Die Urlauber, die im Rahmen der Corona-Rückholaktion im Frühjahr zurück nach Deutschland geflogen wurden, erhalten noch immer nach und nach die Rechnungen. Von den insgesamt rund 240.000 Betroffenen würden aktuell rund 67.000 die Kostenbescheide erhalten, informiert die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB). Zahlen müssen sie je nach Flugstrecke 200 bis 1000 Euro. Damit beteiligen sie sich an den insgesamt 94 Millionen Euro, die die Rückholaktion gekostet hat.

Doch die Urlauber müssten nicht auf den Kosten sitzen bleiben, betont die Verbraucherzentrale. Pauschalreisende können diese von ihrem jeweiligen Reiseveranstalter zurückholen. „Mit der Teilnahme an der Rückholaktion haben die Pauschalurlauber einem Reisemangel selbst abgeholfen und können Ersatz der Kosten verlangen“, erklärt Robert Bartel, Rechtsexperte bei der VZB. „Da keine Flüge angeboten wurden, ist unserer Ansicht nach die normalerweise erforderliche Fristsetzung gegenüber dem Reiseveranstalter nicht nötig gewesen.“

Die Corona-Pandemie sei zwar ein außergewöhnlicher Umstand gewesen, aber gelte nicht als Ausrede. „Nach Reisebeginn trägt der Reiseanbieter das Risiko für einen solchen Umstand“, so Bartel.

So fordern Pauschalurlauber die Kosten für die Rückholaktion ein

Wer einen Kostenbescheid erhält, sollte zügig handeln. Nach einer Prüfung auf Richtigkeit und der Begleichung der Forderung können Pauschalurlauber den Reiseveranstalter über die entstandenen Kosten informieren und die Erstattung innerhalb einer angemessenen Frist verlangen.

„Sofern nicht bereits geschehen, sollten Pauschalreisende zusätzlich ihre Minderungsansprüche geltend machen, wenn die Reise vorzeitig abgebrochen wurde.“ Dabei kann zum Beispiel die Verbraucherzentrale helfen.

Auch Rücksacktouristen können einen Teil der Kosten zurückerhalten

Und wie sieht es bei Individualreisenden aus? Zwar werden sie in den meisten Fällen auf den Kosten der Rückholaktion sitzen bleiben. Aber es gibt einen Lichtblick: Wer einen Flug bei einer Airline in der EU gebucht hatte, kann von der Fluggesellschaft zumindest die Erstattung des Preises für den Flug verlangen, der gestrichen wurde.

„Die Chancen sind allerdings gering, die Differenz zwischen dem Flugpreis und den Mehrkosten durch die Rückholaktion zurückzubekommen“, so Bartel. Denn die Fluggastrechteverordnung sehe keine Ausgleichszahlung vor, wenn die Annullierung wegen Covid-19 erfolgt, etwa weil Flüge oder Einreise verboten sind.

Bis Mitte September hatten Teilnehmende der Rückholaktion erst 2,7 Millionen der 47 Millionen Euro gezahlt, berichtet das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Allerdings läuft auch die Aussendung der Kostenbescheide schleppend: Bis Anfang August waren erst 3000 Bescheide verschickt worden.