In Norwegen war es Kindern einst verboten, mit den Nordlichtern zu sprechen oder ihnen gar mit einem weißen Taschentuch zuzuwinken. Das sorge, so sagte es die Legende, für Unglück und würde die Nordlichter dazu animieren, die Kinder zu sich zu holen. 

Heute haben Kinder natürlich keine Angst mehr vor den Nordlichtern. Doch die Magie und das Mystische haben die Nordlichter, auch Aurora borealis genannt, nicht verloren.  

Die Nordlichter sind jene grünen, violetten und roten Schleier, die sich auf der nördlichen Erdkugel zeigen. Im Süden nennt man sie Südlichter. Da Australien allerdings zu nördlich liegt, sind die Südlichter nur selten zu entdecken. Zusammen nennt man Aurora borealis und Aurora australis dann Polarlichter. In Europa sind die Chancen auf Nordlichter deutlich höher – von Ende August bis Ende April kann man sie mit etwas Glück in verschiedenen Ländern sehen. 

Polarlichter: So entstehen sie

Zu dem Glück gehört zum einen die richtige Sonnenaktivität – nur dann entstehen die bunten Partikel in der Luft. Denn Polarlichter entstehen durch Explosionen auf der Sonne. Wenn elektrisch geladene Partikel durch die Explosionen zum Sonnensturm werden und aus der Mangnetosphäre austreten, stören sie das Magnetfeld der Erde. Sie werden nach oben und unten abgeleitet – in Richtung Nordpol und Südpol. In der Erdatmosphäre treffen sie mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen zusammen, dabei entsteht das bunte Licht – in bis zu 140 Kilometern Höhe. 

Damit die Lichter für uns sichtbar werden, muss der Himmel frei sein, bei Wolken oder auch Lichteinflüssen durch Städte in der Gegend sind die Lichter möglicherweise zwar da, aber nicht zu sehen. Du musst bei deinem Nordlichter-Trip also definitiv Geduld mitbringen. Treffen alle Faktoren zu und die Explosionen sowie der Sonnensturm sind besonders stark, kannst du die Lichter sogar in Deutschland sehen!

An einigen Orten aber, nämlich jenen, die im sogenannten Nordlichter-Oval liegen, sind die Chancen besonders groß. Der reisereporter stellt sie dir vor: 

1. Inselgruppe Lofoten in Norwegen

Die Chancen auf Nordlichter im nördlichen Teil Norwegens stehen allgemein nicht schlecht. Schon ab Mitte bis Ende August tauchen die ersten Lichter auf – und bleiben bis zum April Bestandteil des nächtlichen Sternenhimmels. Häufig wird Tromsø als Ausgangspunkt für Nordlichter-Touren genannt, allerdings ist es in der Stadt selbst meist viel zu hell. Wer in Tromsø die Aurora borealis sehen will, sollte auf die vorgelagerten Inseln ausweichen. 

Perfekte Bedingungen bieten hingegen die Lofoten – hier kannst du die Lichter fast überall sehen, wenn sie denn vorhanden sind. Die Inselgruppe ist nur dünn besiedelt, und damit ist die Lichtverschmutzung nicht sehr hoch. 

2. Kiruna in Schweden

Wer Nordlichter und Schweden hört, hört meistens den Namen einer Stadt: Kiruna. Kiruna ist allerdings nicht nur eine Stadt, sondern eine Gemeinde – so kannst du vor allem außerhalb der Stadt die Nordlichter am wahrscheinlichsten entdecken. Dennoch: Kiruna in Schwedisch-Lappland ist einer der Orte zur Nordlichter-Beobachtung, die am besten per Flugzeug erreichbar sind. 

3. Insel Senja in Norwegen

Die Insel Senja südlich von Tromsø ist unter Norwegen-Fans zwar längst kein Geheimtipp mehr, liegt aber häufig bei der Urlaubswahl hinter den Lofoten und den Vesterålen zurück. Dabei wird die Insel auch als „Norwegen im Miniaturformat“ bezeichnet – weil sich hier alles findet, was Norwegen ausmacht: Berge und Fjorde, wunderschöne Strände und Einsamkeit, Wasserfälle und Nordlichter. 

Das Aurora Observatory wirbt mit der besten, aber nicht kostenfreien Sicht auf Nordlichter. Ein Besuch dort ist aber nicht unbedingt notwendig – denn die Lichter sind aufgrund der dünnen Besiedlung nahezu überall sichtbar, wenn sie denn am Himmel tanzen.  

4. Rovaniemi in Finnland

Wie wäre es mit einem Besuch beim Weihnachtsmann? Der soll in Rovaniemi leben, in der Hauptstadt von Finnisch-Lappland. Der Weihnachtsmann ist aber nur ein Highlight bei deiner Reise nach Rovaniemi in Finnland. So wartet dort beispielsweise auch das Arktikum, ein Museum für die Wissenschaft rund um die Arktis, auf dich.

Viele Besucher kommen im Winter nach Finnisch-Lappland. Denn dort erwarten sie unendliche Weiten, viel Schnee – und die Nordlichter am Himmel. Klingt nach Klischee, ist aber rund um Rovaniemi Realität. 

