Geschlossene Grenzen, stornierte Flüge und abgesagte Reisen: Die Corona-Pandemie sorgt im Jahr 2020 für ordentlich Chaos – das Auswärtige Amt sprach am 17. März 2020 erstmals eine weltweite Reisewarnung für alle nicht notwendigen touristischen Reisen ins Ausland aus. 240.000 Deutsche mussten bei der bisher größten Rückholaktion der deutschen Geschichte aus dem Ausland zurückgeflogen werden.

Seither sind die meisten Grenzen wieder geöffnet, internationale Flüge sind wieder möglich. Die pauschale Reisewarnung besteht derzeit noch für 160 Länder außerhalb Europas. Ab dem 1. Oktober werden statt der Reisewarnungen wieder Reise- und Sicherheitshinweise für einzelne Länder gelten.

Reisewarnung für Regionen in elf EU-Ländern – auch Kopenhagen, Lissabon und Dublin

Gleichzeitig aber werden immer mehr Reisewarnungen innerhalb Europas reaktiviert, am 23. September traf es so auch beliebte Städte wie Kopenhagen, Lissabon und Dublin. Insgesamt sind nun 14 der 27 EU-Mitgliedsstaaten wieder ganz oder teilweise als Covid-19-Risikogebiete ausgewiesen und es gilt eine Reisewarnung: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Irland, Kroatien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Rumänien, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn.

Aus Ländern in der EU kommen Reisende ja meist noch recht gut wieder nach Hause – ärgerlich ist, dass dort dann Quarantäne droht. Was aber, wenn Urlauber eine Fernreise antreten und dann wieder eine Reisewarnung ausgesprochen wird? Wo können Urlauber Hilfe suchen? Der reisereporter gibt dir einen Überblick.

Was bedeutet eigentlich eine Reisewarnung – wann gilt sie?

Eine Reisewarnung ist die höchste Warnstufe der Bundesregierung für Touristen – im Zweifelsfall kann das Auswärtige Amt Touristen zur Ausreise auffordern. Als Voraussetzung für diese höchste Warnstufe gilt eine „konkrete Gefahr für Leib und Leben“ von Urlaubern.

Vor der Corona-Pandemie galt eine Reisewarnung daher nur für Kriege, Aufstände und (Natur-)Katastrophen. Reiseveranstalter brachten dann Urlauber sofort zurück nach Deutschland und die Reisen konnten kostenlos storniert werden. Dabei ist und war eine Reisewarnung nie ein Reiseverbot.

Seit dem Ausbruch des Coronavirus wird die Reisewarnung aber auch bei starken Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, bei Einreisebeschränkungen und Quarantänemaßnahmen ausgesprochen – und wenn ein Land mehr als 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen aufweist und damit als Corona-Risikogebiet gilt.

Auch manche Veranstalter reagieren mittlerweile anders: Wenn am Anfang der Pandemie auch bei diesen Fällen die Reisen noch storniert wurden, rücken einige mittlerweile davon ab. Solange die Einreise ins Urlaubsland weiterhin uneingeschränkt möglich ist, werden die Reisen durchgeführt. Vor allem Individualreisende können wieder fast überallhin reisen – auch in Fernreiseziele wie Amerika, die Karibik oder die Malediven.

Lockdown oder Katastrophen – wo finden Reisende Hilfe?

Nach dem 1. Oktober könnten auch Pauschalreisende wieder in den Genuss von Fernreisen ohne Konsequenzen kommen, sofern das Auswärtige Amt die Länder als sicher bewertet. Sollte es am Urlaubsort dennoch zu einem weiteren Lockdown oder zu einschneidenden Katastrophen kommen, wodurch eine Reisewarnung reaktiviert wird, müssen sich, wie auch vor der Corona-Krise, die Reiseveranstalter um die sichere Rückkehr der Urlauber kümmern. Denn die Bundesregierung hat nach der Rückholaktion klargemacht: Es wird keine zweite derartige Aktion geben.

Da Individualreisende vor Ort oft keinen direkten Ansprechpartner haben, ist eine Rückkehr für sie bedeutend schwieriger. Daher sollten sie sich – auch bei kurzfristigen Aufenthalten – in der Krisenvorsorgeliste Elefand registrieren, damit die Botschaften im Ernstfall mit den Reisenden Kontakt aufnehmen können. 

In Krisensituationen und bei Evakuierungen rät das Auswärtige Amt allen im Land befindlichen Touristen, „dringend mit der nächsten Auslandsvertretung Verbindung aufzunehmen, ihren Aufenthaltsort bekannt zu geben und Hinweise der Botschaften oder Konsulate genau zu beachten. Wenn alle anderen Kommunikationsmittel ausfallen sollten, versucht das Auswärtige Amt, gefährdete deutsche Staatsangehörige über nationale und internationale Radiosender zu erreichen.“ Viele Auslandsvertretungen bespielen außerdem Social-Media-Kanäle, auf denen sie über Maßnahmen vor Ort informieren.

Bei einer Evakuierung von Deutschen habe die Rettung der Gefährdeten oberste Priorität. Aufgrund geltender zwingender Rechtsvorschriften müssen die Kosten der Evakuierung später von den Empfängern der Hilfe zurückgefordert werden. 

Botschaften und Konsulate helfen auch bei persönlichen Krisen

Auslandsvertretungen wie Botschaften und Konsulate helfen auch unabhängig von einer Reisewarnung bei persönlichen Krisen, beispielsweise bei Vermissten- oder Todesfällen oder wenn Urlauber ausgeraubt wurden und somit weder Geld noch Reisepass haben. Dann stellen sie Ersatzpässe aus, vermitteln Kontakte zu örtlichen Übersetzern, Ärzten und Rechtsanwälten. Die Unterstützung richtet sich dabei immer nach den Umständen und Möglichkeiten im Einzelfall.

Laut dem Auswärtigen Amt haben die deutschen Auslandsvertretungen in den vergangenen Jahren sogar Hilfe bei der Insolvenz von Reiseveranstaltern geleistet. Dennoch appelliert die Institution: „Jeder, der eine Pauschalreise bucht, sollte also prüfen, ob ein vermeintlich günstiger Anbieter auch ein zuverlässiger Vertragspartner ist.“ 

Bei einer Umbuchung der Rückreise könne Individualreisenden aber nicht geholfen werden. „Dabei sind Urlauber auf sich selbst gestellt“, sagt Robert Bartel, Rechtsreferent der Verbraucherzentrale Brandenburg, in einem Bericht der „Welt“. Er rät daher für den Fall einer persönlichen Krise, ein flexibles Ticket zu buchen, auch wenn die meist teurer sind – derzeit bieten viele Airlines ohnehin kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten an.

Auslandskrankenversicherung hilft nur bei Krankheit

Bei einer Corona-Infektion am Urlaubsort mit einer Reisewarnung springen zwar einige Auslandskrankenversicherungen für die Kosten einer Behandlung im Ausland und den Rücktransport ein – jedoch nicht bei Quarantänemaßnahmen. Auch Reiseabbruchversicherungen können bei einer gesetzlichen Quarantänepflicht nicht helfen, ebenso wenig wie deutsche Auslandsvertreter.