In den Herbstferien für zwei Wochen auf die Kanaren? Risikogebiet. Da müsste die Quarantäne nach der Rückkehr eingeplant werden. Vielleicht doch lieber im November für zwei Wochen nach Thailand? Grenzen dicht, wird wohl also nicht möglich sein. Dann vielleicht einfach an die Ostsee? Lieblingshotel gebucht, Urlaubsvorfreude – und dann wird der Heimatort zum Coronavirus-Hotspot. Darf ich trotzdem noch hin?

Die Covid-19-Pandemie macht es potenziellen Urlaubern nicht leicht: Wer in Zeiten von Corona eine Reise bucht, der muss viele Eventualitäten bedenken und mitplanen. Einreisebeschränkungen, Reisewarnungen, Risikogebiete und Corona-Hotspots: Rahmenbedingungen für den Urlaub ändern sich dynamisch, teilweise über Nacht. Am 1. Oktober wurde die pauschale Reisewarnung für mehr als 160 Länder außerhalb Europas zwar aufgehoben – doch eine Entwarnung ist das nicht, und es wird auch nicht einfacher für Reisende.

Reisewarnungen, Quarantäne, neue Hotspots: Das spricht gegen Urlaub in Corona-Zeiten

Denn stattdessen gibt es eine Art Ampelsystem. Rot bedeutet: Es gibt weiterhin eine Reisewarnung für Gebiete, die auf der Liste der Risikogebiete des Robert-Koch-Instituts stehen, in denen das Infektionsrisiko hoch ist. Gelb heißt: Von Reisen wird abgeraten – weil etwa die Einreisebeschränkungen extrem hoch sind. Und grün heißt: Gefahrlose Reisen sind möglich – weil Infektionszahlen aktuell niedrig sind und keine verschärften Einreisebestimmungen wie eine Quarantänepflicht bestehen.

Jeder muss sich also nun über sein (potenzielles) Reiseland speziell beim Auswärtigen Amt informieren – und gleichzeitig auch die jeweilige Verordnung des Bundeslandes lesen, in dem er lebt. Denn auch dort gibt es unterschiedliche Regeln für die Einreise. Das gilt vor allem bei der Frage, ob sich Urlauber, die sich in (deutschen) Risikogebieten aufgehalten haben, auch ohne aktuellen negativen Test in dem jeweiligen Bundesland frei bewegen dürfen.

Was bleibt, ist eine große Unsicherheit bei allen Beteiligten darüber, was geht und was nicht geht.

Norbert Fiebig, DRV-Präsident

Dabei bleibt es nicht: Ab dem 15. Oktober sollen erneut Änderungen kommen in Form einer neuen Teststrategie und einer Quarantäneverordnung der Bundesregierung: Ein vorzeitiges Ende der Quarantäne soll dann frühestens durch einen Corona-Test ab dem fünften Tag nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet möglich sein. Und für die Quarantänetage sollen Arbeitnehmer keinen Ausgleich für Einkommensausfälle mehr bekommen. Damit rücken Ziele in Risikogebieten – dazu gehören inzwischen 17 von 27 EU-Länder zumindest teilweise – noch weiter nach unten auf der To-travel-Liste, als sie es aktuell schon sind.

Bei all den unterschiedlichen Regelungen und Neuerungen kann der Kopf schon ganz schön rauchen. „Was bleibt, ist eine große Unsicherheit bei allen Beteiligten darüber, was geht und was nicht geht“, kommentiert auch Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), kritisch. Für viele Menschen ist das zu viel, zu stressig. In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov gab nur jeder fünfte Deutsche an, im Herbst oder Winter verreisen zu wollen.

So sollten wir in Corona-Zeiten Urlaub buchen

Tatsächlich kann man sich die Frage stellen: Wie viel Urlaub steckt noch in einem Urlaub, für den wir eine „Was wäre wenn“-Liste führen müssen? Genießen kann das nur, wer kein Problem mit Spontanität hat. Wir müssen also lernen, umzudenken. Spontan zum Flughafen fahren, last minute buchen, ohne Gedanken an die Konsequenzen losdüsen, unterwegs spontan noch mal die Reiseroute ändern – das ist so in der Pandemie nicht mehr möglich.

Und trotzdem: Dass wir überhaupt verreisen können, ist ein Gewinn. Denn Urlaub ist für uns schon lange zu einem Grundbedürfnis geworden, ein paar Wochen im Jahr gönnen wir uns eine Auszeit für Seele, Körper und Geist. Urlaub hilft, nach anstrengenden Wochen und Monaten auf der Arbeit und im Alltag die Akkus aufzuladen.

Und damit uns das auch in Corona-Zeiten gelingt, damit wir das Beste aus der Situation machen, sollten wir künftig nach zwei Grundregeln buchen. Erstens: eine Reise wählen, die kostenlos storniert oder umgebucht werden kann. Und zweitens: immer ein alternatives Urlaubsziel parat haben. Um spontan zu sein – und eben doch völlig durchgeplant.