Prag, Wien, Budapest, große Teile Frankreichs, ganz Spanien: Die Liste der Corona-Risikogebiete wächst. Wer in den Herbstferien verreisen will, muss sich daher auf Einschränkungen einstellen.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat aus diesem Grund von Reisen in Risikogebiete abgeraten: „In unseren direkten Nachbarländern liegen die Infektionszahlen teilweise achtmal so hoch wie in Deutschland. Das sollte jedem Reisenden zu denken geben“, sagte Spahn der „Rheinischen Post“. Trotzdem gibt es viele Menschen, die den Urlaub im Ausland nicht absagen und in ein betroffenes Gebiet fahren wollen.

Risikogebiet und Reisewarnung sind kein Reiseverbot

Da weder die Ausweisung eines Landes als Risikogebiet noch die Reisewarnung der Bundesregierung ein Reiseverbot sind, ist das auch möglich. „Reisewarnungen stellen kein juristisches Ausreiseverbot dar, zum Beispiel im Sinne beschränkender Maßnahmen nach passrechtlichen Vorschriften“, teilt das Auswärtige Amt hierzu mit. Vielmehr handelt es sich um einen dringenden Appell, der eine abschreckende Wirkung haben soll.

Trotzdem sollten sich Touristen genau überlegen, ob sie die Reise wirklich antreten wollen, und sich zunächst intensiv mit den Risiken und Konsequenzen auseinandersetzen. Dafür gibt es hier den Überblick.

Auslandskrankenversicherung: Zahlt sie auch im Risikogebiet?

Ein wichtiger Aspekt ist: Wer trotz Reisewarnung in ein Risikogebiet reisen muss oder möchte, ist in der Regel nicht durch die Reisekrankenversicherung geschützt. Weder bei einem Beinbruch noch für einen möglicherweise nötigen Rücktransport nach Deutschland noch bei einer Coronavirus-Infektion.

Journalisten, Geschäftsreisende, Entwicklungshelfer oder Abenteurer müssen eine spezielle Krankenversicherung abschließen, die auch in Risikogebieten greift, erklärt das Branchenportal reiseversicherung.com.

Wichtig: „Individualreisende, die eine Versicherung für Gefahrenländer abschließen, müssen im Gegensatz zu herkömmlichen Reiseversicherungen mit eingeschränkten Leistungen, Selbstbehalten und deutlich höheren Prämien rechnen.“

Es gibt jedoch auch Länder, die in der aktuellen Pandemie spezielle Corona-Versicherungen anbieten, die immerhin die Kosten bei einer Coronavirus-Infektion übernehmen. Dazu zählen beispielsweise die Kanaren, die Türkei, Portugal und die Dominikanische Republik.

Wie steht es um das Gesundheitssystem am Reiseziel?

Die Einstufung eines Landes als Corona-Risikogebiet hat nicht nur mit den Infektionszahlen zu tun, darüber informiert das Robert-Koch-Institut. Daneben wird auch für Staaten und Regionen, die den genannten Grenzwert nominell unterschreiten, geprüft, ob die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliegt. 

Maßgeblich für die Bewertung sind auch die Qualität des Gesundheitssystems, Testkapazitäten und durchgeführte Tests pro Einwohner sowie in den Staaten ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Auch Touristen sollten sich vor der Abreise darüber informieren, wie es um das Gesundheitssystem am Urlaubsziel bestellt ist. Denn in einem Land mit schlechtem Gesundheitssystem will wohl niemand an Covid-19 erkranken, selbst wenn er eine spezielle Reiseversicherung abgeschlossen hat.

Reise ins Risikogebiet – wie verhalte ich mich?

Grundsätzlich gilt: In jedem Land gelten Schutzmaßnahmen, ob es als Risikogebiet ausgewiesen ist oder nicht. Der Mindestabstand variiert je nach Ziel – im Regelfall sind ein bis zwei Meter vorgeschrieben. Wo dieser Abstand nicht eingehalten werden kann, sollte eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Vielerorts gilt sogar eine Maskenpflicht, auch im öffentlichen Raum. Außerdem sollten sich Touristen regelmäßig die Hände waschen und desinfizieren – ins Gesicht fassen ist tabu.

Diese Hygiene-Regeln sollten immer befolgt werden, sie verringern das Risiko einer Ansteckung mit Covid-19. Denn unvernünftiges Verhalten von Menschen befeuert die Verbreitung des Virus.

Muss ich zusätzlich Urlaub für die Reise ins Risikogebiet nehmen? 

Bislang gilt bei einer Reise ins Risikogebiet: Die Urlauber müssen nach der Rückreise in Deutschland innerhalb von 72 Stunden einen Corona-Test machen lassen – sofern sie nicht frühestens 48 Stunden vor der Abreise im Urlaubsland einen gemacht haben – und bis zum Erhalt des negativen Ergebnisses in Quarantäne. Die deutsche Bundesregierung will diese Teststrategie jedoch ändern.

Demnächst soll demnach stattdessen wieder die Quarantäneregeln gelten. Das heißt: Urlauber müssen zwangsweise bis zu zehn Tage in häusliche Isolation, diese soll erst durch einen Coronatest frühestens am fünften Tag verkürzt werden können. 

Kommt die Zwangsquarantäne doch erst ab November?

Die neuen Quarantäne-Regeln der Bundesregierung sollten „möglichst ab dem 1. Oktober“ gelten, kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende August an. Doch einem Bericht der „Bild“ zufolge wird daraus nichts.

Eine wichtige Voraussetzung für die Quarantänestrategie war die Digitalisierung der sogenannten Aussteigerkarten, die Rückkehrer aus Risikogebieten ausfüllen müssen, um die Kontrolle der Selbstisolation besser gewährleisten zu könnnen. Und genau an diesem Punkt hakt es der „Bild“ zufolge. Außerdem gebe es Bedenken, die Regeln mitten in den Herbstferien umzustellen. Daher sei nun der neue angepeilte Termin der 1. November. 

Damit würde in Bezug auf die Herbstferien gelten: Alles wie in den Sommerferien. Doch auch diese Regel kann es für einige Arbeitnehmer kniffelig machen. Wer nämlich nicht schon im Urlaubsland einen Corona-Test macht, muss weiterhin in Quarantäne bis zum Test-Ergebnis. 

Und wer nicht aus dem Homeoffice heraus arbeiten kann, ist oftmals verpflichtet, für die Zeit der häuslichen Isolation zusätzliche Urlaubstage einzureichen. Wenn keine mehr übrig sind, dann müssen individuelle Lösungen mit dem Chef her. Eine Möglichkeit könnte sein, dass die Ausfalltage durch Überstunden abgeleistet werden. Grundsätzlich sollten Arbeitnehmer sich immer vor Reisebuchung und Reiseantritt über die unternehmenseigenen Reisevorgaben informieren – diese können von Arbeitgeber zu Arbeitgeber variieren.

Was gehört für eine Reise in Corona-Zeiten ins Gepäck?

Das Kofferpacken ist für viele Menschen ohnehin schon mit Stress verbunden, in Corona-Zeiten kann es schnell zur Herausforderung werden. Denn es gehören zusätzlich zum normalen Gepäck noch folgende Dinge in den Koffer:

  • Mundschutz
  • Desinfektionsmittel für die Hände
  • Desinfektionstücher
  • eventuell Einweghandschuhe
  • Fieberthermometer 
  • Seife