Für mehr als 160 Länder außerhalb Europas gilt seit dem 17. März wegen der Coronavirus-Pandemie eine Reisewarnung. Doch diese pauschale Bewertung endet nun, stattdessen wird die Lage für jedes Land der Welt differenziert betrachtet, so wie es aktuell bereits in der Europäischen Union der Fall ist.

Was bedeutet die Änderung konkret für Urlauber? Der reisereporter beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann endet die weltweite Reisewarnung?

Die pauschale Reisewarnung der Bundesregierung für mehr als 160 Länder weltweit endete am Donnerstag, 1. Oktober 2020. Seither gibt es individuelle Reisehinweise für jeden Staat.

Das Auswärtige Amt warnte bislang – unabhängig von der Einstufung als Risikogebiet – vor „nicht notwendigen touristischen Reisen“ in mehr als 160 Länder weltweit. Ein Beispiel: Für Neuseeland, Thailand und Georgien gilt nach wie vor eine Reisewarnung, alle drei Länder gelten jedoch nicht mehr als Corona-Risikogebiete und sind nicht in der entsprechenden Liste des Robert-Koch-Institutes (RKI) aufgeführt.

Was bedeutet die Aufhebung der pauschalen Reisewarnung?

Das soll anders werden, denn das Auswärtige Amt will künftig individuelle Reisehinweise für jedes Land erstellen, die auf den Einschätzungen des RKI beruhen. Das bundeseigene Institut geht sogar noch mehr ins Detail und betrachtet die Corona-Infektionszahlen und Maßnahmen in den Regionen der jeweiligen Länder.

Aktuell liegt der Fokus hier auf Europa – und da kommt es inzwischen häufig vor, dass nur einzelne Regionen oder Städte als Risikogebiet ausgewiesen werden. So wie aktuell in Dänemark, dort ist nur die Region Hovedstaden mit Kopenhagen als Risikogebiet ausgewiesen und es gilt eine Reisewarnung. Dieses Vorgehen dürfte ab dem 1. Oktober noch häufiger vorkommen.

Konkret soll ab dem 1. Oktober ein dreistufiges System greifen – eine Art Ampelsystem:

Höchste Warnstufe rot: Eine Reisewarnung folgt künftig automatisch auf die Einstufung eines Landes oder einer Region als Risikogebiet. Und die erfolgt, wenn ein Gebiet mehr als 50 gemeldete Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen hat.

Mittlere Warnstufe gelb: Von Reisen abraten wird das Auswärtige Amt weiterhin, wenn Länder Einreiseverbote aussprechen, Einreisebeschränkungen wie Quarantäne gelten oder der Flugverkehr eingeschränkt ist.

Warnstufe Grün: Hier heißt es: Urlaub auf eigene Gefahr. Denn in diesen Fällen gilt zwar keine Reisewarnung und die Grenzen sind geöffnet. Aber die Corona-Pandemie entwickelt sich so dynamisch, dass sich an der Situation schnell etwas ändern kann.

Sind mit Aufhebung der pauschalen Reisewarnung wieder mehr Reisen möglich?

An der Reisefreiheit wird sich vermutlich ab dem 1. Oktober nichts ändern. Dafür gibt es drei Gründe:

Grund 1: Länder, die aktuell ihre Grenzen geschlossen haben, werden voraussichtlich nicht kurzfristig öffnen. Das gilt beispielsweise für die oben genannten Beispiele Neuseeland und Thailand.

Grund 2: Das Auswärtige Amt will nach eigenen Angaben künftig weiterhin für solche Länder eine Reisewarnung aussprechen, die auf der Risikogebiete-Liste des Robert-Koch-Institutes stehen. Und da die Infektionszahlen vielerorts eher steigen als sinken, wird das auch weiterhin auf viele Länder weltweit zutreffen.

