1. Digitale Lösungen für effizienteres Reisen

Online buchen, per Telefon einchecken, digitale Passkontrolle, mit dem Handy bezahlen: Covid-19 sorgte dafür, dass zunehmend Alternativen zu üblichen Modellen gesucht wurden. Das erhöht bisweilen auch die Sicherheit im Alltag, immerhin dämmen wir damit nicht nur Coronaviren ein, sondern auch andere Bakterien und Viren, die sich über direkten persönlichen Kontakt übertragen. 

Ein weiterer Vorteil: Da sich immer mehr Türen und Tore automatisch öffnen lassen, damit Türgriffe nicht angefasst werden müssen, können mobilitätseingeschränkte Menschen und auch Familien mit Kinderwagen einfacher zurechtkommen.

Die Digitalisierung des Reisens könnte uns in Zukunft einiges erleichtern. Zwar ist persönlicher Kontakt natürlich weiterhin notwendig, in vielen Dingen waren Regierungen und Branchen nun aber gezwungen, Alternativen zu entwickeln und anzubieten. Check-in-Prozesse können dadurch künftig beispielsweise schneller gehen und Gastbetriebe mussten mehr auf ihre Online-Auftritte achten.

Auch in punco Nachhaltigkeit entstehen so neue Chancen: Buchungsbestätigungen und Boarding-Pässe müssen nicht mehr ausgedruckt werden, sondern können schlicht über das Handy vorgezeigt werden. Manche Reisende machen das schon seit einigen Jahren – doch Corona hat es salonfähig gemacht.

Elektronische Boarding Pässe gab es schon vor Corona – doch plötzlich wurden sie salonfähig.

2. Hygienestandards in Hotels und Gaststätten

Ungeziefer im Hotel, Krümel vom Vorgänger unter dem Bett, Haare im Waschbecken: Hotels und Übernachtungsstätten können bisweilen auch mal eklig werden. Corona hat bei Reisenden wie Gastgebern das Bewusstsein geschärft, bessere Hygiene- und Sicherheitsrichtlinien einzuführen. 

Auch wenn wir hoffentlich irgendwann wieder auf den Mundschutz verzichten können, so schaden Desinfektionsspender im Foyer und eine Abstandsregelung dauerhaft nicht. Dass Hotels nun strengere Richtlinien bekommen haben, Zimmer bei einem Gastwechsel zu säubern und zu desinfizieren, ist ein großer Gewinn für Reisende und ihre Gesundheit. Wenn nur ein Teil davon nach der Covid-19-Pandemie erhalten bleibt, profitieren Gäste langfristig.

So gibt es in einigen Ländern wie der Türkei oder den Seychellen sogar Gesundheits-Zertifikate: Hotels können diese offiziell von ihren Regierungen erhalten, wenn sie alle genannten Hygienevorschriften umgesetzt haben. Touristen wissen also sofort, wie vertrauenswürdig und bemüht ihr Hotel ist. 

Desinfektionsmittel an Flughäfen und in Hotels sind eine positive Errungenschaft.

3. Flexible Buchungs- und Stornierungsoptionen

Wer bucht, muss auch fliegen oder fahren – so war das bisher weitestgehend. Doch Corona hat Reisenden wie Reiseveranstaltern gezeigt, dass ein wenig mehr Flexibilität notwendig ist, und so machte man sich daran, neue Lösungen zu finden, etwa mit Gutschein-Regelungen.

Reiseveranstalter und Fluglinien haben sich teilweise sehr kulant gezeigt, etwa wenn ein Passagier nicht in den Urlaub fliegen wollte, weil er aufgrund von Corona zu verängstigt war. Während einige zwar den vollen Preis verlangten, boten andere flexible Umbuchungsmöglichkeiten: für eine Reise später im Jahr oder einen Ortswechsel.

Selbst das Amtsgericht Frankfurt hat bestätigt: Wer eine Reise storniert, auch wenn keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliegt, muss nicht zwangsläufig den vollen Reisepreis zahlen. Im Urteil steht, dass Reiseveranstalter unter Umständen auch dann den Preis zurückerstatten müssen, wenn der Urlauber lediglich Angst vor dem Virus hat – nämlich dann, wenn eine „gewisse Wahrscheinlichkeit für eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Virus“ gegeben sei.

Viele Airlines mussten in der Corona-Krise umdenken – und machten flexible Umbuchungsregeln.

4. Slow Travel und nachhaltiges Reisen

Höher, schneller, weiter – das galt auch häufig beim Reisen. Je exotischer das Ziel, desto höheres Ansehen hatten Reisende in der Traveler-Community. Doch nun sind es andere Spots, die gefragt sind – ob Berge, Meer oder abgelegene Inseln. 

Corona hat die Welt kurz zum Stillstand gebracht – und sich nicht um höher, schneller, weiter geschert. Wer sich entschied, vor Ort zu bleiben, saß monatelang fest. Wer nach Hause zurückkehrte, saß ebenfalls lange fest. Statt mit dem Flugzeug nach Australien ging es in diesem Sommer mit dem Camper durch Norddeutschland oder per Roadtrip über die Alpen. 

Durch Covid-19 sind viele Möglichkeiten und Reiseziele weggefallen, aber durch die Entschleunigung war auch mehr Zeit, um einfach zu sein. Und wieder das ursprüngliche Gefühl des Reisens zu entdecken: Freiheit, Wahrnehmung, Achtsamkeit.

Frühstück am See, den Blick in die Berge gerichtet: Corona hat uns gezeigt, worum es beim Reisen eigentlich geht.

