Ein Flug ins Risikogebiet – und das für nur 5 Euro? Bei Ryanair gab es dieses Angebot Anfang September, als die irische Airline den Markt mit Billig-Tickets geflutet hat. Die Fluggesellschaft ist zwar diejenige, die mit am aggressivsten auch für Verbindungen in Länder wie Spanien wirbt. Anbieten aber tun diese Flüge auch Airlines wie Lufthansa, Condor und Eurowings. Pauschalreiseveranstalter hingegen stornieren die Reisen in Risikogebiete mit Reisewarnung größtenteils.

Umgekehrt können auch Verbraucher eine Pauschalreise in den meisten Fällen kostenlos stornieren, während sie bei Einzelflügen auf den Kosten sitzen bleiben. Wieso gibt es diese Unterschiede, die Reisenden das Planen komplizierter machen? Hintergrund ist die Rechtsgrundlage für Pauschalreisen und Individualreisen – wir dröseln diese für dich auf. 

Darum stornieren Pauschalreiseveranstalter Buchungen in Risikogebiete

Reiseveranstalter sind zwar nicht per se dazu verpflichtet, sämtliche Reisen bei einer Reisewarnung zu stornieren. Denn entscheidend ist die konkrete Gefährdungslage vor Ort, erklärt Reiserechtsanwalt Paul Degott dem reisereporter. „Aber die Veranstalter nehmen die Einschätzung des Auswärtigen Amtes derzeit als Prüfstein.“

Außerdem seien sie vertraglich dazu verpflichtet, dem Touristen genau das Urlaubserlebnis zu ermöglichen, das er gebucht hat – inklusive der Zeit vor Ort und dem Rückflug.

Warum fliegen Airlines in Risikogebiete?

Die Airline hingegen sei vertraglich „nur“ dazu verpflichtet, von A nach B zu fliegen. Solange die Grenzen also geöffnet sind, wird sich eine Fluggesellschaft bei der nötigen Auslastung der Maschinen aus wirtschaftlicher Sicht immer fürs Fliegen entscheiden. 

Ryanair beispielsweise begründet seine Flüge in europäische Risikogebiete, wie zum Beispiel Spanien, gegenüber dem reisereporter wie folgt: „Verbindungen unter den europäischen Ländern sind von grundlegender Bedeutung, die niedrigen Ryanair-Tarife ermöglichen der Wirtschaft in Europa einen Neustart und führen Familien wieder zusammen.“

Diese Reisen in Risikogebiete können Touristen stornieren

Was aber ist, wenn sich der Tourist unsicher fühlt und die Reise in ein Risikogebiet, für das auch eine Reisewarnung gilt, nicht antreten möchte?

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Bei Pauschalreisen ist die Lage recht eindeutig: Liegt vor Ort eine Gefährdungslage vor (Reisewarnung oder die Einstufung als Risikogebiet sind ein starkes Indiz dafür), die bei Reisebuchung nicht absehbar war, können Touristen kostenlos stornieren und haben ein Recht auf die Rückzahlung des Reisepreises. 

Kann ich einen Flug ins Risikogebiet kostenlos stornieren?

Anders sieht es bei Airlines aus: „Unsere Daten zeigen, dass Flüge häufig trotz negativer Reisehinweise durchgeführt werden“, so Tom van Bokhoven, Gründer von Flug-verspaetet.de. Und was ist, wenn Passagiere aufgrund des Corona-Ansteckungsrisikos oder der drohenden Quarantäne in Deutschland nach der Rückkehr nicht mitfliegen wollen? Dann haben sie schlechte Karten, das Geld zurückzubekommen. 

„Passagieren, die aufgrund des hohen Sicherheitsrisikos nicht mehr verreisen wollen, wurde häufig eine Rückerstattung ihrer Tickets verweigert“, so Bokhoven. Airlines rechtfertigten dies mit der Behauptung, dass der Flug ja weiterhin durchgeführt worden sei und Passagiere diesen hätten wahrnehmen können. Ryanair teilt diesbezüglich mit: „Für nicht stornierte Flüge gelten die Standard-AGB.“ Ist das rechtlich in Ordnung? Ja.

Reiserechtswanwalt Paul Degott erklärt: „Bei einem gebuchten Flug trägt immer der Passagier das Verwendungsrisiko.“ Bei einem einzeln gebuchten Flug gilt nicht das EU-Pauschalreiserecht, sondern das Luftbeförderungsrecht. 

Ist die Einreise für Touristen am Reiseziel grundsätzlich erlaubt und die Airline führt den Flug dorthin durch, dann wird es mit der Rückforderung des Ticketpreises beim Stornieren schwierig, weil keine Argumentationsgrundlage gegeben sei. Anders sieht es aus, wenn ein Einreiseverbot vorliegt. Dann könne das ein Stornierungsgrund sein, der Ticketpreis könnte dann zurückgefordertert werden, so die Einschätzung Degotts. 

Flug umbuchen – die Regeln der Airlines

Viele Airlines bieten aktuell aber immerhin individuelle Kulanzregeln und Umbuchungsmöglichkeiten an. Was bei welcher Airline gilt, zeigt der folgende alphabetische Überblick:

Condor: Der Ferienflieger bietet eine Flex-Option für 10 Euro an, die Kunden hinzubuchen können. Damit lassen sich alle Kurz- und Mittelstreckenflüge bis zu dreimal gebührenfrei bis jeweils 24 Stunden vor Abflug umbuchen, so Condor.

Easyjet: Alle Kunden mit neuen oder bestehenden Buchungen können der Fluggesellschaft zufolge bis 14 Tage vor Abflug kostenlos umbuchen. Das Flugangebot für die alternative Reise reicht derzeit bis Ende September 2021.

Eurowings: Wer seinen Eurowings-Flug nicht antreten will, kann bis sieben Tage vor Abreise beliebig oft ohne eine Änderungsgebühr umbuchen. Das ist auch auf Verbindungen zu einem anderen Reiseziel als dem ursprünglich gebuchten möglich. Mögliche Differenzzahlungen müssen übernommen werden. 

Lufthansa: Die Umbuchungsgebühren bei der größten deutschen Airlines sind bis Ende des Jahres gestrichen, das teilte die Lufthansa im August mit. Reisende können demnach beliebig oft kostenlos umbuchen – sogar ganz kurzfristig. 

Ryanair: Der Billigflieger verlängerte die Möglichkeit zum kostenlosen Umbuchen erneut, inzwischen ist dies für Flüge im September für ein alternatives Reisedatum bis 31. Dezember 2020 möglich. Anders als bei anderen Arlines ist allerdings nur eine einmalige Umbuchung möglich, spätestens sieben Tage vor Abflug.

Tuifly: Der Ferienflieger ist vor allem für große Reiseveranstalter unterwegs, viele Gäste sind entsprechend Pauschaltouristen. Diese werden etwa bei Reisewarnungen oder Annullierungen automatisch und ohne Gebühren storniert. Wer seine Reise verschieben will, wendet sich an den Veranstalter. Es gilt das Pauschalreiserecht. Zu Zielen ohne aktuelle Reisewarnung gelten nach Angaben der Fluggesellschaft die normalen Umbuchungs- und Stornierungsbedingungen.