Ein Nickerchen im Zug kann die Fahrzeit zumindest gefühlt etwas verkürzen – noch besser geht das im Liegen und über Nacht. Während die Deutsche Bahn (DB) keine eigenen Nachtzüge im Angebot hat, geht das Unternehmen eine Kooperation anderen mit europäischen Eisenbahnunternehmen ein, um in Deutschland und Europa neue Nachtzugstrecken anzubieten.

So wollen unter anderem die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) ihr Angebot im Nachtzugverkehr durch Europa noch erweitern. Die beiden Bundesbahnen planen, die Nachtzug-Linien gemeinsam von sechs auf zehn zu erhöhen – die Ausbaupläne dafür laufen unter dem Namen „Nightjet-Netz Schweiz 2024“.

Da das Reisen mit Nachtzügen derzeit derzeit boomt, hat die ÖBB zudem die Bestellung neuer Nachtzüge beim Hersteller Siemes von 13 auf 33 erhöht. Die ersten neuen Nachtzüge sollen unter anderem von der Schweiz aus nach Amsterdam, Rom und Barcelona fahren und ab dem Jahr 2022 schrittweise 25 Städte umfassen. Alle neuen Exemplare sollen bis zum Jahr 2025 ausgeliefert werden, twittert Siemens Mobility.

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Diese neuen Nachtzug-Verbindungen inklusive Deutschland sollen entstehen 

Erste neue Nachtzug-Verbindungen gehen hingegen schon Ende 2021 an den Start. Los geht es in Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 2021: Dann soll täglich ein Nightjet die neue Verbindung von Zürich – Basel – Frankfurt – Köln – Amsterdam aufnehmen.

Die Kapazität der bereits bestehenden Verbindung von Zürich über Basel nach Berlin und Hamburg soll ab dem Fahrplan 2023 erhöht werden. Dann sollen zwei separate Züge auf der Strecke zum Einsatz kommen. Zudem soll die Verbindung nach Prag als Zugteil des Berliner Nightjet mit Schlaf- und Liegewagen neu über Deutschland geführt werden. „Durch die geänderte Linienführung entsteht eine direkte Verbindung nach Leipzig und Dresden“, so die ÖBB.

Die Strecke Wien-München-Paris soll laut „Spiegel“-Informationen in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember  aufgenommen werden. Konkrete Angaben beispielsweise zu Preisen mache die Deutsche Bahn bisher noch nicht. Sie bestätigt lediglich, dass die Fahrzeuge von der ÖBB gestellt würden, aber deutsches Personal im Einsatz sei. Und, dass das neue Angebot zum Fahrplanwechsel 2021/2022 eingeführt werde.

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Das sind die Pläne für das Nightjet-Netz Schweiz 2024.

Außerdem ist eine neue Linie von Zürich über Bern – Brig – Domodossola nach Rom geplant sowie eine Verbindung von Zürich über Bern – Lausanne – Genf nach Barcelona. Allerdings ist die Einführung noch nicht sicher, es gebe noch Abklärungsbedarf mit anderen Partnerbahnen.

Neue Garnituren sollen das Reisen im Nachtzug noch attraktiver machen

Des Weiteren investieren die ÖBB auch in neues Rollmaterial, das heißt: in neue Schlaf- und Liegewagen mit Nachtzug-Garnituren. Denn die ÖBB und SBB sind sich sicher, dass die Nachfrage nach Bahnreisen für schnelle Tagesverbindungen und für Nachtzüge weiter zunehmen wird. Schon vor der Corona-Krise soll die Nachfrage im internationalen Nachtzugverkehr deutlich zugenommen haben. Laut ÖBB und SBB stieg die Anzahl der Reisenden in den Nachtzügen ab der Schweiz von 2018 auf 2019 um über 25 Prozent.

Damit die Nachfrage weiterhin steigt, sollen es die Reisenden noch bequemer haben und mehr Privatsphäre erhalten. Zwei Sitzwagen, drei Liegewagen und zwei Schlafwagen der neuesten Generation sollen ab Ende 2022 dafür sorgen. Die Liegewagen werden dafür mit Minisuiten für Alleinreisende ausgestattet, und in den Schlafwagen werden künftig Toilette sowie Duschmöglichkeit hinzugefügt.

Ab Ende 2022 sollen die „Minisuiten“ im Liegewagen des Nightjets zum Einsatz kommen.

Positive Wirkung von Nachtzügen auf das Klima

Der Trend zum Nachtzug ist laut ÖBB und SBB vor allem klimafreundlich, da Nachtzüge eine Verlagerung von anderen Verkehrsmitteln auf den Zug bewirken. So sei das gemeinsame Ziel, mehr Reisen auf die Bahn zu verlagern und damit einen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen im Reisesektor zu leisten. 

Nach eigenen Schätzungen der SBB belaufe sich die Klimawirkung des heute bestehenden Nachtzugverkehrs ab der Schweiz auf eine Einsparung von rund 50.000 Tonnen CO2 jährlich. Dies entspreche dem durchschnittlichen jährlichen Ausstoß von 30.000 Autos.