5. Abisko-Nationalpark in Schweden

Der Abisko-Nationalpark in Schwedisch-Lappland ist ein Paradies für alle Outdoor- und Winterfans. Hier hast du quasi Schnee-Garantie, bis in den Juni hinein kannst du hier Ski fahren. Die Landschaft ist weitläufig, und wer hier kein Skandinavien-Winter-Gefühl bekommt, macht etwas falsch. 

In aller Abgeschiedenheit in der nordschwedischen Gemeinde Kiruna lässt sich hier Natur entdecken – und ab den späten Abendstunden auch manch ein Nordlicht.

6. Färöer und Grönland

Auch in Dänemark kannst du Nordlichter sehen! Okay, eher nicht in unserem kleinen Nachbarland selbst, aber in zwei Überseegebieten, die zu Dänemark gehören: Grönland und die Färöer.  

Beide Gebiete gelten komplett als tauglich für Nordlichter-Sichtungen, denn beide sind dünn besiedelt und es gibt dort kaum künstliches Licht. Während die Färöer generell erschlossen sind, sind es in Grönland gletscherbedingt vor allem die Küstenregionen, die zu einem Stopp einladen. Selbst in der Hauptstadt Nuuk, aber auch nördlicher in Kulusuk stehen die Chancen besonders gut. 

7. Inselgruppe Vesterålen in Norwegen

Als dritter Staat weltweit hat Norwegen Raketen ins Weltall geschossen – 1962 starteten welche von der Insel Andøya auf den Vesterålen, um die Nordlichter wissenschaftlich zu erkunden. Bis dahin wusste man nicht, wie der grüne Schleier entsteht und wieso er in manchen Regionen besonders gut zu sehen ist. 

Das lässt sich im Spaceship Aurora auf Andøya erfahren. Dort wird Schulklassen und Besuchern der wissenschaftliche Hintergrund zu den Nordlichtern beigebracht. Und wer ein Nordlichter-Forschungszentrum betreibt, tut das meist nicht einfach so: Die Chancen auf die Polarlichter sind auf den Vesterålen, etwas nördlich der Lofoten, sehr gut. Am besten ist es, auf Berge oder Hügel zu steigen, aber auch an den Küsten von beispielsweise Andenes oder Nyksund gibt es eine gute Sicht. 

8. Thingvellir-Nationalpark auf Island

Der Thingvellir-Nationalpark auf Island ist am Tage Anlaufpunkt für Tausende Touristen: Hier entstand quasi eines der ersten Parlamente der Welt, denn schon um 930 herum trafen sich hier Menschen, um über Politik, Gesellschaft und Regeln zu sprechen.

Aber Thingvellir ist auch für Outdoor-Fans ein Eldorado. Denn hier treffen die amerikanische und die eurasische tektonische Platte aufeinander, was zu Felsformationen, Spalten und Schluchten führt, etwa der bekannter Silfra-Spalte.

Doch nicht nur als Teil des Golden Circle ist Thingvellir mit seinen Wasserfällen und Aussichten auf Gletscher bekannt. Ab Herbst ist auch in der Dunkelheit reger Betrieb hier. Wenn gute Nordlichter-Chancen vorhergesagt sind, kommen zahlreiche Touranbieter auf die Aussichtsplattform des Nationalparks. Auch privat lässt sich das Gebiet bei Nacht erkunden.

9. Shetlandinseln in Schottland

Die Nordlichter hast du bisher nur mit Norwegen, Schweden, Finnland und Island in Verbindung gebracht? Nun, dann wird es jetzt Zeit, dich mal mit neuen Zielen zu beschäftigen. 

Auch wenn die Chancen in den vier genannten Ländern deutlich größer sind, kannst du auch in Schottland Glück haben, hauptsächlich auf den Shetlandinseln. Sie bilden den nördlichsten Teil des Vereinigten Königreichs und liegen nördlich genug, damit im Winter regelmäßig Nordlichter-Sichtungen möglich sind.  

10. Ivalo und Finnisch-Lappland in Finnland

Ivalo hat den nördlichsten Flughafen in Finnland – und dient daher als bester Ausgangspunkt für Touren im nördlichsten Teil von Finnisch-Lappland. Ivalo liegt noch einmal 300 Kilometer nördich von Rovaniemi und bietet Natur und Schnee pur. Meist erkunden die Besucher allerdings eher die Gegend um Ivalo herum, nicht die Stadt selbst. 

An vielen Orten, so auch in Harriniva, lassen sich viele Winter-Outdoor-Abenteuer kombinieren: Du kannst auf dem Schneemobil oder mit dem Husky-Schlitten den Nordlichtern entgegenfahren, in Schneeschuhen wandern oder mit Blick auf Rentiere saunieren.

11. Snæfellsnes auf Island

Die Halbinsel Snæfellsnes im Nordwesten von Island ist nicht nur aufgrund der bisweilen spektakulären Landschafts-Formationen mit Wasserfällen und Fjorden eine Reise wert. Da das Gebiet dünn besiedelt ist und nicht viel Lichtverschmutzung vorliegt, stehen die Chancen hier besonders gut, Nordlichter zu sehen. 

Übrigens lassen sich die Lichter auf ganz Island gut erkunden, denn das ganze Land hat nur wenige Einwohner und Städte. Selbst in der Hauptstadt Reykjavík flackert das magische Licht hin und wieder am Himmel.