Ghana ist gewissermaßen ein Spiegelbild ganz Afrikas. Die große landschaftliche, kulturelle und ethnische Vielfalt des Kontinents – all das vereint auch das westafrikanische Land auf seinen 238.535 Quadratkilometern in sich. Diese Orte dürfen Reisende vor Ort nicht verpassen:

Wli Falls – höchster Wasserfall Westafrikas

Die Wli Falls sind ein echtes Erlebnis – und die höchsten Wasserfälle Westafrikas. Das Wasser stürzt aus bis zu 80 Metern Höhe in die Tiefe. Sie befinden sich im Regenwald, in der Volta-Region nordwestlich von Accra direkt an der Grenze zu Togo. Die Wli Falls bestehen aus zwei Teilen – dem oberen und einem unteren Wasserfall.

Beide erreichen Reisende während einer sechsstündigen Wandertour über die Berge, durch dichten Tropenwald und über Brücken. Zu sehen gibt’s auch Schmetterlinge, Vögel und Insekten, zur Stärkung zwischendurch Beeren und rohe Kakao-Bohnen.

Von der Lodge aus haben Gäste die Wli Falls schon im Blick.

Vorsicht: Besonders in der Regenzeit kann die Tour schon mal zur Rutschpartie werden, denn es gibt einige steile Auf- und Abstiege. Gutes Schuhwerk ist Pflicht, Urlauber sollten sich nicht davon täuschen lassen, dass die Guides mitunter nur Flip-Flops tragen.

Wer sich die Wanderung durch die Berge nicht zutraut, kann auch nur den unteren Wasserfall besichtigen. Dieser Weg ohne steile Aufstiege ist etwa drei Kilometer lang.

Anreise zu den Wli Falls: mit dem Trotro nach Hohoe (von Accra aus dauert die Fahrt etwa sechs Stunden) und die restlichen rund 25 Kilometer mit dem Taxi fahren.

Baumwipfelpfad und Baumhaus-Übernachtung im Regenwald

Den tropischen Regenwald Ghanas können Reisende noch auf eine weitere spektakuläre Weise kennenlernen: Zwischen den riesigen Bäumen des 1990 gegründeten Kakum-Nationalparks spannt sich ein Canopy Walk – ein Baumkronenpfad. Er führt über 330 Meter und sieben Brücken in bis zu 45 Metern Höhe durch den Wald.

Tiere werden die Besucher aus dieser Höhe eher selten sehen, jedoch erleben sie Regenwald-Riesenbäume so aus einer völlig neuen Perspektive.

Ein absolutes Highlight: Im Kakum-Nationalpark läufst du in 40 Metern Höhe auf Westafrikas einzigem Baumwipfel-Pfad über den Regenwald.

Besucher können sogar eine Nacht im 350 Quadratkilometer großen Kakum-Nationalpark, der sich nördlich der Städte Cape Coast und Elmina befindet, verbringen. Dabei werden sie von einem Parkranger begleitet, mit dem auch noch eine Wanderung im Morgengrauen möglich ist. Dabei halten sie nicht nur Ausschau nach seltenen Vogelarten, der Lowe-Meerkatze und Waldelefanten, sondern erfahren auch einiges über die medizinische Bedeutung der tropischen Pflanzen.

Für eine Tierbeobachtung brauchen Beobachter in dem dichten Wald bislang noch Glück, das soll sich aber in Zukunft ändern: Der touristische Ausbau sieht vor, in der Zukunft Wasserlöcher oder Lichtungen anzulegen.

Cape Three Point – einsamer Sandstrand

Dieser Strand zählt zu den schönsten in Ghana – und er ist auch mit der einsamste. Wer am Cape Three Point ganz allein mit den Füßen im Sand steht, rechts ein alter Leuchtturm, links eine Palme, vor den Augen der Atlantik, der wähnt sich fast am Ende der Welt. Das stimmt zwar nicht, tatsächlich aber ist man dann am südlichsten Punkt des Landes.

Portugiesische Seeleute entdeckten ihn und gaben ihm den Namen „Cabo de Tres Puntas“ – auf Deutsch Kap der drei Spitzen. Woher der Name stammt, das erkennen Besucher spätestens, wenn sie auf den Leuchtturm gestiegen sind: Dann sehen sie nämlich von oben drei kleine Felszungen ins Meer ragen. Ein weiteres Highlight erleben Besucher, die zwischen November und März dort sind: Am Strand schlüpfen Babyschildkröten und suchen sich ihren Weg ins Meer.

