Die Coronavirus-Lage in Frankreich wird immer dramatischer – und immer unübersichtlicher. Das Land ist in Europa nach Spanien inzwischen am stärksten von Covid-19 betroffen: Insgesamt wurden dort seit Beginn der Pandemie 383.292 Fälle gemeldet, mehr als 30.800 Menschen starben. In den vergangenen sieben Tagen kamen 49.517 Neuinfektionen hinzu, pro Tag wurden damit durchschnittlich mehr als 7000 neue Corona-Infektionen bekannt (Stand: 10. September).

Die Folge: Immer mehr Regionen in dem beliebten Urlaubsland gelten als Risikogebiete und stehen auf der entsprechenden Liste des Robert-Koch-Institutes.

Reisewarnung für sechs Regionen in Frankreich – mit Paris, Korsika, Côte d’Azur

Waren zunächst nur Paris und die Côte d’Azur betroffen, gelten seit dem 9. September Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für sechs der 13 Regionen im Land: Île-de-France, Provence-Alpes-Côte d’Azur, Auvergne-Rhônes-Alpes, Occitanie, Nouvelle-Aquitaine und Korsika. Damit gilt inzwischen die gesamte Mittelmeerküste als Corona-Risikogebiet ebenso wie weite Teile der Atlantikküste. In den Risikogebieten befinden sich unter anderem auch die Hauptstadt Paris, Bordeaux, Marseille, Lyon, Nizza und Cannes.

Aktuelle Deals

Auch vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Überseegebiete Französisch-Guayana, Saint-Martin und Guadeloupe wird aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt.

Welche Teile Frankreichs sind kein Risikogebiet?

Was heißt das nun für Touristen? Eine Reise in eines der Risikogebiete ist theoretisch möglich – Urlauber müssen jedoch zurück in Deutschland einen Corona-Test machen lassen und bis zum Erhalt des negativen Ergebnisses bis zu 14 Tage in Quarantäne. Bei einer Reisewarnung stornieren die meisten Veranstalter die Pauschalreisen in betroffene Gebiete – Airlines fliegen oftmals weiterhin.

Es gibt aktuell noch Gebiete in Frankreich, in denen ein Urlaub ohne Konsequenzen möglich ist. Nicht als Risikogebiet gelten derzeit sieben Regionen: Bourgogne-Franche-Comté, Bretagne, Centre-Val de Loire, Grand-Est, Hauts-de-France, Normandie und Pays de la Loire.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Frankreich stuft 30 Departements als Risikogebiete ein – Karte

Frankreichs Gesundheitsministerium schaut sich die Lage noch etwas detaillierter an. Das Gesundheitsministerium stuft inzwischen 30 der 100 Departements als „rote Zonen“ ein, sie gelten damit als Regionen mit erhöhter Virusverbreitung. Betroffen sind davon auch Departements in Regionen, für die aus deutscher Sicht (noch) keine Reisewarnung gilt.

Diese höchste Warnstufe macht es den Behörden möglich, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen – insbesondere geht es hierbei um die Ausweitung der Bereiche, in denen Maskenpflicht herrscht, sowie um verstärkte Kontrollen zur Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen.

Sowohl die Einschätzung der deutschen Regierung als auch die Karte des Gesundheitsministeriums zeigen: Frankreich wird zum Flickenteppich. Bei Urlaubern sorgt diese dynamische Situation vor allem für eines: Unsicherheit. Wäre es da nicht sinnvoller, wenn gleich vor Reisen nach ganz Frankreich gewarnt würde?

Warum wird Frankreich nicht als ganzes Land als Risikogebiet eingestuft?

Das entscheidende Kriterium für die Einstufung eines Landes oder einer Region ist der Inzidenz-Wert. Der Begriff beschreibt die Neuerkrankungsrate, sprich: wie viele Menschen einer definierten Bevölkerung – etwa in Frankreich – sich in einem bestimmten Zeitraum neu mit dem Coronavirus infizieren.

In der Pandemie ist in Bezug auf die Risikogebiete-Bewertung vor allem der Zeitraum sieben Tage entscheidend. Auf der Liste des Robert-Koch-Institutes landen Regionen, wenn es dort in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat – also eine Inzidenz von 50 überschritten wurde.

Die kumulative Sieben-Tage-Inzidenz in Frankreich beträgt 73,89, liegt also deutlich über dem kritischen Wert (Stand: 10. September). Es gibt in Frankreich allerdings auch Regionen, die weniger als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner haben – und das Auswärtige Amt schaut sich für die Einstufung die einzelnen Regionen der Länder an.

So heißt es auf der Website des RKI: „Maßgeblich für die Bewertung sind insbesondere die Infektionszahlen und die Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend), Testkapazitäten sowie durchgeführte Tests pro Einwohner sowie in den Staaten ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens (Hygienebestimmungen, Kontaktnachverfolgung etc.).“

Corona: Die aktuelle Lage und Regeln in Frankreich

Für Reisende bedeutet diese dynamische Situation in Bezug auf Covid-19 jedenfalls: Sie müssen flexibel und aufmerksam sein. Das gilt nicht nur für die Entwicklung der Neuinfektionszahlen in Frankreich, sondern auch in Bezug auf die Regelungen vor Ort.

Die Einreise ist weiterhin uneingeschränkt möglich, die Grenzen sind für deutsche Urlauber geöffnet. Spezielle Unterlagen brauchen sie nicht, auch eine Quarantäne nach der Einreise ist nicht notwenig. Es gelten jedoch im Land etliche Einschränkungen, die auch Touristen befolgen müssen.

Frankreich: Wo gilt die Maskenpflicht?

Auch über die Regelungen und mögliche Verschärfungen vor Ort sollten sich Touristen ständig informieren. Wichtig ist zum Beispiel: Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist zum Schutz vor dem Coronavirus in ganz Frankreich in öffentlichen Räumen Pflicht – also an Flughäfen, auf Bahnhöfen, in Museen, Banken, Geschäften, überdachten Märkten, Cafés, Restaurants, Bars und Sehenswürdigkeiten. Gleiches gilt für öffentliche Verkehrsmitteln wie Flugzeug, Zug, Metro, Bus, Taxi und Sammeltaxi. 

In mehreren Städten gilt außerdem inzwischen an bestimmten stark frequentierten Orten im Freien eine Maskenpflicht. Mund und Nase müssen auch auf öffentlichen Plätzen, Straßen oder Anlagen mit Massenansammlungen bedeckt werden. In Paris sowie in den Departements Seine-Saint-Denis, Hauts-de-Seine und Val-de-Marne gilt eine Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum. Auch in Marseille gilt bis mindestens Ende September eine generelle Maskenpflicht. Wer diese missachtet, muss in Frankreich mit einer Strafe von 135 Euro rechnen – im Wiederholungsfall werden sogar 1500 Euro fällig.

Weiterhin ist es möglich, dass in „roten Zonen“ das öffentliche Leben eingeschränkt wird – so könnten beispielsweise Restaurants oder Märkte wieder geschlossen werden. Außerdem könnte es zu Einschränkungen der Bewegungsfreiheit kommen.

Paris: Welche Corona-Regeln gelten am Eiffelturm und im Louvre?

Die meisten Sehenswürdigkeiten und Museen in Frankreich sind geöffnet. Damit Besucher genügend Abstand halten, ist die Ticket-Anzahl aber begrenzt, beispielsweise für den Eiffelturm oder den Louvre in Paris. Die Eintrittskarten müssen daher meist vorab online reserviert oder gekauft werden.