Reisen in Corona-Zeiten sind bekanntlich komplizierter als gewöhnlich. Urlauber müssen vor ihrem Reiseantritt die Einreisebedingungen und die Corona-Regeln vor Ort recherchieren – und das nicht nur für Reiseziele im Ausland. Auch Urlaub in Deutschland ist nicht immer ohne Weiteres möglich.

Bundesländer wollen Beherbergungsverbot für Reisende aus deutschen Risikogebieten

Viele Bundesländer wollen ein bundesweit einheitliches Beherbergungsverbot für Urlauber aus inländischen Corona-Risikogebieten. Aber: Geeinigt haben sich zunächst nur elf der 16 Bundesländer. Bremen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen distanzierten sich auf die eine oder andere Art. 

Rheinland-Pfalz stimmte zunächst für das Beherbergungsverbot, entschied sich am 12. Oktober aber doch dagegen. Und in Baden-Württemberg wurde das Beherbergungsverbot nun vom Verwaltungsgerichtshof gekippt– ebenso setzte in Niedersachsen hat ein Gerichtsbeschluss die Regel außer Kraft.

Mecklenburg-Vorpommern setzte bereits vor dem geplanten Beherbergungsverbot auf eine Quarantänepflicht. Bisher durften Urlauber aus Corona-Hotspots dort zwar mit einem negativen Corona-Test einreisen, allerdings mussten sie für ihren kompletten Aufenthalt in Quarantäne bleiben. 

Am 17. Oktober haben sich die Landesregierung und Tourismusbranche aber nach wochenlangem Streit darauf geeinigt, dass für die Einreise lediglich ein negativer Corona-Test ausreicht. Die bislang zusätzlich geforderte Quarantäne von mindestens fünf Tagen und ein folgender zweiter Test entfallen. Nun soll diese Regelung am 21. Oktober entfallen. 

Dementsprechend gibt es nur noch in wenigen Bundesländern das Beherbergungsverbot – am 8. November wollen sich Bund und Länder nochmals neu dazu beraten.

Beherbergungsverbot gilt auch für Ferienwohnungen

Bis dahin bleiben die Regelungen zur Beherbergung von Touristen in Ferienwohnungen, Hotels und auf Campingplätzen in der Bundesrepublik weiterhin uneinheitlich – so wie schon zu Beginn der Corona-Pandemie.

Mit der zweiten Coronavirus-Welle übersteigen aber viele Orte die Inzidenz des Robert-Koch-Instituts (RKI) von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Was heißt das für den Urlaub in Deutschland? Der reisereporter erklärt die Konsequenzen für Reisende, worauf sie achten müssen und wer für ausgefallene Reisen aufkommt. 

Beherbergungsverbot für Urlauber aus deutschen Corona-Hotspots

Um über die aktuelle Lage in Deutschland zu informieren, veröffentlicht das RKI täglich einen Situationsbericht mit den aktuellen Corona-Zahlen für jedes Bundesland. Die bei Touristen beliebte Stadt Berlin hat am 8. Oktober den RKI-Inzidenz von 50 überschritten. Auch München, Frankfurt, Köln, Stuttgart und mehrere andere Städte liegen mittlerweile über diesem Wert.

Damit das Coronavirus bei Reisen innerhalb Deutschlands nicht verbreitet wird, haben die Bundesländer Regelungen für Reisende aus innerdeutschen Risiko-Landkreisen definiert. So gibt es für Touristen aus Corona-Hotspots in einigen Bundesländern ein Beherbergungsverbot.

Ich komme aus einem Corona-Hotspot – kann ich innerhalb Deutschlands trotzdem reisen?

Konkret bedeutet das für Reisende aus Corona-Hotspots, dass sie mit deutlichen Einschränkungen bei der Reise in ein anderes Bundesland rechnen müssen. In den Bundesländer mit Beherbergungsverbot dürfen sie nicht in einem Beherbergungsbetrieb übernachten, es sei denn, sie legen einen negativen Corona-Test vor, der nicht älter als 48 Stunden ist.

In welchen Bundesländern gibt es ein Beherbergungsverbot?