5. Leere Städte zum Atmen

Venedig, Amsterdam, Barcelona – und selbst das naturverbundene und dünn besiedelte Island stöhnten in den vergangenen Jahren quasi jeden Sommer ob der Vielzahl der Touristen. Überall wurden, vor allem von Anwohnern, Lösungen gefordert, die Städte zu beruhigen und wieder diejenigen in den Fokus zu rücken, die dort leben.

Corona brachte zumindest eine Auszeit vom Overtourism. Monatelang waren Einreisen nicht erlaubt, und selbst danach machten sich nicht die Massen auf den Weg nach Venedig und Co. Anwohner konnten durchatmen, und diejenigen, die sich in die Städte begaben, konnten sie tatsächlich erleben und nicht nur andere Menschen bestaunen.

Für jene Orte und Gebiete, die jahrelang unter Overtourism litten, ist Corona die Chance, sich neu aufzustellen und zu diskutieren, welchen Tourismus sie in Zukunft wollen.

In normalen Sommern kommen Tausende Menschen nach Venedig und verstopfen die Gassen – 2020 blieb es leer.

6. Bewusstseinsveränderung

Die heute 20- bis 40-Jährigen werden auch als Generation Reise bezeichnet. Wir haben früh gelernt, dass uns die Welt offensteht, mit unserem deutschen Reisepass und dem notwendigen Kleingeld. Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie trügerisch unsere Selbstwahrnehmung ist

Nachdem sich Covid-19 in Europa ausbreitete, waren die Europäer plötzlich nicht mehr überall auf der Welt umworben und beliebt, ganz im Gegenteil. Wir brachten die Krankheit. Unsere weißen, europäischen Privilegien wurden vielen vielleicht erst bewusst, als Corona sie vorübergehend verschwinden ließ. 

So hat Corona bei so manch einem auch zu einer Bewusstseinsveränderung geführt und aufgezeigt, dass reisen nicht für jeden auf der Welt selbstverständlich ist und dass die Freizügigkeit jederzeit, ob durch eine Pandemie oder beispielsweise weil ein Staat in die Diktatur abrutscht, ändern kann.

Wir haben gelernt, dass die Reisefreiheit ein wertvolles Gut ist, das wir verteidigen müssen. Und dieses Bewusstsein wird uns hoffentlich in Zukunft begleiten, wenn wir unterwegs sind – und sich auch auf Begegnungen mit Menschen auswirken. 

7. Das eigene Umfeld entdecken

Wer gern in die Ferne schaut, übersieht manchmal das, was in der Nähe liegt. Es gibt Menschen, die den Louvre in Paris und die Freiheitsstatue in New York, die Pyramiden in Ägypten und den Taj Mahal in Indien gesehen haben, das Museum oder den botanischen Garten in der eigenen Stadt aber nicht. „Das kann ich ja später noch machen, wenn ich nicht mehr so mobil bin“, sagt sich manch einer. Corona hat uns auch hier die Augen geöffnet.

Aber selbst als kulturelle Einrichtungen noch geschlossen hatten, war die Erkundung des eigenen Umfelds quasi die einzige Möglichkeit, mal rauszukommen: Bei Wanderungen durch die Wälder und Parks in der Umgebung, bei Fahrradtouren zum nächsten See. Das Schöne liegt oft gar nicht so weit weg – man muss es nur sehen wollen. 

8. Virtuelles Reisen macht die Welt kleiner

Museen, die plötzlich virtuelle Rundgänge anbieten, Webcams in Wildlife-Camps in Subsahara-Afrika oder Live-Aufnahmen von berühmten Stränden: Technische Möglichkeiten wurden im Corona-Jahr 2020 genutzt, um die Welt ein kleines bisschen kleiner und für jeden zugänglich zu machen.

Museen öffneten für die Allgemeinheit und virtuell konnten Menschen aus aller Welt, für die Reisen sonst schwierig sind, durch Ausstellungen schlendern. Träumer, die sich keine Safari in Südafrika leisten können, konnten über Webcams oder Live-Schalten mit Rangern auf Tiersuche gehen.

Auch wenn das virtuelle Reisen kein vollwertiger Ersatz für Tourismus ist, für das Erleben, Spüren, Riechen von neuen Dingen, so hat es das Reisen für Menschen möglich gemacht, die sonst ausgeschlossen werden, etwa weil sie die finanziellen Möglichkeiten nicht haben, ihr Reisepass ihnen keine große Freiheit lässt oder schlicht, weil sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.

Das Pergamonmuseum in Berlin war während der Corona-Pandemie virtuell zugänglich.

9. Fokus auf neue Gebiete

Wenn der Deutschen liebste Reiseziele wie Spanien, Ägypten, Thailand oder Südafrika nicht erreichbar sind, müssen neue Lösungen gefunden werden – denn nach wenigen Corona-Monaten zeigte sich schon: Die Deutschen wollen reisen. Die Corona-Pandemie hat uns dabei aber auch vor Augen geführt, wie festgefahren wir oft bei der Wahl unserer Reiseziele sind.

Dagegen gibt es, in der Nähe wie in der Ferne, viele Ziele, die ebenfalls Aufmerksamkeit verdienen und die wir vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatten – bis Corona uns zum Umdenken zwang. Wandern im Harz oder in der Sächsischen Schweiz, Insel-Hopping in der Nordsee, aber auch abgelegenere Gebiete in Griechenland oder Italien rückten plötzlich in den Fokus.

Durch Corona haben wir neue Gebiete und Orte entdeckt, die wir sonst vielleicht nie kennengelernt hätten. Und darin liegt auch eine Chance für das Reisen in der Zukunft: Lasst uns den Blick erweitern und Neues kennenlernen. Denn auch darum geht es beim Reisen.