Das Hin und Her geht weiter: Immer mehr beliebte Reiseziele gelten wieder als Corona-Risikogebiet und werden auf die entsprechende Liste des Robert-Koch-Institutes gesetzt – ganz Spanien, Luxemburg und Tschechien sind darunter, außerdem Teile Kroatiens, Frankreichs, der Niederlande und beliebte Städte wie Lissabon, Kopenhagen, Dublin, Wien, Amsterdam, Budapest, Prag und Paris. Für all diese Ziele gilt auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, das trifft die Reisepläne vieler Touristen kurz vor dem Herbsturlaub. 

Pauschale Reisewarnung für 160 Länder noch bis Ende September

Gleichzeitig soll die pauschale Reisewarnung für mehr als 160 Länder außerhalb Europas nur noch bis zum 30. September gelten. Ab Oktober soll es dann stattdessen auf jedes Land zugeschnittene Bewertungen geben. Ob es dadurch mehr Reisefreiheit gibt? Fraglich. Es wird damit gerechnet, dass für Länder, die als Risikogebiete gelten, weiter eine Reisewarnung gelten wird.

Wo ist Urlaub 2020 noch möglich?

Was bedeutet das nun für Urlauber, die eine Reise in ein Risikogebiet-Land mit Reisewarnung gebucht haben? Können sie kostenlos stornieren? Oder dürften sie theoretisch trotzdem dorthin fliegen? Der reisereporter klärt die wichtigsten Fragen.

Karte: Die Risikogebiete auf der RKI-Liste

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Welche Länder gelten als Risikogebiet?

Zu den vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiete ausgewiesenen Zielen im Ausland zählen viele beliebte Ziele – darunter ganze Länder wie Spanien, Tschechien, Luxemburg, die Türkei und Ägypten sowie Regionen in Ländern wie Österreich, der Schweiz, Kroatien und den Niederlanden.

Für diese Länder gilt auch teilweise die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Insgesamt gelten mehr als 130 Länder als (Teil-) Risikogebiet – der reisereporter hat sie dir in einer Liste zusammengestellt.

Wann wird ein Land vom RKI als Risikogebiet eingestuft?

Die RKI-Liste der sogenannten Risikogebiete verzeichnet Regionen in der Welt, in denen entweder …

… ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, weil die Infektionszahlen hoch sind (mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen), oder …

… in denen die Fallzahlen zwar niedrig sind, es aber zu wenige Testkapazitäten gibt, oder …

… in denen die Fallzahlen zwar niedrig sind, es aber unzureichende Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung gibt. 

Das RKI ist eine selbstständige deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten – und analysiert gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit, dem Auswärtigen Amt sowie dem das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Reisewarnung – was bedeutet sie eigentlich?

Sie ist die höchste Warnstufe der Bundesregierung für Touristen – und in der Corona-Krise hat das Auswärtige Amt am 17. März 2020 erstmals eine weltweite Reisewarnung für alle nicht notwendigen touristischen Reisen ins Ausland ausgesprochen. Die Behörde kann bei einer geltenden Warnung im Zweifelsfall Touristen zur Ausreise auffordern.

Als Voraussetzung für diese höchste Warnstufe gilt eine „konkrete Gefahr für Leib und Leben“ von Urlaubern. Den Schritt begründete die Bundesregierung immer mit dem stark eingeschränkten internationalen Luft- und Reiseverkehr sowie den Einreisebeschränkungen, den Quarantänemaßnahmen und weiteren Einschränkungen in den Ländern.

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Erstmals hatte das Auswärtige Amt im Rahmen der Coronavirus-Pandemie eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen, in der Folge stornierten die meisten Reiseveranstalter sämtliche Buchungen.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass das Auswärtige Amt eine Teilreisewarnung, die nur für ausgewählte Länder oder Regionen gilt, ausspricht. Die Reisewarnung ersetzt den Sicherheitshinweis.

Risikogebiet und Reisewarnung: Was ist der Unterschied?

Neben der RKI-Liste zu den Risikogebieten gibt es noch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes – die beiden Einstufungen gelten in der aktuellen Corona-Pandemie zwar meist gleichzeitig für ein Land.

So hatte das RKI zunächst die fünf Regionen Spaniens als Risikogebiet eingestuft, wenig später kam die formelle Warnung des Auswärtigen Amtes. Mittlerweile gilt ganz Spanien als Risikogebiet, auch die Balearen mit der beleibten Urlaubsinsel Mallorca – ausgenommen sind nur die Kanaren. 

