Die Corona-Teststrategie der Bundesregierung wird angepasst, ab jetzt wird priorisiert. Heute, am 15. September, enden die kostenlosen freiwilligen Tests für Reiserückkehrer. Grund dafür ist auch die Auslastung der Testzentren und der Labore – beide waren in der Sommersaison an den Grenzen ihrer Kapazitäten angelangt.

Wurden in der letzten Juli-Woche noch rund 580.000 Tests an die Labore geliefert, waren es zuletzt, auch ausgelöst durch die kostenlosen Tests für Reiserückkehrer, etwa 1,1 Millionen. Die Folge: Teils mussten Urlauber bis zu eine Woche auf das Testergebnis warten. In diesem Zuge hatte die Kassenärztliche Vereinigung vor einer Überlastung gewarnt.

„Die Pandemie zwingt uns, unsere Strategie ständig der dynamischen Lage anzupassen. Für die Urlaubszeit war es wichtig, möglichst alle Reisenden auf das Coronavirus zu testen“, so Gesundheitsminister Jens Spahn. Mit Blick auf Herbst und Winter würde sich die Bundesregierung wieder auf die Tests im Inland konzentrieren.

Was gilt nun ab dem 15. September konkret für Urlauber bei der Einreise in Deutschland? Der reisereporter beantwortet die wichtigsten Fragen.

Für welche Urlauber sind die Corona-Tests nicht mehr gratis?

Die Corona-Tests sind nicht mehr gratis für Urlaubsrückkehrer, die nicht in einem Risikogebiet waren und die keine Coronavirus-Symptome haben.

Weiterhin kostenlos getestet werden künftig nur noch Reiserückkehrer bei einem konkreten Anlass – wenn sie beispielsweise Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus zeigen oder in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheitswesen arbeiten. Außerdem werden die Kosten für Reiserückkehrer, die in einem Risikogebiet unterwegs waren, weiterhin übernommen.

Was ist mit der Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten?

Die Bundesregierung hat weltweit mehr als 130 Länder und Regionen als Risikogebiete eingestuft, diese sind in einer entsprechenden Liste des Robert-Koch-Institutes (RKI) aufgeführt.

Für diese Reiserückkehrer gilt auch weiterhin die Testpflicht, sprich: Sie müssen sich innerhalb von 48 Stunden vor der Rückkehr nach Deutschland oder 72 Stunden nach der Rückkehr testen lassen und bis zum Erhalt des negativen Ergebnisses in häusliche Isolation. Einkaufen, arbeiten gehen, spazieren oder Freunde treffen sind in diesem Zeitraum tabu. Außerdem muss derjenige sich beim für den Wohnsitz zuständigen Gesundheitsamt melden.

Die Quarantäne-Regeln werden jedoch bis Ende September überarbeitet. Möglichst ab 1. Oktober, so hatte es Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt, sollen Reiserückkehrer aus Risikogebieten dann verpflichtend in Quarantäne gehen. Diese soll erst mit einem Corona-Test frühestens am fünften Tag beendet werden können.

Und wer kontrolliert die Quarantäne?

Die Einhaltung der Quarantäne-Pflicht werde bereits jetzt stichprobenartig kontrolliert, so Gesundheitsminister Spahn. Der Bund forderte die Länder aber auf, sie vor Ort noch schärfer zu kontrollieren und bei Pflichtverstößen Bußgelder zu verhängen.

Eine weitere Maßnahme: In Flugzeugen, auf Fähren und in Zügen werden bereits Aussteigerkarten ausgegeben, die Reisende aus Risikogebieten ausfüllen müssen. Diese sollen „zügig“ digitalisiert werden, um Gesundheitsämter zu entlasten, so Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Warum wird die Corona-Teststrategie schon wieder geändert?

Spahn begründete die geplanten Änderungen der Teststrategie zum einen damit, dass die Labore personell und materiell an ihre Grenzen stoßen. Zum anderen nannte er das Ende der Hauptreisezeit als Grund – mit dem Ende der Sommerferien sinke das Risiko wieder, dass Urlaubsrückkehrer das Virus nach Deutschland einschleppen.

Und für all diejenigen, die nach der Hauptreisezeit in Risikogebiete reisen wollten, seien die Quarantäne-Regelungen zumutbar, so Spahn. „Derjenige weiß, in welche Umstände und Folgeregelungen hinein er diese Reise antritt.“