Langsam lichtet sich der Nebel, der am frühen Morgen noch über Strahan und dem Macquarie Harbour wabert. Der Ort mit nicht einmal 700 Einwohnern an der Westküste von Tasmanien ist Ausgangspunkt für ein besonderes Erlebnis: eine Fahrt auf dem Gordon River.

Es ist 8 Uhr. In dem kleinen Hafen, wo die „Spirit of the Wild“ vor Anker liegt, ist schon einiges los. Immer mehr Menschen kommen an und gehen an Bord des Schiffes. Pünktlich um 8.30 Uhr legt es zur heutigen Flussfahrt ab. Mit dem fast 34 Meter langen Katamaran mit Hybridantrieb geht es zunächst durch den Macquarie Harbour.

Im Oberdeck des Schiffes haben die Passagiere viel Platz, um die Fahrt zu genießen.


Wir nehmen im Premier Upper Deck in bequemen, breiten Ledersitzen Platz. Während hinter den großen Panoramafenstern die Landschaft vorbeizieht, sorgt die Crew während der kompletten Fahrt an Bord dafür, dass der Ausflug aber noch aus einem anderen Grund in Erinnerung bleibt – dank der feinen Auswahl an Speisen und Getränken.

Den Auftakt bildet ein kleines Frühstück mit Gebäck und Früchten. Am späteren Morgen werden Kanapees gereicht, bevor zu guter Letzt ein Lunch in Büfettform serviert wird. Zu Köstlichkeiten wie gedämpfter Forelle mit einer Zitronen-Myrten-Buttersoße oder geräuchertem Lachs aus dem Macquarie Harbour werden tasmanische Weine, Biere und alkoholfreie Getränke angeboten.

Auf dem Upper Deck wird ein Lunch mit tasmanischen Spezialitäten serviert.

Hells Gates ist eine berühmt-berüchtigte Meerenge

Erstes Ziel der Fahrt sind die berühmten Hells Gates – eine Meerenge, die den Zugang zum Macquarie Harbour bildet. Sie ist bekannt für ihre Strömungen und Untiefen. Und tatsächlich schaukelt es, als wir sie passiert haben, plötzlich ziemlich. Kurz nachdem die „Spirit of the Wild“ gewendet hat und wieder in die Bucht eingefahren ist, wird es aber schnell wieder ruhiger.

Die Passage durch die Meeresenge Hells Gate ist einer der Höhepunkte der Schifffahrt.


Während der Fahrt erfahren wir dank Audioguide sehr viel Wissenswertes. Etwa, dass in der nur 315 Quadratkilometer großen Bucht rund 60 Schiffswracks liegen. Oder dass die Lachsfarmen, die wir auf dem Weg zum Gordon River passieren, nicht immer unumstritten waren – wegen der Umweltprobleme, die sie verursachten. Aber auch, dass derjenige, der bei den Züchtern mehr als 40.000 Fische ordert, sogar die Farbe bestimmen kann, die das Lachsfleisch später haben soll. Europäer mögen es lieber heller, auf dem asiatischen Markt kommt das dunklere Lachsfleisch besser an.

Gordon River fließt durch den Nationalpark

Schließlich fährt die „Spirit of the Wild“ in den Unterlauf des Gordon River ein, der Teil des Franklin-Gordon-Wild-Rivers-Nationalparks ist. Kapitän Pete Thompson stellt auf den Elektroantrieb um. Das Schiff gleitet beinahe geräuschlos dahin. Dabei bietet sich den Passagieren meistens ein ganz besonderes Schauspiel.

Die Bäume und Sträucher am Ufer spiegeln sich auf der glatten Wasseroberfläche, und wer nicht genau hinschaut, muss sich schon ein wenig Mühe geben, um noch den Unterschied zwischen Himmel und Erde auszumachen. Das Wasser ist so rein, dass es Trinkwasserqualität hat – auch wenn es farblich eher an einen dünnen Tee erinnert.

Was für ein Naturschauspiel: Während die „Spirit of the Wild“ beinahe geräuschlos über den Gordon River gleitet, spiegeln sich die Bäume und Sträucher in der glatten Wasseroberfläche und lassen die Grenzen zwischen Himmel und Erde verschwimmen.

Im Nationalpark wächst die seltene Huon-Kiefer

Bei einem kurzen Landgang bekommen die Passagiere die Gelegenheit, die reiche Flora und Fauna der Gegend näher unter die Lupe zu nehmen. Wissenswertes lesen sie nicht nur auf den Informationstafeln, sondern sie erfahren es auch von einem der Guides.