  • Baden-Württemberg – Beherbergungsverbot durch Gerichtsbeschluss gekippt
  • Bayern – Beherbergungsverbot gilt ab 17. Oktober nicht mehr
  • Berlin – kein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten
  • Brandenburg – Beherbergungsverbot, aber Reise mit negativem Corona-Test möglich
  • Bremen– kein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten
  • Hamburg – Beherbergungsverbot, aber Reise mit negativem Corona-Test möglich
  • Hessen – kein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten seit 19. Oktober
  • Mecklenburg-Vorpommern – Bis zum 21. Oktober gilt: Einreise mit negativem Corona-Test möglich, anschließend dennoch Quarantänepflicht. Danach: Einreise mit negativem Corona-Test möglich, keine anschließende Quarantäne
  • Niedersachsen – Beherbergungsverbot durch Gerichtsbeschluss gekippt
  • Nordrhein-Westfalen – kein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten
  • Saarland – kein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten
  • Sachsen – Beherbergungsverbot gilt ab 17. Oktober nicht mehr
  • Sachsen-Anhalt – Beherbergungsverbot durch Gerichtsbeschluss gekippt
  • Rheinland-Pfalz –  es droht eine14-tägige Quarantäne ohne negativen Corona-Test. Beherbergungsverbot wird ausgesetzt.
  • Schleswig-Holstein – Beherbergungsverbot durch Gerichtsbeschluss gekippt
  • Thüringen – kein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten

(Stand: 28. Oktober 2020)

Kann ich kostenlos stornieren, wenn ich nicht reisen darf oder will?

Laut Reiserechtsanwalt Paul Degott haben Urlauber nur ein Recht darauf, das Geld fürs gebuchte Hotelzimmer oder Ferienhaus zurückzubekommen, wenn die Beherbergungsbetriebe Reisende aus Corona-Hotspots aufgrund einer Verordnung nicht beherbergen dürfen.

Anders sieht es aber aus, wenn die Urlauber aus Risikoregionen nicht mehr verreisen wollen, weil sie einen negativen Corona-Test vorlegen müssen. „Da eine Übernachtung in dem Hotel möglich ist, hat der Gast keinen Anspruch, die Buchung kostenlos zu stornieren. Das Verwendungsrisiko liegt hier beim Mieter der Unterkunft“, so Degott.

Auch durch die Quarantänepflicht in Mecklenburg-Vorpommern, die noch bis zum 21. Oktober gilt, ändert sich der Sachverhalt nicht. Die Gäste können nur kostenpflichtig stornieren, ihren Urlaub im Hotelzimmer in Quarantäne verbringen oder auf die Kulanz des Hoteliers setzen, um auf einen anderen Zeitpunkt umbuchen zu können.

Gleiches gilt, wenn Urlauber ein Hotel in einer Risikoregion in Deutschland gebucht haben, aber nicht mehr dorthin reisen wollen: Sofern die Unterkunft weiterhin geöffnet hat und es keinen gesetzlichen Lockdown gibt, kann der Aufenthalt stattfinden – somit kannst du nicht grundsätzlich kostenlos stornieren. Es sei denn, die Stornierungsbedingungen des Hotels lassen dies zu. Wenn es aber zu einem regionalen Lockdown kommt, muss das Hotel den Aufenthalt kostenlos stornieren.

Worauf muss ich achten, wenn ich in ein deutsches Risikogebiet fahre?

Wenn du trotz hoher Corona-Zahlen dennoch an einen Hotspot in Deutschland reisen willst, solltest du dich vorher über die Corona-Regeln informieren. Für Reisende aus Mecklenburg-Vorpommern ist es zum Beispiel wichtig zu wissen, welche Region in Deutschland in den nächsten Tagen zu einem Risikogebiet werden könnte. Denn nicht nur Einreisende brauchen einen negativen Coronatest, um die 14-tägige Quarantäne, die noch bis zum 21. Oktober gilt, nach fünf Tagen auszusetzen, sondern auch Einheimische, die aus einem Risikogebiet zurück kommen.

Steigende Corona-Zahlen: Deutschland als Risikogebiet?

Übrigens: Zwar gibt es in einigen Regionen Corona-Hotspots, aber die meisten Bundesländer kratzen bisher nicht an der Sieben-Tage-Inzidenz von 50. Auf ganz Deutschland gesehen liegt der Wert daher aktuell bei 44,58 (Stand: 17. Oktober).

Andere Länder haben allerdings andere Bewertungssysteme. In Irland zum Beispiel gilt ein Land als Risikogebiet bei 25 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen 14 Tage. Da so die Corona-Neuinfektionen über einen längeren Zeitraum betrachtet werden, ergeben sich wesentlich höhere Werte.

Da Deutschland mit dieser Rechnung den Wert von 25 laut dem European Centre for Disease Prevention and Control derzeit überschreitet, steht die Bundesrepublik auf der irischen Quarantäne-Liste. Mittlerweile würde Deutschland allerdings auch bei Ländern durchfallen, für die eine Sieben-Tage-Inzidenz von 25 Infektionen je 100.000 Einwohner ausschlaggebend ist.