Allein am Strand des Cape Three Points im September.

Anreise nach Cape Three Point: Die Anreise ist allerdings ein ziemliches Abenteuer, denn die Straßen bis zum Cape Three Point sind voller Schlaglöcher. Mit dem eigenen Auto sollten Touristen (vor allem in der Regenzeit) es auf keinen Fall wagen, die Straße in Angriff zu nehmen. Es könnte sein, dass sie mit einem zerschlissenen Unterboden ankommen.

Besser: Von den Orten Takoradi oder Agoda aus mit dem Cape-Three-Points-Trotro zum Sammelpunkt der Taxi-Motorräder fahren, die bringen einen das letzte Stück zum Meer. Am besten kontaktieren Urlauber dazu die einzige Lodge vor Ort, die Escape 3 Points Ecolodge.

Safari im Mole-Nationalpark

Ghana ist kein typisches Safariland wie etwa Kenia, Botswana, Tansania, Namibia oder Südafrika – das hängt unter anderem damit zusammen, dass Westafrika viel dichter besiedelt ist und es deswegen keine so großen Tierherden mehr gibt. Doch echt wilde tierische Begegnungen können Touristen trotzdem erleben, zum Beispiel im Nordwesten des Landes.

Dort befindet sich der Mole-Nationalpark – er wurde 1971 als erstes Tierreservat des Landes gegründet und ist das größte Natur- und Wildlife-Schutzgebiet des Landes. Auf 4840 Quadratkilometern leben etwa 300 Vogelarten und 94 Säugetierarten – darunter Elefanten, Antilopen, Büffel, Paviane und Warzenschweine. Die sehen Besucher zum einen bei Touren im Jeep, in denen die Sitzreihen auf das Autodach montiert sind.

Ein Elefant läuft über eine Straße im Mole-Nationalpark in Ghana.

Zum anderen gibt es im Mole auch Walking Safaris, bei denen sich Besucher mit dem Tourguide zu Fuß durch den Park bewegen. Das ist ziemlich aufregend, denn es kann durchaus passieren, dass Touristen plötzlich vor einem ausgewachsenen Elefantenbullen stehen.

Der Mole-Nationalpark im Nordwesten Ghanas ist das größte Natur- und Wildlife-Schutzgebiet des Landes. Auf 4840 Quadratkilometern finden sich zahlreiche Tiere, Touristen bekommen vielleicht einen der rund 600 Elefanten zu Gesicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Parks im Süden und Osten Afrikas darf man hier auch zu Fuß gehen.

Auf Raubtiere und Katzen muss man eher verzichten, dafür gibt es viele Warzenschweine, verschiedene Antilopen-Arten und eine herrliche Natur mit dicht bewaldeten Stellen. Der Mole ist als einziger Ort in Ghana geeignet für eine Safari und wenn auch nicht mit Kenia und Co. vergleichbar, doch einen Besuch wert. Die Preise sind enorm günstig.

Elmina Castle: Die „Door of No Return“

Wer Ghana verstehen will, muss sich auch mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte beschäftigen: dem Sklavenhandel. Ghana war mehr als drei Jahrhunderte lang der größte Sklavenumschlagplatz Afrikas, das Elmina Castle in der Nähe der Stadt Cape Coast spielte dafür eine große Rolle. Seit dem Jahr 1979 gehört es zum Unesco-Weltkulturerbe.

Das Gebäude steht auf einer kleinen Zunge, die in den Atlantik ragt. Ursprünglich trug es den Namen „Fort São Jorge da Mina“, die Portugiesen bauten es im Jahr 1482 als erste europäische Festung in Subsahara-Afrika. Zunächst wurde dort der Handel mit Waren wie Gold, Zucker, Pfeffer und Elfenbein organisiert, später waren es dann Sklaven. Nach den Portugiesen hielten auch Niederländer und Briten Männer und Frauen in Elmina Castle wochen- oder monatelang unter unmenschlichen Bedingungen gefangen.

Elmina Castle vom Wasser aus gesehen. Sie war für viele Sklaven die letzte Station in Afrika auf dem Weg Richtung USA.

Dann gingen sie durch die „Door of No Return“ (deutsch: Tür ohne Rückkehr), wurden auf Schiffe verfrachtet und nach Amerika gebracht. Es heißt: Von zehn Sklaven, die im Fort ankamen, wurden nur drei lebend nach Amerika verschifft. Dem beklemmenden Gefühl beim Blick durch diese Tür aufs Meer kann und sollte sich kein Ghana-Tourist entziehen.