Grund 3: Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot, sondern vielmehr ein dringender Appell des Auswärtigen Amtes. Wer unbedingt in ein Land reisen will, das Risikogebiet ist und für das eine Reisewarnung gilt, konnte das auch bisher schon und könne das auch weiterhin. Touristen müssen jedoch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Je nach aktueller Regelung wäre ein Corona-Test oder eine Quarantäne am Urlaubsziel oder nach der Rückkehr in Deutschland nötig.

Kann ich bei einer Reisewarnung den Urlaub stornieren?

Auf diese Frage gibt es kein klares Ja oder Nein. Generell gilt: Liegt vor Ort eine Gefährdungslage vor, die bei Reisebuchung nicht absehbar war, können Touristen kostenlos stornieren und haben ein Recht auf die Rückzahlung des Reisepreises. Eine Reisewarnung oder die Einstufung als Risikogebiet sind ein starkes Indiz dafür, dass eine Gefährdungslage vorliegt.

Das gilt aber nur für Pauschalreisen. Wer Flug und Hotel individuell bucht, hat diese Möglichkeit nicht unbedingt. Daher sollten sich Verbraucher während der Reiseplanung Gedanken hierzu machen.

Sollte ich lieber eine Pauschalreise oder eine Individualreise buchen?

Pauschalreise oder Individualreise – wer überlegt, was er buchen sollte, dem sei folgende Faustregel ans Herz gelegt: Eine Individualreise können Urlauber im Fall einer Reisewarnung mit größerer Wahrscheinlichkeit antreten als die Pauschalreise, allerdings können sie eine Pauschalreise mit größerer Wahrscheinlichkeit stornieren als die Individualreise.

Die meisten Veranstalter stornieren im Fall einer Reisewarnung von sich aus Buchungen in die betroffenen Gebiete oder räumen ihren Kunden diese Möglichkeit offen ein. Es gibt Ausnahmen – so hatte Tui zuletzt angekündigt, in den Herbstferien trotz Reisewarnung wieder Urlaub auf den Kanaren anbieten zu wollen. Für Verbraucher soll die Stornierung aber weiterhin möglich sein: Tui wolle dem Gast die Wahl geben, ob er die Reise antreten oder kostenlos stornieren oder umbuchen möchte, teilte der Reiseveranstalter mit.

Auch Alltours bietet beispielsweise Mallorca-Reisen an und überlässt den Kunden die Entscheidung, ob sie in das Risikogebiet fliegen wollen.

Bei Individualreisen gelten immer die jeweiligen AGB, anders als bei einer Pauschalreise greift hier nicht das EU-Pauschalreiserecht. Das heißt: Auch wenn das Reiseziel zum Risikogebiet erklärt wird und erhebliche Beeinträchtigungen vor Ort vorliegen, können Urlauber nicht generell stornieren. Sie tragen in diesen Fällen das Verwendungsrisiko.

Worauf müssen Reisende künftig achten?

Ratschlag 1: Die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes für das jeweilige Reiseziel sollten vor der Buchung, vor der Abreise und während der Reise selbst regelmäßig gecheckt werden. Denn die Bundesbehörde liefert dort die wichtigsten Infos zur Einreise und Ausreise sowie den Corona-Regeln im Reiseland.

Ratschlag 2: Vor der Reisebuchung immer die AGB und Stornierungsbedingungen des Reiseveranstalters, der Airline oder der Unterkunft überprüfen. Nur so stellen Verbraucher sicher, dass sie einen Urlaub buchen, den sie im Fall der Fälle stornieren oder auf einen späteren Zeitpunkt umbuchen können. Nicht alle Unternehmen bieten in der Krise kulante Stornierungsbedingungen an.

Ratschlag 3: Vor Ort sollten Urlauber die Berichterstattung in den lokalen Medien und die Infos auf den Seiten der Regierung verfolgen. Denn sollten die Corona-Infektionszahlen am Reiseziel steigen und die Einstufung als Risikogebiet drohen, erfahren sie es so schnell und verlässlich.