Jeden Tag werden sie von Millionen Menschen angeschaut, doch die wenigsten haben sie vermutlich selbst einmal betreten: Die Rede ist von den Brücken, die auf den sieben Euro-Scheinen abgebildet sind. Aber: Wusstest du, dass keines der abgebildeten Bauwerke wirklich existierte, als die Währung im Jahr 2002 in Umlauf gebracht wurde?

Es war damals nicht vorgesehen, dass die Bauwerke jemals betreten werden können. Der Druck hatte vielmehr Symbolcharakter, als Zeichen dafür, dass in Europa Grenzen überbrückt werden. Doch vor ein paar Jahren hatte der niederländische Designer Robin Stam die Idee, die Brücken vom 10er-, 20er-, 50er-, 100er-, 200er- und dem 500er-Schein in echt nachzubauen – und zwar in der Stadt Spijkenisse in Süd-Holland.

Euro-Schein-Brücken stehen in Süd-Holland

Dort entstand im Jahr 2011 das von Grachten umgebene Wohnviertel „De Elementen“ – neue Brücken sollten es für den Fuß-, Rad- und Autoverkehr zugänglich machen. Der Bürgermeister war begeistert von Stams Idee, und die Brücken wurden bis zum Jahr 2013 gebaut. Sie fielen im Maßstab allerdings deutlich kleiner aus, als sie auf den Banknoten wirkten. 

Der Entwurf für die Euro-Noten-Brücken stammt übrigens vom Österreicher Robert Kalina, der ab 1982 für die Gestaltung des österreichischen Schillings verantwortlich war. Er reichte als einer von 44 Designern Ideen für die Euro-Banknoten ein – und gewann. Kalinas Entwürfe zeigen keine Gesicher auf den Scheinen, sondern Elemente der Architektur: Fenster, Tore und Brücken. Das sollte den Weg der Staaten zueinander symbolisieren.

Um den Vorgaben der Zentralbank gerecht zu werden, leitete der Österreicher die Zeichnungen lediglich von existierenden europäischen Baustilen unterschiedlicher Epochen ab und platzierte sie in chronologischer Weise auf den unterschiedlichen Banknoten.

Durch die fiktive Gestaltung sollte kein Land besondere Vorteile gegenüber den übrigen Nationen wähnen – schließlich umfasst die Euro-Zone mit 19 Staaten erheblich mehr, als es Euro-Scheine gibt. Diese Vorteilsnahme war eine der Bedingungen der Europäischen Zentralbank an die Designer: Keiner der Scheine dürfe einen Anlass für nationale Eifersüchteleien bieten. Die EZB genehmigte auch den echten Bau der Brücken, nachdem die Stadt sie gesondert für die Verwendung angefragt hatte. 

Auch andere Nationen erheben Anspruch auf Motive

Trotz aller Mühen und Vorgaben beanspruchten manche Nationen einzelne Motive für sich: Die antike Bauweise des auf dem Fünf-Euro-Schein abgebildeten Bauwerks erinnert in der Tat an das römische Aquädukt „Le Pont du Gard“ in Südfrankreich.

Das römische Aquädukt in Südfrankreich sieht tatsächlich so aus wie das Motiv auf den Fünf-Euro-Scheinen.

Die 500-Euro-Schein-Brücke beanspruchen gleich mehrere Länder für sich: Neben Frankreich verfügen auch Portugal und Finnland jeweils über ähnliche Bauwerke: Das Viaduc de Milla, das 2004, also nach Einführung des Euro eingeweiht wurde, wird von den Franzosen immer wieder als Vorbild für den Entwurf des 500-Euro-Scheins genannt. Tatsächlich wurde mit dem Bau der 2460 Meter langen Konstruktion bereits 2001 begonnen.

Der Bau der ebenfalls infrage kommenden Vasco-da-Gama-Brücke in Lissabon sieht dem Motiv auf dem 500-Euro-Schein ebenfalls sehr ähnlich. Die Ähnlichkeiten der Storebæltsbro in Finnland sind zumindest rein optisch ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht bestätigt die Häufigung der Ähnlichkeiten auch lediglich die Inspiration, die Kalina in seine Designs einfließen ließ.