Aber: Die Einstufungen sind nicht automatisch miteinander verknüpft. So gilt für Thailand beispielsweise eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wegen der Einreisebeschränkungen, das Land in Asien steht aber nicht auf der RKI-Liste der Risikogebiete, weil die Fallzahlen dort relativ niedrig sind.

Reisewarnung: Für welche Länder gilt sie noch?

Für 31 Länder wurde die Reisewarnung ab dem 15. Juni schrittweise aufgehoben – es handelt sich dabei um die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das aus der EU ausgetretene Großbritannien sowie die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein.

Seither betrachtet die deutsche Bundesregierung die Länder in Europa individuell – grundsätzlich gibt es nun sogenannte Reisehinweise statt der generellen Reisewarnung. Darin wird dann über die landesspezifischen Risiken informiert. Das kann jedoch auch bedeuten, dass von touristischen Reisen abgeraten wird.

Inzwischen reaktiviert das Auswärtige Amt Reisewarnungen wegen steigender Coronazahlen auch für Länder in Europa. Aktuell (Stand 16. September) trifft das ganze Länder wie Spanien sowie mehrere Regionen zum Beispiel in Kroatien, Österreich, Schweiz, Niederlanden, Tschechien und Ungarn.

Reisewarnung für Türkei teilweise aufgehoben

Die Reisewarnung für die Türkei wurde am 4. August teilweise aufgehoben. Die Warnung gilt seither nicht mehr für die türkischen Provinzen Aydin, Izmir und Mugla an der Ägäis sowie die Provinz Antalya am Mittelmeer. Es sind die beliebtesten Urlaubsregionen des Landes an der Westküste. Für den Rest des Landes gilt die Warnung weiterhin.

Die Außengrenzen der EU haben lediglich für Menschen aus elf Drittstaaten geöffnet – Länder wie die Türkei, Ägypten und USA sind nicht darunter. Umgekehrt gilt für Urlauber aus Deutschland, die in ein vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiet ausgewiesenes Land reisen, bei ihrer Rückkehr seit dem 8. August eine Coronavirus-Testpflicht.

Könnte die Reisewarnung für die Türkei, Ägypten und Tunesien vorab aufgehoben werden?

Für alle anderen mehr als 160 Länder der Welt, die sogenannten Drittstaaten, gilt die Reisewarnung bis mindestens zum 30. September. Das trifft vor allem beliebte Länder wie große Teile der Türkei, Ägypten, Tunesien, Marokko und die USA.

Dürfen Deutsche trotz Reisewarnung reisen?

Ein Reiseverbot stellt eine Reisewarnung jedoch nicht dar. Es ist vielmehr ein dringender Appell des Auswärtigen Amtes. Die Entscheidung, ob Touristen trotzdem in das betroffene Land oder die betroffene Region einreisen, bleibt ihnen überlassen.

Nicht zuletzt zählt auch, ob das Zielland die Grenzen geöffnet oder geschlossen hat, das Einreisen also möglich wäre, ob es Flüge gibt, wie die Lage vor Ort ist und ob es sichere Rückreisemöglichkeiten, sprich einen Rückflug, nach Deutschland gibt. 

Reisen trotz Reisewarnung: Krankenversicherung für Risikoländer

Wer also überlegt, ob er trotz der Warnung reist, sollte sich sehr genau mit diesen Aspekten beschäftigen. Im Klaren sein sollten sich Touristen auch über weitere Folgen, zum Beispiel hinsichtlich des Versicherungsschutzes.

Denn wer trotz Reisewarnung in ein Risikogebiet reisen muss oder möchte, ist in der Regel nicht durch die Reisekrankenversicherung geschützt. Journalisten, Geschäftsreisende, Entwicklungshelfer oder Abenteurer müssen eine spezielle Krankenversicherung abschließen, die auch in Risikogebieten greift, erklärt das Branchenportal „reiseversicherung.com“.

Wichtig: „Individualreisende, die eine Versicherung für Gefahrenländer abschließen, müssen im Gegensatz zu herkömmlichen Reiseversicherungen mit eingeschränkten Leistungen, Selbstbehalten und deutlich höheren Prämien rechnen.“

Reise ins Risikogebiet: Was sind die Folgen?

Auch die Einstufung eines Landes als Risikogebiet ist nicht gleich einem Reiseverbot. Aber auch hier müssen sich Urlauber über mehrere Kosnequenzen im Klaren sein. 

