Elefanten gehören zu Thailand wie die Tausenden Tempel und die kilometerlangen Traumstrände. Doch es werden immer weniger Dickhäuter: Gab es im Jahr 1900 Schätzungen zufolge noch rund 100.000 Elefanten in dem südostasiatischen Land, sind es heute nur noch etwa 5000 – und mehr als die Hälfte davon lebt in Gefangenschaft, um als Touristenattraktion zu dienen. Zum Reiten, zum Selfie-Knipsen, für Kunststücke.

Touristen in Thailand fehlen – und damit Geld für die Elefanten

Doch seit der Corona-Krise bleiben die Urlauber weg, und das verschlimmert die Situation der Tiere noch. Denn damit fehlt den Besitzern, den sogenannten Mahouts, das nötige Geld, um die Tiere zu versorgen. Ein ausgewachsener Elefant verschlingt pro Tag bis zu 270 Kilogramm Nahrung – das kostet umgerechnet etwa 28 Euro pro Tag. Die Regierung hatte zwar einen einmaligen Betrag als Nothilfe gezahlt, doch der reichte nicht, um die Tiere zu ernähren.

Die Folge: Viele Elefanten hungern oder werden verkauft, um in der Urwald-Abholzung zu schuften. Für Sangduen Chailert – besser bekannt als Lek – ist das ein Albtraum. Die 59-jährige Tierschützerin wird auch die „Elefantenflüsterin von Thailand“ genannt. 

Lek Chailert hat Asiens erstes Elefantenschutzgebiet seiner Art gegründet. Sie sagt: „Die Elefanten sind wie meine Kinder.“

Mit einer großen Spendenkampagne konnten die Teams ihrer Save Elephant Foundation mittlerweile Futter und Nahrungsmittel für mehr als 2000 Elefanten sowie ihre Besitzer und Mahouts in ganz Thailand ausliefern.

Außerdem nimmt Lek Elefanten auf, die sonst niemand haben will. Einfach freilassen kann sie die Tiere nicht. Zum einen wären viele der Dickhäuter nicht (sofort) allein lebensfähig. Zum anderen ist das in Thailand verboten, der natürliche Lebensraum der Tiere ist verloren gegangen. Daher hat Lek Chailert den Elephant Nature Park gegründet, rund 60 Kilometer von Chiang Mai entfernt.

Dort haben schon mehr als 100 gequälte Dickhäuter seit dem Jahr 1990 ein neues Zuhause gefunden, und immer mehr nun auch in der Corona-Krise.

Einer von ihnen ist San Meung – der sieben Jahre alte Elefant hat in den vergangenen vier Jahren in einem Zoo in Phuket gearbeitet. Er hat eine etwa 30 Stunden lange Reise im Lkw hinter sich, von Phuket im Süden Thailands bis nach Chiang Mai im Norden. Er sei traumatisiert, so wie 80 Prozent der geretteten Elefanten, sagt Lek. Doch im Elephant Nature Camp können seine Wunden nun langsam heilen.

Er war einer der beiden letzten verbliebenen Elefanten im Zoo, teilt der Münchner Verein Future for Elephants mit, der 10.000 Euro für die Rettung des Jungbullen gespendet hat. Leidensgenossin Tang Mo wurde dem Zoo ebenfalls von Lek abgekauft und kam bereits einen Monat früher als San Meung im Elephant Nature Park an. 

Sieben Elefanten aus Reit-Camp bei Bangkok gerettet

Normalerweise ist ein ausgewachsener Elefant gut zwei Millionen Bhat (umgerechnet 50.000 Euro) wert. Doch in der Corona-Krise sind viele Besitzer froh, diese Belastung loszuwerden. So auch der Reitpark Chang Puak Camp südwestlich von Bangkok; dort fand die bisher größte Rettungsaktion von Lek statt: Sieben Elefanten wurden von dort gleichzeitig ins Elephant Nature Camp transportiert. Für jedes Tier hat die Tierschützerin eine Million Bhat bezahlt, berichtet die Deutsche Welle.

Geld für die Rettung der Elefanten sammelt Lek auf der ganzen Welt, in Deutschland zuletzt im vergangenen Jahr, als sie mit ihrem Film „Love and Bananas“ durch Europa und die USA tourte. 

Thailand: Elefanten-Camps bieten kein Elefantenreiten mehr an

Auch aus anderen Ecken Thailands gebe es inzwischen gute Neuigkeiten, teilt Iris Koch, Vorstandsmitglied von Future for Elephants, mit: „Zwei große Elefantencamps mit ingesamt über 130 Elefanten haben in Kooperation mit der Save Elephant Foundation ihr Geschäftsmodell umgestellt und einen ethischen Kurs eingeschlagen.“

Dort sollen Gäste künftig nicht mehr auf Elefanten reiten, auch Zirkusshows seien abgeschafft. Stattdessen sollen sie die Tiere aus der Ferne beobachten können. „Ins Leben gerufen wurde überdies ein weiteres Projekt, das es etlichen Elefantenbesitzern ermöglicht, ihre Elefanten in ihren Heimatdörfern und den umliegenden Wäldern artgerecht zu halten, anstatt sie künftig wieder an Reit- und Zirkuscamps vermieten zu müssen“, so Koch.