Etwa das: 1982 wurde der Franklin-Gordon-Wild-Rivers-Nationalpark gemeinsam mit anderen Nationalparks als Teil der Tasmanischen Wildnis in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen. Es wurde verboten, die seltene Huon-Kiefer zu fällen, die hier einst in großen Mengen wuchs. Selbst um das tote Holz zu entsorgen, braucht man heute eine spezielle Genehmigung. Schon tutet das Schiffshorn und gibt das Zeichen für den baldigen Aufbruch zum nächsten Stopp.

Beim Landgang hast du die Chance, die heimische Flora und Fauna näher kennenzulernen.

Sarah Island war die erste Strafkolonie Australiens

Ein weiterer Höhepunkt der Tour ist der Besuch von Sarah Island. Die kleine Insel war von 1822 bis 1834 eine Strafkolonie – die erste Australiens. In ihren Anfangsjahren galt sie sogar als härtestes Gefängnis des britischen Empires. Die Gefangenen waren es auch, die einst der Meerenge Hells Gate, also Höllentor, ihren Namen gaben, die sie auf dem Weg zur Strafkolonie passieren mussten.

Auf der Insel selbst erinnern heute nur noch einige Ruinen an die Vergangenheit. Die meisten Gebäude waren aus Holz gebaut. Sie sind längst verrottet. Dafür, dass die Erinnerung trotzdem lebendig wird, sorgen die Guides, die während des kurzen Aufenthaltes über die Insel führen. Sie geben einen eindrucksvollen Einblick in die harten Lebensbedingungen während der Gefangenschaft. Wir erfahren, dass die Gefangenen in der Umgebung die Huon-Kiefern fällten. Das meiste des Holzes wurde nach Hobart verschifft. Aus dem Rest bauten die Männer Schiffe.

In der ehemaligen Strafkolonie Sarah Island erinnern Ruinen an die Vergangenheit auf der Insel.

Sarah Island galt als Hölle auf Erden.

Ingrid Luker, Tourguide

„Sarah Island galt als Hölle auf Erden“, sagt Tourguide Ingrid Luker. Das war vermutlich auch der Grund, weshalb die Strafgefangenen immer wieder versuchten, von der Insel zu flüchten. Das gelang allerdings nur wenigen. Der letzte Fluchtversuch ist gleichzeitig der bekannteste: 1834 kaperten zehn Gefangene das letzte in der Kolonie gebaute Schiff. Die „Frederick“ sollte eigentlich zum neuen Gefängnis Port Arthur an der Ostküste Tasmaniens segeln. Doch die Gefangenen hatten andere Pläne. Ihre abenteuerliche Reise endete schließlich in Chile.

Theaterstück erinnert an Vergangenheit

Unsere Tour geht nach dem letzten Stopp auf Sarah Island in Strahan zu Ende. Hier erinnert seit 1994 das äußerst unterhaltsame Theaterstück „The Ship That Never Was“ an die letzte Flucht von der Insel. Das ist direkt am Hafen zu sehen – nur wenige Meter vom Schiffsanleger entfernt.

Tipps für deine Reise nach Tasmanien

Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften bieten Verbindungen mit Zwischenstopp nach Melbourne an. Von dort geht es weiter nach Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien. Bis nach Strahan sind es weitere knappe 300 Kilometer, also mindestens vier Stunden Fahrtzeit mit dem Mietwagen. Bei einer Tour empfehlen sich Stopps am Lake St. Clair und in der ehemaligen Goldgräberstadt Queenstown.

Einreise: Aktuell gilt coronabedingt ein Einreiseverbot für ausländische Reisende.

Gordon River Cruise: Das Schiff legt am Anleger in Strahan ab. Check-in ist ab 8 Uhr; Abfahrt um 8.30 Uhr. Die Tour dauert etwa sechs Stunden. Tickets für das Hauptdeck sind für 140 AUD für Erwachsene und für 69 AUD für Kinder erhältlich. Fensterplätze kosten 175 AUD für Erwachsene und 89 AUD für Kinder. Für das Premier Upper Deck werden 285 AUD pro Person fällig. In dem Preis sind ganztägig Speisen und Getränke enthalten. Die Audiotour ist auch in deutscher Sprache erhältlich.

Theater:The Ship That Never Was“ ist die am längsten laufende Theaterproduktion in Tasmanien. Das Theaterstück wird von September bis Mai im Richard Davey Amphitheatre (12 The Esplanade) gezeigt. Beginn ist von September bis Mai täglich um 17.30 Uhr. Eintritt: 25 AUD für Erwachsene, 12,50 AUD für Studenten, 2,50 AUD für Kinder.
 

Das Theaterstück „The Ship That Never Was“ erzählt auf äußerst unterhaltsame Art die Geschichte der letzten Flucht aus der Strafkolonie Sarah Island.

Die Reise wurde unterstützt von Tourism Australia und Tourism Tasmania. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.