gleichzeitig der Hintergrund vergrößert erscheint, entsteht der perfekte Schnappschuss. Mit einiger Übung gelingt dies recht sicher. An manchen Tagen wird es voll an der Brücke, denn sie steht bei fotogierigen Instagramern ganz oben auf der Liste. 

Und ebendies wird zum Problem: Denn die Wanderung vom Parkplatz am Schlegeisspeicher hoch zum Foto-Spot dauert rund zwei Stunden, dabei sind knapp 600 Höhenmeter zu überwinden. Zwar ist die Tour laut bergwelten.com nicht besonders anspruchsvoll, dennoch wird, wie bei allen Wanderungen, festes Schuhwerk empfohlen.

Auf „Foto-Jagd“ mit Sandalen und Ballerinas 

Und da beginnt für einige „Foto-Jäger“ das Problem: Denn um die Online-Community zu beeindrucken tragen manche der Wanderer zwar modische Kleidung, aber keineswegs solche, die für eine Wandertour geeignet ist. So ist auf Videos im Netz zu sehen, wie sie teilweise auf Sandalen oder Ballerinas den Weg zur Brücke bestreiten.

Auch kurze Hosen und Kleider werden gern getragen, um den Style aufrechtzuerhalten. Dabei unterschätzen manche die zum Teil stark auftretenden Winde auf 2389 Metern Höhe.

Kritik an „Foto-Jägern“: Kein Interesse am eigentlichen Wandern? 

An der Brücke angekommen, heißt es an sonnigen Tagen aber meist erst mal warten. Denn durch Instagram ist der Ort längst kein Geheimtipp mehr, viele Wanderer sind scharf auf ein Foto mit der exklusiven Perspektive. So bilden sich an manchen Tagen Schlangen.

Einige treiben den Foto-Kult sogar so weit, dass sie gleich mehrere verschiedene Outfits in ihren Rucksäcken mitnehmen, um sich vor Ort umzuziehen und mehrmals vor der Kamera zu posieren. Kritiker werfen ihnen vor, den Weg nur für Likes und Aufmerksamkeit im Netz auf sich zu nehmen und die Zillertaler Berglandschaft mit all ihrer Schönheit zu ignorieren.