In anderen Ländern gibt es sie schon: die Corona-Ampel, die Reisenden zeigt, wie hoch das Infektionsrisiko in anderen Ländern ist. Und auch in Deutschland soll dieses System offenbar ab dem 1. Oktober eingeführt werden und die oft so dynamischen Entwicklungen zum Corona-Geschehen an den Urlaubszielen darstellen.

Reisewarnungen sollen so bestenfalls nur noch lokal und spezifisch ausgesprochen werden. Das gehe aus einem Konzept hervor, welches das Auswärtige Amt einem Bericht des Branchenverlages „FVW“ zufolge erstmals vor den Mitgliedern des Tourismusausschusses des deutschen Bundestags präsentiert hat.

Ausweisung von Risikogebieten: Markus Söder fordert Vorwarnung

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte außerdem eine Art Warnsystem des Robert-Koch-Institutes. „Denn aktuell werden Länder teils über Nacht über Risikogebiete“, so Söder. „Es wäre extrem wichtig, dass es eine Vorwarnung bei steigenen Zahlen gibt, etwa zwei bis drei Tage vorher, damit man seine eigene Reisen besser planen kann.“ 

So funktioniert das Ampelsystem

Ob das Ampelsystem etwas an den Möglichkeiten zu reisen ändern wird? Vermutlich nicht. Vielmehr soll das Ampelsystem für Reisende Klarheit in die teils unübersichtlichen Grenzregelungen der einzelnen Länder bringen. Und das sind die Abstufungen:

Höchste Risikostufe (rot): Eine Reisewarnung für nicht notwendige, touristische Reisen gilt grundsätzlich weiterhin für alle Länder, die von der Bundesregierung als Risikogebiet eingestuft sind. Einen Überblick über diese Ziele bietet die entsprechende Liste des Robert-Koch-Institutes. Aktuell umfasst sie mehr als 140 Länder und Regionen.

Mittlere Risikostufe (orange): Für Länder, für die eine Einreise nur eingeschränkt möglich ist, eine Quarantäne nach der Einreise vorgesehen ist oder die in einer Gesamtschau keinen uneingeschränkten Reiseverkehr zulassen, wird in der Regel von nicht notwendigen, touristischen Reisen abgeraten.

Niedrige Risikostufe (grün): Für Länder, bei denen sowohl das Infektionsgeschehen gering ist als auch uneingeschränkte Reisemöglichkeiten bestehen und keine sonstigen Gründe dagegensprechen, wird die Reisewarnung aufgehoben und zu besonderer Vorsicht geraten.

Neben den meisten EU-Ländern und Staaten des assoziierten Schengen-Raums zählen „FVW“-Informationen zufolge aktuell 38 zusätzliche Länder zur niedrigsten Stufe. Die Anzahl der Länder könne sich kurzfristig ändern, die Situation bleibe dynamisch, heißt es dazu aus dem Auswärtigen Amt gegenüber dem reisereporter. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, welche Länder ab Oktober in welche Kategorie kommen.“

Auswärtiges Amt will Reiseregionen differenziert bewerten

Das Konzept soll außerdem vorsehen, die Reisewarnungen stark auf das jeweilige Infektionsgeschehen in konkreten Regionen, Städten oder Gebieten zuzuschneiden, und nicht pauschal vor Reisen in ganze Länder zu warnen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass übermittelte Datensätze auch regional differenzierte Zahlen an Neuinfektionen darstellen.

Und genau das scheint ein Problem zu sein: Die Datenlage in vielen Ländern werde als problematisch betrachtet, so der „FVW“, da viele Staaten die Corona-Zahlen eben nicht so differenziert erfassen würden. Stattdessen würden diese Zahlen lediglich für ein ganzes Land ausgewiesen.

Ampelsystem hat keinen Einfluss auf Einreise-Bestimmungen der Länder

Wichtig ist auch: Dieses Ampelsystem hat keinen Einfluss darauf, wie die Länder selbst die Einreise regeln. Zwei Beispiele: In Australien dürfen derzeit nur australische Staatsbürger und deren engsten Angehörige einreisen, auch Thailand hat ein komplettes Einreiseverbot verhängt.