2020 – für viele war das ein Reise-Jahr zum Vergessen. Ausgangsbeschränkungen, Lockdown, Reise-Restriktionen: Wer die Welt sehen wollte, hatte nur wenig Möglichkeiten. Viele hoffen deshalb auf das nächste Jahr, und schon früh sagten Experten, dass beispielsweise Fernreisen ab 2021 langsam wieder möglich sein könnten.

Aber wird ein normales Reisen, wie wir es bis zum Jahresbeginn kannten, dann wieder möglich sein? Auch wenn davon auszugehen ist, dass sich die Situation vielerorts entspannt, ist mit einem normalen Reisejahr nicht zu rechnen. Denn dafür spielen zu viele Unsicherheitsfaktoren eine Rolle. 

Reisen 2021: Grenzschließungen bleiben ein Thema

Eines wäre etwa das Thema Grenzschließungen. Länder wie Indonesien und Thailand haben erst 2021 vor, überhaupt wieder Touristen ins Land zu lassen, auch Australien hat jüngst seine Grenzschließungen bis zum 17. Dezember verlängert. Öffnen die Grenzen erst 2021, wird es zumindest zu Beginn noch vorsichtige Annäherungen geben. Dass ein Land von heute auf morgen, nach fast einem Jahr, auf einmal zu 100 Prozent öffnet, ist eher unwahrscheinlich, wie auch Touristik-Professor Christian Leasser von der Universität St. Gallen, der „Neuen Zürcher Zeitung“ sagte. 

Staaten wie Südafrika, Botswana, Argentinien oder Sri Lanka geben aktuell nicht einmal mehr ein Zieldatum an, zu dem sie wieder öffnen möchten. Und selbst wenn Länder jetzt Touristen einreisen lassen, heißt das nicht, dass dies auch so bleiben wird. Namibia und Ungarn sind nur zwei Beispiele an Ländern, die ihre Grenzen wieder geschlossen haben, nachdem die Neuinfektionen mit Covid-19 zugenommen haben. 

Reisen 2021: Das große Hoffen auf Impfung gegen Corona

Auch wenn mit der Zeit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden wird, so wird es dann noch lange dauern, bis ein Großteil der Menschen in verschiedenen Ländern geimpft werden kann. Dadurch bleibt das Szenario, die Grenzen aufgrund eines lokalen Ausbruchs oder um die eigene Bevölkerung zu schützen wieder zu schließen, wohl auch 2021 Realität.

Ein weiteres Problem: Inzwischen kam heraus, dass Menschen sich  mehrfach mit Covid-19 infizieren können und eine dauerhafte Immunität nicht durch eine einmalige Infektion entsteht. Diese Erkenntnis bedeutet auch für Entwickler von Impfstoffen, dass sie neu ansetzen müssen. 

In Europa hingegen könnte es zum Sommer 2021 schon ein wenig normaler zugehen. Reiseveranstalter Tui berichtete erst kürzlich, dass es für den kommenden Sommer bereits eine große Anzahl an Reservierungen gebe. Deutlich mehr Menschen buchten jetzt schon Urlaub für den Sommer 2021 als im Vorjahreszeitraum für den Sommer 2020. 

Zudem will sich die Europäische Union nun zusammensetzen und gemeinsam eine Strategie erarbeiten. Derzeit kann jedes Land selbst entscheiden, unter welchen Bedingungen es Grenzen schließt, Einreisesperren verhängt oder Risikogebiete ausweist. Das soll noch im Herbst koordiniert werden, um Touristen nicht mehr so stark zu verunsichern.

Tourismus in der Corona-Krise: Wann normalisiert sich der Flugbetrieb?

Bis Mitte 2021 werde es dauern, bis sich der Flugbetrieb normalisieren könne, sagte kürzlich der Chef der Airline Emirates, Tim Clark, der Website „Aviation Pros“. Nach wie vor fallen wegen Reisewarnungen, Grenzschließungen und Buchungsrückgängen viele Flüge aus. Clark sagte, würde es bis März 2021 eine Impfung gegen das Coronavirus geben, könnte der Flugbetrieb bis Juni wieder wie geplant funktionieren. 

Aber auch dann ist die Frage: Gibt es noch alle Airlines? Monatelang standen Flugzeuge still, während Kosten für Personal, Flughäfen und Co. weiter liefen. Vor allem Fluggesellschaften, die schon vorher in finanziellen Schwierigkeiten waren, könnte die Insolvenz oder der Verkauf drohen.

Airlines: Erst 2024 wieder das Reise-Niveau von vor Covid-19

Geht es nach Werten der International Air Transport Association (IATA), könnte in Sachen Fernreisen erst 2024 wieder so etwas wie Normalität einkehren. Damit ist gemeint, dass wieder so viele Menschen wie vor der Corona-Pandemie unterwegs sind und dementsprechend auch viele Flüge zwischen verschiedenen Destinationen angeboten werden. 

Die IATA hat eigene Daten ausgewertet und festgestellt, dass sich der Flugverkehr nach den ersten Grenzöffnungen deutlich langsamer erholt hat als erhofft. Das liegt zum einen daran, dass es plötzlich wieder zu Ausbrüchen in Ländern kam, in denen man davon ausging, dass das Virus im Griff sei. Zum anderen auch an einem deutlichen Rückgang an Geschäftsreisen.

Corona trifft Reisebranche schwer: Hotels werden geschlossen bleiben

Ähnlich wie Fluglinien geht es allen Branchen, die vom Tourismus leben. Es wird Hotels geben, die nicht mehr wiedereröffnen, Restaurants, die dauerhaft schließen, und auch Bars und Clubs, die die Corona-Zeit nicht überleben. In Europa trifft das vor allem Regionen wie die Kanaren oder die Balearen, die massiv unter Reisewarnungen und der Einstufung als Risikogebiet litten. 

Aber ohnehin ist die Frage, wie der Tourismus 2021 an diesen Orten aussehen könnte. Denn selbst wenn die Corona-Pandemie eingedämmt ist, bleibt offen, ob es einen Partytourismus wie zuvor je wieder geben wird. Menschen, dicht an dicht gedrängt, die feiern, als gäbe es kein Morgen mehr? Ob wir diese Exzesse noch einmal erleben werden, kann nur die Zeit zeigen.

Reisen nach Corona: Die Chance auf einen Neustart

Es hat sich gezeigt, dass an der ein oder anderen Stelle auch ein Umdenken gefordert wird oder gar schon eingesetzt hat. Venedig und Amsterdam beispielsweise sind zwei Städte, die massiv unter Overtourism gelitten haben – vor allem, wenn die Massen der Kreuzfahrtschiffe zum Landgang kamen. Und sie haben jüngst angekündigt, dass es kein „Weiter so“ geben dürfe

Auch die Vereinten Nationen haben erst jüngst einen Bericht veröffentlicht und gefordert, dass der Tourismus sich nach Corona neu aufstellt: Nachhaltiger und sozial verträglicher soll er werden und den Menschen wieder in den Fokus rücken.