Beschleunigung beim Start, abheben – und dann direkt eine extreme Rechtskurve fliegen: Das droht bei der Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafen BER. In nur 180 Metern Höhe von der Startbahn aus gesehen sollen die Piloten bei Ostwind mitunter in eine 145-Grad-Rechtskurve fliegen, nur wenige Sekunden nach dem Abheben.

Wenn der neue Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg am 31. Oktober eröffnet, könnte es für Passagiere mitunter unangenehm werden – vor allem für jene, die an Flugangst leiden. Das befürchten zumindest Piloten der Vereinigung Cockpit, sollte die derzeitige Routenplanung beibehalten werden. Konkret geht es um das geplante  Flugmanöver „LULUL 1B”, die Hoffmann-Kurve. Sie wird aber auch schon Stunt- oder Kotzkurve genannt.

Drei Sekunden nach Abheben am BER geht es in die extreme Kurve

In voller Geschwindigkeit knapp über dem Boden so stark abdrehen: Das könne zu Angst und Übelkeit bei Passagieren führen, vor allem, wenn Piloten vorher keine Erklärung über das Bordmikrofon abgeben. 

Wie der „Tagesspiegel“ unter Verweis auf die Vereinigung Cockpit berichtet, sprechen Piloten von einem „unnötigen Sicherheitsrisiko“, da man sich nach dem Start auf den Steigflug konzentrieren müsse. „Eine solche Kurve zu fliegen, während Klappen und Fahrwerk noch einfahren, trägt nicht zur Ruhe im Cockpit bei“, sagte ein Sprecher dem Branchenmagazin „Aerotelegaph“. 

In 145-Grad-Kurve nach dem Start: Piloten sehen „unnötiges Sicherheitsrisiko“

Die Kurve wurde benannt nach dem Piloten Marcel Hoffmann, der die Berechnungen dafür aufstellte. Grund dafür war die Debatte über die Flugrouten, die im Herbst 2010 aufkam, als klar wurde, dass viel mehr vom BER-Lärm betroffen sein würden als vorher von Politik und Flughafengesellschaft versprochen. Darüber berichtete damals unter anderem die „Märkische Allgemeine Zeitung“.

Aber: Bei einem solchen Manöver, so ein Sprecher der Vereinigung Cockpit, würden öfter Fehler passieren als beim normalen Startvorgang. Auch das Wetter spiele eine Rolle – starker Wind, Nebel und Regen beeinträchtigen die Sicht und das Flugverhalten und machen solche Manöver noch schwieriger. 

Zudem sei das Flugzeug in Schräglage bei geringer Höhe weniger manövrierfähig, wenn es etwa zu technischen Problemen oder Vogelschlag kommt, argumentiert Felix Gottwald, Experte für Flugsicherheit bei der Vereinigung Cockpit, im Interview mit „Aerotelegraph“. Er bezeichnet die Kurve als „legal und machbar, aber nicht optimal“. 

Die Hoffmannkurve werden allerdings nur wenige Fluggäste des Airports erleben: Die Route ist nur bei Ostwind für von der Südbahn startetende Flüge konzipiert – und zwar aus Gründen des Lärmschutzes im Sinne der Anwohner.

Die Inbetriebnahme des Berliner Flughafens BER soll am 31. Oktober erfolgen. Er wurde im Süden des bereits bestehenden Flughafens Berlin-Schönefeld gebaut – Schönefeld wird auch weiterhin in Betrieb bleiben. Anders ist das für Tegel, die Eröffnung des BER bedeutet hier das Ende: Am 8. November soll der Airport Tegel vom Netz gehen. 

Klage gegen die „Kotzkurve“ scheiterte

Festgelegt und genehmigt wurde die Route bereits 2012, schon damals kritisierten Piloten das Vorhaben. Eine Klage wurde aber am Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg abgewiesen. Ein Grund: Piloten könnten generell auch eine andere Route fliegen – dafür wird allerdings mehr Zeit und mehr Treibstoff benötigt. 

Dass sich bis zur Eröffnung am 31. Oktober also, wenn auch unter neuer Leitung durch Engelbert Lütke Daldrup, noch etwas ändert, ist eher unwahrscheinlich – auch wenn das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung selbst von einer „anspruchsvollen Kurve“ spricht. Dort heißt es, schreibt der „Tagesspiegel“, dass man die Route wie alle anderen auch auswerten werde, wenn erste Daten vorlägen.