Testpflicht für Reise-Rückkehrer aus Corona-Risikogebiet

Die Teststrategie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht vor, dass sich Reisende nach der Rückkehr auf das Coronavirus testen lassen müssen. Das ist für die Urlauber kostenlos. Die Testpflicht gilt seit dem 8. August. Die Reiserückkehrer müssen sich innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Einreise testen lassen, beispielsweise direkt am Flughafen oder Bahnhof.

Dann müssen sie zu Hause in Quarantäne, bis das Testergebnis voliegt. Ist es negativ, dürfen sie das Haus in den meisten Fällen verlassen – in einigen Bundesländern ist ein zweiter Test erforderlich. 

Gehalt trotz Quarantäne? Auswirkungen für Arbeitnehmer

Was ist, wenn Arbeitnehmer nach der Reise ins Risikogebiet in Quarantäne müssen und nicht von zu Hause aus arbeiten können – wird ihnen dann der Lohn gekürzt?

Nach dem Infektionsschutzgesetz gilt folgendes: Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf Verdienstausfall in den ersten sechs Wochen, die Entschädigung bemisst sich dabei nach dem Lohnausfall. Wer auch nach dieser Zeit nicht in den Dienst zurück kommt, bekommt Krankengeld. 

Keine Rolle spielt in dem Gesetz die Frage, ob die Quarantäne durch ein verantwortungsloses – also durch eine bewusste Reise in ein Risikogebiet – herbeigeführt wurde. Das bestätigte das Gesundheitsministerium dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Aber: Es ist gut möglich, dass das Infektionsschutzgesetz bald vom Bundestag geändert wird. Denn es gibt in der Corona-Krise jede Menge Kritik an dieser Regelung.

Kann ich bei einer Reisewarnung kostenlos stornieren?

Es ist eine der aktuell meistgestellten Fragen unter Touristen: Dürfen Urlauber bei einer Reisewarnung oder der Einstufung als Risikogebiet grundsätzlich kostenlos stornieren?

Entscheidende Voraussetzung für das Recht auf eine kostenlose Stornierung ist nach den gesetzlichen Regelungen, dass am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände“ auftreten, welche die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Menschen an den Zielort erheblich beeinträchtigen. So steht es auf der Website des Auswärtigen Amtes.

Das bedeutet: Eine Reisewarnung der Bundesregierung ist zwar ein starkes Indiz für die Möglichkeit der kostenfreien Stornierung, aber nicht zwingend notwendig. Auch ohne die Einstufung können die Voraussetzungen gegeben sein.

Generell gilt: Jeder Tourist hat vor Antritt einer Pauschalreise die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen vom Reisevertrag zurückzutreten. Er ist dann jedoch verpflichtet, dem Reiseveranstalter eine „angemessene Entschädigung“ zu zahlen (Stornogebühr, § 651h BGB).

Flug oder Hotel stornieren: Geht das kostenlos?

Individualreisende, die alle Leistungen (Flug, Hotel, eventuell Mietwagen) einzeln gebucht haben, könnten größere Probleme bei der Stornierung bekommen. Denn: „Bei einem gebuchten Flug trägt immer der Passagier das Verwendungsrisiko“, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott.

Wenn Urlauber am Reiseziel also grundsätzlich einreisen dürfen, wird eine kostenfreie Stornierung sehr schwer, da keine Argumentationsgrundlage gegeben ist. In einem Fall aber ist eine kostenfreie Stornierung möglich: „Sollte ein Einreiseverbot herrschen oder Quarantäne-Pflicht, dann kann das ein Stornierungsgrund sein.“ Außerdem bieten viele Airlines derzeit aus Kulanz kostenlose Umbuchungen an.

Werden wegen der Reisewarnung alle Fernreisen storniert?

Nachdem die deutsche Regierung am 17. März 2020 die weltweite Reisewarnung ausgesprochen hatte, stornierten die Reiseveranstalter sämtliche Auslandsreisen. Zu erwarten ist daher nun, dass weiterhin alle Buchungen storniert werden, die einen Urlaub in einem Land umfassen, für das eine Reisewarnung gilt.

Etliche große Reiseveranstalter und Airlines bieten ihren Kunden aufgrund der Coronavirus-Pandemie ohnehin die Möglichkeit, unabhängig von der Reisewarnung den im Sommer geplanten Urlaub auf einen späteren Zeitpunkt umzubuchen.